InfoStream -

Neue Urteile gesprochen Luxusfahrzeuge im Betrieb: Steuerlich nicht unproblematisch

Wenn sich ein Unternehmer oder GmbH-Gesellschafter-Geschäftsführer einen Luxuswagen als Dienstauto gönnt, schaut das Finanzamt kritisch hin. Zwei aktuelle und bereits rechtskräftige Urteile – positiv und negativ aus Sicht für Unternehmen – haben die steuerliche Diskussion um Luxusfahrzeuge nun weiter aufgeheizt.

Fall 1: Lamborghini für Gebäudereinigungsfirma

Im ersten Urteilsfall gönnte sich der GmbH-Gesellschafter-Geschäftsführer einer Gebäudereinigungsfirma einen Lamborghini Aventador als Firmenwagen. Der Bruttoeinkaufspreis lag bei 298.475 Euro. Den Privatanteil versteuerte er nach der Ein-Prozent-Regelung. Die Gebäudereinigungs-GmbH erwirtschaftet jährlich einen Gewinn von rund 100.000 Euro. Seinen Kauf begründete der GmbH-Gesellschafter-Geschäftsführer damit, dass es ihm immer wieder gelungen ist, über seine Sportwagenkontakte neue Kunden zu gewinnen. Zudem sei der Lamborghini zwar teuer, aber gleichwohl ein serienmäßig hergestelltes Fahrzeug.

Das Finanzamt und das Finanzgericht Hamburg folgten dieser Argumentation steuerlich nicht. Sie kippten sowohl den Betriebsausgabenabzug für den Sportwagen als unangemessenen Repräsentationsaufwand nach § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 4 EStG, als auch den Vorsteuerabzug aus dem Kaufpreis und aus den laufenden Pkw-Kosten nach § 15 Abs. 1a Satz 1 UStG (FG Hamburg, Urteil vom 11. Oktober 2018, Az. 2 K 116/18; rechtskräftig).

Begründung der Hamburger Richter: Ein Lamborghini ist seinem Erscheinungsbild nach ein Prototyp eines Sportwagens, der trotz serienmäßiger Herstellung im Straßenbild Aufsehen erregt, der sportlichen Betätigung dienst und geeignet ist, ein Affektionsinteresse des Halters auszulösen und typisierend den privaten Interessen des GmbH-Gesellschafter-Geschäftsführers zu dienen.

Praxis-Tipp: Fährt also ein Handwerker ein Luxusfahrzeug auf Kosten seines Handwerksbetriebs, sind kritische Überprüfungen des Finanzamts vorprogrammiert. Im Fokus der Überprüfungen stehen übrigens nicht nur die Betriebsausgaben und der Vorsteuerabzug für den Luxusschlitten, sondern auch, wie der Kaufpreis finanziert wurde.

Fall 2: Ferrari California für GmbH im Bereich Projektentwicklung zur Energieerzeugung

Beim zweiten Urteilsfall kaufte eine GmbH, die im Bereich der Projektentwicklung zur Energieerzeugung von regenerativen Quellen tätig ist, einen Ferrari California für brutto 182.900 Euro. Das Fahrzeug kommt bei Netzwerktreffen zum Einsatz, um Kooperationspartner zu akquirieren. Bisher ist dies jedoch nicht gelungen. Auch zu Besuchen potentieller Investoren wurde das Luxusfahrzeug genutzt. Für Besuche bei Landwirten, mit denen Pacht- und Kaufverträge ausgehandelt wurden, kam ein VW-Tiguan aus dem betrieblichen Fuhrpark zum Einsatz.

In dieser Branche kann es tatsächlich förderlich sein, mit teuren Luxusautos potentielle Investoren zu akquirieren. Aus diesem Grund wurden die Betriebsausgaben für den Ferrari zum Abzug zugelassen und der Vorsteuerabzug wurde gewährt (FG Hamburg, Urteil vom 27. September 2018, Az. 3 K 96/17).

Fazit: Ob ein betriebliches Luxusfahrzeug im Betrieb steuerlich anzuerkennen ist, hängt entscheidend davon ab, in welcher Branche man sich befindet. Bei Handwerksbetrieben geht der Trend der Rechtsprechung eher in die Richtung, dass Luxusfahrzeuge steuerlich tabu sind. Wer also keinen Ärger mit dem Finanzamt haben möchte, sollte sich seinen Traum vom Luxusauto besser privat erfüllen.

© deutsche-handwerks-zeitung.de 2019 - Alle Rechte vorbehalten