Bei der Suche nach einer passenden Ausbildung sollten Sie strategisch vorgehen und frühzeitig anfangen zu suchen – am besten ein bis anderthalb Jahre vor dem Ausbildungsbeginn. Mit diesen Tipps finden künftige Azubis ihren Traumberuf.
Melanie Höhn

Ausbildungsplatzsuche Schritt für Schritt:
1. Soll der Betrieb in der Nähe des Wohnortes sein oder wollen Sie wegziehen? Um diese Frage zu beantworten, sollte man eine Liste mit Plus- und Minuspunkten für beide Varianten erstellen und erst dann entscheiden. Danach kann gezielter an einem Ort oder in einer Region nach einer Stelle gesucht werden.
2. Oft hilft ein Praktikum bei der Berufswahl in einem Arbeitsfeld, das einen interessiert. Danach kann man entscheiden, ob sie eine Ausbildung in diesem Bereich machen möchten. Freie Praktikantenstellen gibt es bei Azubiyo.de oder Praktikum.info . Nicht selten führt ein Praktikum zu einer weiteren Beschäftigung oder Übernahme als Auszubildender im Betrieb.
3. Ausbildungsmessen oder Tage der offenen Tür in Ihrer Region können erste Türöffner sein. So lernt man Betriebe und Personen kennen und knüpft erste Kontakte.
4. Für die Suche können angehende Azubis die Unterstützung der Berufsberatung der Agentur für Arbeit in Anspruch nehmen. Sie hilft mit ihrem individuellen Vermittlungsservice bei der Suche nach einer passenden betrieblichen Ausbildungsstelle und vermittelt Ihnen ausgewählte Adressen von Ausbildungsstellen an Ihrem Wohnort oder im gesamten Bundesgebiet. Ein Berufsberater informiert auch über die regionalen schulischen Ausbildungsmöglichkeiten und die für Ihren Berufswunsch geltenden Zugangsvoraussetzungen sowie Bewerbungstermine.
5. Lehrstellenbörsen im Internet helfen darüber hinaus bei der Ausbildungssuche. Auf allgemeinen Online-Jobbörsen wie Monster und Stepstone können Sie Ihre Suche nach Ausbildungsart und Branche eingrenzen. Spezialisierte Handwerks-Stellenbörsen bieten unter anderem die Handwerkskammern auf ihren Seiten (z.B. Lehrstellenbörse der Handwerkskammer Stuttgart oder der Lehrstellenradar. Diese App informiert tagesaktuell über freie Ausbildungsstellen in Handwerksberufen.
6. Hilfreich ist oft auch die lokale Tageszeitung, mit den dort veröffentlichten Stellenanzeigen. Wer möchte und schon genaue Berufsvorstellungen hat, kann dort selbst ein Gesuch schalten.
7. Betriebe veröffentlichen oftmals Ausschreibungen auf ihren Homepages, die nicht in Online-Jobbörsen zu finden sind. Wer eine Stelle sucht und schon weiß, welche Arbeitgeber interessant sind, kann das Internet und die Websites des Firmen gezielt durchforsten.
8. Auf den Webseiten der Verbände werden auch Stellen ausgeschrieben. Dort findet man auch Adressen von verschiedenen Betrieben, die für die betreffende Branche interessant sein könnten.
9. Filme zu den Ausbildungsberufen im Handwerk finden angehende Azubis hier oder auf Azubi TV .
10. Wichtig ist es, sich immer eine Alternative zum Traumberuf zu überlegen, falls die erste Wahl nicht auf Anhieb klappt. Gut ist es mit Freunden und Bekannten zu sprechen, ob diese von freien Ausbildungsberufen gehört haben oder einen Tipp für einen eher unbekannten Beruf haben, der passen könnte. Lohnen kann es sich dann auch, Bewerbungen in Eigeninitiative ab zuschicken und nicht erst dann, wenn es eine Stellenanzeige gibt.
11. Nicht entmutigen lassen, wenn es nicht auf Anhieb klappt. In den meisten Fällen braucht man Geduld und Durchhaltevermögen, bis man die richtige Ausbildungsstelle gefunden hat.
Die größten Fehler bei der Ausbildungsplatzsuche:
Alexander Dietz, Leiter der Ausbildungsberatung der Handwerkskammer für München und Oberbayern, spricht im Interview mit der Deutschen Handwerks Zeitung über weitere wertvolle Bewerbungstipps und die größten Fehler bei der Suche:
DHZ : Welche Tipps haben Sie für junge Menschen, die sich für einen Ausbildungsberuf im Handwerk interessieren?
Dietz: Jugendliche sollten zuallererst überlegen, welche Ausbildungsberufe für sie in Frage kommen und diese anschließend im Rahmen von Praktika ausprobieren. Innerhalb von ein bis zwei Wochen kann ich ganz gut feststellen, ob mir ein Beruf liegt, oder nicht. Wichtig dabei ist, sich nicht nur auf einen Wunschberuf zu fokussieren, sondern nach Alternativen zu suchen: einen Ausbildungsplatz im Wunschberuf und noch dazu am Wohnort findet schließlich nicht jeder! Eine gute Gelegenheit, mehrere Handwerksberufe auszuprobieren, besteht bei der "Ferien-Werkstatt" der Handwerkskammer für München und Oberbayern. Dort können Jugendliche zwischen 13 und 16 Jahren vom 4. bis 8. August fünf Handwerksberufe ausprobieren. Alles Wissenswerte steht im Internet unter ferien-werkstatt.de .
DHZ: Welches sind Ihrer Meinung nach die größten Fehler bei der Ausbildungssuche?
Dietz: Der größte Fehler ist, an den persönlichen Neigungen und Interessen vorbei einen Ausbildungsberuf zu wählen, nur weil dort eine höhere Ausbildungsvergütung bezahlt wird. Schlecht ist auch, sich erst kurz vor Beginn des Ausbildungsjahres um eine Lehrstelle zu kümmern. Mit dem Zwischenzeugnis der 9. Klasse sollte die "heiße Phase" der Bewerbung starten. Das heißt, bis dahin sollte ich bereits Praktika absolviert haben. Oftmals entsteht aus einem Praktikum heraus nämlich ein Lehrverhältnis.
DHZ: Was darf man nicht vergessen, wenn man auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz im Handwerk ist?
Dietz: Ich würde auf alle Fälle meine Eltern um Rat fragen. Schließlich kennen diese meine Stärken und Schwächen so gut wie sonst niemand. Und sie haben im Zweifel selber mal eine Ausbildung gemacht. Vielleicht sogar in dem Beruf, der auch mich interessiert? Außerdem kennen sie sicher einen Handwerker, bei dem ich mein erstes Praktikum machen könnte.