Spitze im September erwartet Leichte Abschwächung der Inflation - Aber keine Trendwende

Nach der Einführung von Tankrabatt und 9-Euro-Ticket schwächt sich die Inflation in Deutschland den zweiten Monat in Folge etwas ab. Die leichte Entspannung ist nach Einschätzung von Ökonomen aber nicht von Dauer.

Portemonnaie
Der Privatkonsum ist eine wichtige Stütze der deutschen Konjunktur. - © vegefox.com - stock.adobe.com

Die Inflation in Deutschland hält sich trotz einer weiteren leichten Abschwächung hartnäckig über der Marke von sieben Prozent. Die Verbraucherpreise stiegen im Juli nach einer ersten Schätzung des Statistischen Bundesamtes gegenüber dem Vorjahresmonat um 7,5 Prozent. Im Juni lag die Jahresteuerungsrate noch bei 7,6 Prozent und im Mai sogar bei 7,9 Prozent. Für Entlastung sorgten erneut der Tankrabatt und das 9-Euro-Ticket. Hinzu kam der Wegfall der Ökostrom-Umlage zum 1. Juli. Auf eine Trendwende können Verbraucher Ökonomen zufolge vorerst aber nicht hoffen - im Gegenteil.

Anstieg der Inflation im September erwartet

Preissprünge bei Energie infolge des Ukraine-Krieges und steigende Lebensmittelpreise heizen die Inflation in Europas größter Volkswirtschaft seit geraumer Zeit an. Im Juli verteuerte sich Energie um 35,7 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Nahrungsmittel kosteten 14,8 Prozent mehr als ein Jahr zuvor, wie die Wiesbadener Behörde am Donnerstag mitteilte.

Verbraucherinnen und Verbraucher müssen sich Ökonomen zufolge in den kommenden Monaten auf wieder anziehende Inflationsraten einstellen, auch weil 9-Euro-Ticket und Tankrabatt bis Ende August befristet sind. Nach Einschätzung von Commerzbank-Volkswirten wird die Inflationsrate im September einen Sprung nach oben machen, "sodass bis Jahresende eine 8 vor dem Komma stehen dürfte."

Gas-Umlage von mehreren hundert Euro

Ähnlich sieht das Friedrich Heinemann vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW). Im Herbst würden außerdem viele Jahresverträge der Strom- und Gaslieferanten zu stark erhöhten Bezugspreisen erneuert. "Das wird zu einer neuen Inflationsspitze führen."

Ab Herbst sollen Energieversorger über eine Umlage stark gestiegene Einkaufspreise wegen der Drosselung russischer Lieferungen zudem an alle Gasverbraucher weitergeben können. Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) rechnet damit, dass jährlich Kosten von mehreren Hundert Euro pro Haushalt auf die Verbraucher zukommen. Die endgültige Höhe der Gas-Umlage stehe noch nicht fest.

Weniger Unternehmen erhöhen Preise

Hoffnung macht eine aktuelle Ifo-Umfrage, wonach immer weniger Unternehmen ihre Preise erhöhen wollen. "Die Preise dürften zwar weiter steigen, allerdings wird sich das Tempo verlangsamen. Damit hat die Inflation ihren Höhepunkt voraussichtlich erreicht und wird im Verlauf der zweiten Jahreshälfte allmählich zurückgehen", sagte Ifo-Konjunkturchef Timo Wollmershäuser. In der Regel schlagen sich die Preiserwartungen der Unternehmen nach seinen Angaben mit ein paar Monaten Verzögerung in den Verbraucherpreisen nieder. dpa/aul