Umweltverschmutzung Länder können kostenlose Plastiktüten verbieten

Jeder Einwohner der Europäischen Union nutzt im Schnitt 200 Plastiktüten pro Jahr. Viele werden arglos weggeworfen und belasten die Umwelt. Künftig dürfen die EU-Staaten Steuern oder Gebühren auf Kunststoffbeutel erheben.

Über 70 Plastiktüten nutzt jeder Deutsche pro Jahr, davon sind 64 Einwegtüten. Die EU will das auf 40 begrenzen. - © DUH

Deutschland liegt beim Verbrauch von Plastiktüten im Mittelfeld. Einem Bericht des Umweltbundesamtes zufolge nutzt jeder Deutsche 71 Tüten pro Jahr, davon sind 64 Einwegtaschen. Für andere Länder wie etwa werden mehrere hundert Tüten insgesamt gezählt.

In anderen Ländern werden dafür jedoch mehrere hundert Tüten insgesamt gezählt. Der europäische Durchschnitt liegt bei rund 200 Tüten, darunter 176 Einwegtüten. Doch es gibt auch positive Beispiele wie etwa Irland. Die Iren verbrauchen am wenigsten Plastiktüten: Dort seien es im Schnitt 20 Stück, darunter 18 Einwegtüten.

Steuer auf Tüten zeigen Wirkung

In Irland werden bereits Steuern auf Einwegplastiktüten verlangt – und das macht sich bemerkbar. Umweltexperten fordern seit langem, dass der Verbrauch von Plastiktüten sinken muss.

Nun zieht die EU nach. Bereits von EU-Botschaftern im November 2014 beschlossene Pläne haben die für Wettbewerbsfragen zuständigen Minister der Europäischen Union (EU) am Montag bei einem Treffen in Brüssel endgültig abgesegnet.

Um weniger leichte Einwegtüten in Umlauf zu bringen, dürfen die EU-Staaten künftig Steuern oder Gebühren auf Beutel erheben. Zudem sollen die Staaten konkrete Ziele zur Verminderung beschließen. Auch nationale Verbote wären dann möglich.

Damit würden viele Verbraucher stärker zur Kasse gebeten. Teilweise müssen Kunden schon heute im Laden geringe Centbeträge für Plastiktüten zahlen, doch häufig sind die Beutel noch gratis.

Nur noch 40 Beutel pro Jahr

Ziel ist es, dass jeder EU-Bürger bis Ende 2025 im Schnitt nur noch 40 Beutel verbraucht. Nicht betroffen von dem Vorhaben sind robuste Mehrfachtüten oder extrem dünne Tüten, die für Obst, Gemüse oder Frischfleisch benutzt werden.

Kunststoff erzeugt für die Umwelt oft riesige Probleme. Viele Plastiktüten gelangen in die Meere. - © Foto: Patrick Pleul/dpa

Die Pläne sollen vor allem der Umwelt helfen. Denn immer mehr der Tüten gelangen in die natürlichen Kreisläufe. Allein 2010 waren es zwischen 4,8 und 12,7 Millionen Tonnen an Plastikmüll, die in die Weltmeere gelangten, schätzen Forscher. Doch es kann Hunderte Jahre dauern, bis sich Plastikbeutel in der Natur zersetzen. Der Abfall kann in kleinsten Teilchen auch von Tieren aufgenommen werden und sie schwächen oder töten.

Mittlerweile gibt es Kunststoffbeutel, die biologisch abbaubar sind. Aber auch sie sind bei Umweltschützern umstritten.

Deutschland noch unentschlossen

Die deutsche Bundesregierung hat sich noch nicht auf konkrete Schritte festgelegt. "Die Maßnahmen können sowohl regulatorischer als auch freiwilliger Art sein", sagte eine Sprecherin von Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) zu den neuen Vorgaben der EU. Die Regierung hat aber noch nicht entschieden, wie sie die Vorgabe umsetzen will, die auch Steuern oder Sondergebühren erlaubt.

Bei einer Abwägung von Aufwand und Nutzen spräche derzeit aus unserer Sicht nichts dafür, in Deutschland Abgaben oder gar Verbote zur Reduzierung des Verbrauchs an Plastiktüten einzuführen, sagte die Sprecherin. dpa

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Alternativen zu Plastiktüten

Warum kompostierbare Tüten noch nicht überzeugen und welche Probleme es mit anderen Alternativen gibt:

  • Papier: Auch Papiertüten sind ein Einwegprodukt und daher nicht besonders ökologisch, erklärt der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland. Allerdings wird Papier in Deutschland über einen geregelten Recyclingkreislauf entsorgt – ein Vorteil dieser Alternative.
  • Kompostierbares Plastik: Das ist noch keine Lösung. Auch wenn die Ökobilanz der kompostierbaren Alternativen aus Cellulose und Stärke besser ausfällt, enthalten sie auch einen geringen Anteil sogenannter einfacher Polymere. Sie bleiben im Kompost als gefährliche Kleinstbestandteile zurück. Aber es gibt noch ein Problem: Die Alternativen sind von anderen Plastikprodukten kaum zu unterschieden. Landet diese Tüte im Biomüll, wird sie dort von den Kompostieranlagen oder auch von den biologischen Verwertungsanlagen aussortiert als Störstoff. Landet das Material wiederum im Gelben Sack, wird er den Stoffkreislauf in der Verpackungsmüllsammlung stören, weil die Tüte eben nicht aus einem klassischen Kunststoff besteht.
  • Mehrwegtüten: Das Material von Mehrwegtüten ist dicker als das von solchen, die nur einmal oder nur wenige Male verwendet werden. Aber auch hier gibt es ein Problem im Alltag: Mehrwegtüten sind nicht leicht von den üblichen Plastiktüten zu unterscheiden, der Handel muss diese also explizit ausweisen, oder der Kunde muss ausdrücklich danach fragen.
  • Stofftaschen: Dazu raten Experten – Rucksack, Korb und die Stofftüte sind die besten Alternativen. Aber: Darin sollten das Obst und Gemüse unverpackt transportiert werden, betont das Umweltbundesamt. Für Brot und Brötchen bieten sich daher zum Beispiel waschbare Stoffbeutel an, für Früchte ein stabiler Korb.