UBA-Studie zur dezentralen Energieversorgung Lokale Anlagen machen Netzausbau überflüssig

Die geplanten Stromautobahnen quer durch Deutschland treiben die Energiepreise nach oben. Doch dass die Energiewende voraussichtlich auch ohne einen Netzausbau möglich wäre, verschweigt die Bundesregierung lieber. Eine Studie des Umweltbundeamts zur dezentralen Energieversorgung, soll erst veröffentlicht werden, wenn die Ausbaupläne beschlossen sind. Eine wichtige Forderung des Handwerks wird damit ignoriert.

Mit Miniheizkraftwerken und Solaranlagen ist eine lokale autarke Energieversorgung ist schon heute möglich. - © Jürgen Fälchle/Fotolia

Der Ausbau der Stromnetze kostet 20 Milliarden Euro. Milliarden, die dazu beitragen, dass die Stromkosten stetig ansteigen. Dabei könnte es auch anders und vor allem billiger gehen. Technisch ist es heute bereits möglich, Häuser, Häuserblocks und sogar ganze Orte vom überregionalen Energienetz abzukoppeln und sie dezentral über kleinere Anlagen zu versorgen. Und dabei laufen die Blockheizkraftwerke, Photovoltaikmodule und Biogasanlagen komplett über die erneuerbaren Energien – also Energiewende pur.

Kostendruck bleibt Realität

Kleine Betriebe, ob aus dem Elektro- oder aus dem Heizungsbauerhandwerk, berichten auf Messen und Ausstellungen wie beispielsweise bei der "Woche der Umwelt" vergangene Woche in Berlin immer wieder von gelungenen Umrüstungen und dem Aufbau regionaler und lokaler Anlagen, die nun völlig unabhängig von den großen Stromkonzernen und dem damit verbundenen Kostendruck funktionieren.

"Wir können die Energiewende damit ganz gezielt unterstützen", sagt auch Jürgen Schmid, der Präsident der Handwerkskammer für Schwaben. In Berlin hat die Kammer für dieses Thema geworben, doch bislang fühlt sich das Handwerk hier noch nicht richtig ernst genommen. Dabei könnten die Betriebe in der Kostendebatte einfache Lösungen bieten. "Dezentralität und Regionalität" seien die Stichwörter. Damit werde die Debatte überflüssig.

Welches Potenzial wirklich in der Dezentralisierung der Energieversorgung steckt, wollte deshalb auch das Umweltbundesamt wissen und hat eine Modellrechnung dazu erstellt. Doch bislang bleiben die Ergebnisse geheim. Nach Angaben der "Tageszeitung" (taz) liegen die berechneten Szenarien zwar schon seit sieben Monaten vor, doch die Behörde wolle sie nun nochmals kritisch prüfen und hält sie deshalb weiter unter Verschluss.

Zu spät für die Studie

Erst Ende des Jahres sollen die Ergebnisse der Öffentlichkeit bekannt gegeben werden. Doch dann ist es zu spät, um den teuren Netzausbau noch zu stoppen. Noch bis zum 10. Juli haben Bürger und Unternehmen die Möglichkeit im Internet Einwände gegen den nationalen Ausbauplan zu äußern, danach will die Bundesregierung ihn beschließen – zu spät also für die Studie des Umweltbundesamts (UBA) .

Wie die taz berichtet, möchte auch das übergeordnete Bundesumweltministerium der Stellungnahme des UBA nichts hinzufügen. Die Ergebnisse sind angeblich noch nicht genug geprüft, voraussichtlich käme sie dem Ministerium aber auch nicht gerade gelegen. Bei einer Podiumsdiskussion in der vergangenen Woche musste der zuständige Minister, Peter Altmaier den Ausbauplan bereits stark verteidigen. Mit den Plänen, die dezentrale Energieversorgung stärker zu unterstützen, wollte er sich nicht zufrieden geben.

"Wir brauchen den Netzausbau", betonte Altmaier und verwies auf die bereits gebauten großen Windkraftanlagen auf dem Meer, deren Strom nur dann genutzt werden könnten, wenn die Stromnetze ausgebaut werden. "Wir unterstützen die Offshore-Windanlagen mit staatlichen Geldern und da finde ich es ökologisch nicht sinnvoll, den Strom jetzt nicht auch zu nutzen, nur weil die Netze das nicht packen", verteidigt der Umweltminister seine Pläne.

Das System in Frage stellen

Nur mit dem Netzausbau kann nach Angaben der Bundesregierung der Umstieg auf erneuerbare Energien gelingen und eine sichere Stromversorgung gewährleistet werden. Doch das Handwerk sieht das anders. Elektromeister Manfred Guggenmos aus dem Allgäu, der auch bei der "Woche der Umwelt" ausstellte, kritisiert die Regierung für ihr Verhalten in Sachen Energiewende. "Die Politik will doch die Energiewende gar nicht wirklich", kritisierte er die Politiker, die nach seiner Ansicht jede Form von unabhängiger Energieversorgung ablehne. Denn dann würde doch das ganze System der Energiekonzerne in Frage gestellt, gibt er zu bedenken.

In der aktuellen UBA-Studie steht nach Angaben der taz vor allem die Solarenergie im Fokus. Bis 2050 könnten hierzulande zehnmal so viele Solaranlagen installiert werden wie heute. Welche Kosten damit auf die Regierung und die Verbraucher zukommen, hängt auch von der Förderung des Solarstroms und anderen Faktoren ab. Ob dies jedoch eine wirkliche Alternative zum geplanten Netzausbau wäre, bleibt offen. Solange die Öffentlichkeit nicht über die aktuellen Zahlen informiert wird, kann auch keine gerecht Debatte stattfinden. Nur die Kosten werden verteilt, nicht aber die Informationen. jtw