Fachkräftereport Lottogewinn egal! Die Hälfte der Handwerker würde weiterarbeiten

Sicherheit und Sinnhaftigkeit im Job statt Geld und Karriere: Das ist den Fachkräften im Handwerk wichtig. Wer neue Mitarbeiter sucht, sollte daher ganz besondere Kriterien betonen, wie der Fachkräftereport 2021 zeigt.

Lottokugeln
Rund 50 Prozent der Handwerker, die eine Million gewinnen würden, würden danach weiterarbeiten. Das gaben die Teilnehmer des Fachkräftereports 2021 an. - © Fiedels - stock.adobe.com

Die Mehrheit der Fachkräfte aus dem Handwerk achtet bei der Jobsuche weder auf Möglichkeiten einer großen Karriere noch ist sie auf der Jagd nach überdurchschnittlichem Verdienst: "Gute Aufstiegschancen" finden 27,4 Prozent sehr wichtig, ein "überdurchschnittliches Grundgehalt" 36,2 Prozent. Das zeigt der Fachkräftereport 2021 von meinestadt.de. Das Marktforschungsinstitut GapFish hat für das Regionalportal 4.200 Fachkräfte mit Berufsausbildung befragt, darunter 329 aus dem Handwerk.  

Sicherheit im Job ist gefragt

Die Umfrage zeigt aber auch, wo die Prioritäten liegen: "Einen sicheren Arbeitsplatz" bezeichnen 75,6 Prozent als sehr wichtig, die "pünktliche Gehaltszahlung" sogar 77,4 Prozent. Vor die Alternative gestellt genug Zeit für die eigene Familie oder gute Aufstiegsmöglichkeiten im Job zu haben, entscheiden sich 84,2 Prozent der Handwerker und Handwerkerinnen für die Familie.

Auch eine positive Unternehmenskultur wird mehrheitlich hoch priorisiert, etwa was ein stets offenes Ohr der Vorgesetzten (55,3 Prozent) und eine gute Beziehung zu den Kollegen (54,2 Prozent) angeht.

Arbeitgebercheck vor der Bewerbung

Arbeitgeber, die neue Fachkräfte suchen, sollten auch berücksichtigen, dass diese sich vor der Bewerbung umfassend im Internet über ein Unternehmen informieren. Um vor der Bewerbung herauszufinden, ob es sich um einen guten Arbeitgeber handelt, schauen sich, laut Fachkräftereport, 69,9 Prozent der Handwerker die Karrierewebsite des Wunschunternehmens an. 58,3 Prozent recherchieren, in welcher Art das Unternehmen in (Online-)Presseartikeln von sich reden macht. 46,8 Prozent checken Arbeitgeberbewertungsplattformen.

Die Macher der Umfrage empfehlen daher insbesondere kleineren Betrieben, sich um ein umfassendes Personalmanagement zu kümmern, dass über die Stellenanzeige hinaus geht.

Hohe Sinnstiftung im Handwerk

Obwohl acht von zehn Umfrageteilnehmern den Begriff "New Work" nicht kennen, spielt der damit eng verbundene Begriff "Purpose", der Sinn der Arbeit, wiederum für die Mehrheit eine große Rolle.

57,5 Prozent der Handwerker ist es sehr wichtig, einen sinnvollen Job auszuüben, 58,4 Prozent empfinden die eigene Tätigkeit tatsächlich als "sehr sinnvoll". Damit ist das Handwerk unter den befragten Gruppen im Fachkräftereport die Branche mit der zweithöchsten Sinnstiftung. Nur Fachkräfte in der Pflege finden ihre Arbeit noch sinnvoller.

Dass für Handwerker die Arbeit mehr als nur reiner Broterwerb ist, zeigt auch die Antwort auf die Frage, ob sie nach einem Millionengewinn im Lotto weiterarbeiten würden: Die Hälfte antwortet hier mit "Ja". In der Pflegebranche sind es mit 55,2 Prozent nur wenige Prozentpunkte mehr. 

Wie Fachkräfte im Handwerk Sinn im Job erleben

Die Macher der Studie zeigten außerdem, wie die Handwerker die Sinnhaftigkeit ihrer Arbeit definieren. "Handwerker stellen häufig mit den eigenen Händen etwas Sinnvolles her, reparieren alltags- und lebenswichtige Dinge. Wenn es gut läuft, schauen Sie regelmäßig in die zufriedenen Augen ihrer Kunden", heißt es als Rat in der Pressemitteilung. Den Sinn ihrer Arbeit erlebten die Umfrageteilnehmer ganz individuell: Ein Schreiner beispielsweise machte ihn an seiner "Liebe zum Detail" fest. Ein Fleischer schrieb, der Sinn seines Jobs bestehe in der "Versorgung der Bevölkerung", ein Fliesenleger machte durch seine Arbeit "das Leben der anderen angenehmer" und ein Kfz-Mechatroniker sah den Sinn darin, für die Mobilität der Menschen zu sorgen. jes