Ukraine-Konflikt Krieg und Sanktionen: Das sind die Folgen fürs Handwerk

Der Krieg in der Ukraine wirkt sich auf das Handwerk merklich aus. Was dahintersteht, warum das Handwerk Nachteile in Kauf nimmt und Sanktionen befürwortet.

In den Betrieben sollte man aktuell genau beobachten, wie es Mitarbeitern aus der Ukraine geht. - © warloka79 - stock.adobe.com

Mit Sorge blickt Deutschland auf den Krieg in Osteuropa. Zahlreiche Handwerksbetriebe stehen mit Spenden und Hilfsaktionen an der Seite der Ukrainer. Gleichzeitig müssen sie die Folgen der Wirtschaftssanktionen gegen Russland fürchten.

Die Deutsche Handwerks Zeitung hat in der Handwerksorganisation gefragt, welche Auswirkungen der Krieg auf das Handwerk abseits der Zapfsäule hat.

Wie treffen Krieg und Sanktionen das Handwerk?

"Die Störungen der Wirtschaftsbeziehungen mit der Ukraine und mit Russland werden sicher länger anhalten", sagt der Leiter von Handwerk International Baden-Württemberg, Peter Friedrich.

"Durch die Lieferketten und die daraus folgenden Preissprünge werden viele Handwerksbetriebe betroffen sein." Zum Beispiel das Bäckerhandwerk, bei dem die steigenden Energie- und Getreidepreise voll durchschlagen werden", so Friedrich.

Aus dem Bäckerhandwerk kamen hierzu bereits erste Forderungen von Michael Wippler, Präsident Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks. Man sei doppelt von dieser Krise betroffen und allein die Abschaffung der EEG-Umlage sei nicht ausreichend, um das Bäckerhandwerk zu entlasten.

Auch auf dem Bau und im Kfz-Handwerk schlagen der Krieg und die Sanktionen zu Buche. Autohäuser könnten mittelbar unter einem Ersatzteilmangel leiden, der bundesweite Aufmerksamkeit erlangte, als die Bänder in der Automobilproduktion still standen. Hier waren es Kabelbäume, die fehlten. Der Mangel liegt unter anderem darin begründet, dass ukrainische Fernfahrer zum Militärdienst einberufen wurden.

Im Baugewerbe sind aktuell am stärksten Bitumen für den Straßenbau und Stahlerzeugnisse für den Hoch- und Ingenieurbau betroffen. Die zentralen Raffinerien sind hierzulande abhängig von Lieferungen aus Russland. Diesen droht nun ein Ausfall und damit ein Rückgang der hiesigen Bitumenversorgung um bis zu ein Drittel. Dies hätte erhebliche Auswirkungen auf den deutschen Straßenbau. Rund 30 Prozent des Baustahls kommen aus Russland, der Ukraine und Weißrussland. Hinzu komme der hohe Anteil von beispielsweise Roheisen, das für die Stahllegierung notwendig ist, gab der Landesverband Bayerischer Bauinnungen bekannt.

Allerdings hebt Friedrich als Hauptproblem die steigenden Energie- und Kraftstoffpreise hervor. Davon könne sich, so Friedrich "keiner vollends losmachen": "Wir müssen da als Handwerk gemeinsam durch".

Warum sind die Sanktionen trotzdem richtig?

Aufgrund des Überfalls auf die Ukraine hatten zahlreiche westliche Staaten Sanktionen gegen die russische Wirtschaft verhängt, die der Weltwirtschaft erheblichen Schaden zufügen.

"Angesichts des verbrecherischen Angriffskriegs ist ein entschlossenes Handeln erforderlich. Wir als Gesamtgesellschaft müssen bereit sein, unseren Beitrag zur Gegenwehr zu leisten", fordert Peter Friedrich.

Auch das Baugewerbe befürwortet die Sanktionen. "Die deutschen und europäischen Sanktionen gegen Russland sind richtig und werden von der deutschen Bauwirtschaft nachdrücklich unterstützt. Die Sanktionen führen aber auch zu Belastungen der heimischen Bauwirtschaft, die getragen werden müssen", erklärte der Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands Deutsches Baugewerbe, Felix Pakleppa.

Trotzdem könne dieser Beitrag nicht allein von den Betrieben getragen werden. Auch Kunden müssten sich auf steigende Preise einstellen, so Friedrich. Deshalb sollten Handwerker dies in ihrer Angebotskalkulation berücksichtigen und offen gegenüber von Kunden kommunizieren. Vertraglich könnte man beispielsweise eine Energiepauschale festhalten, um auf der sicheren Seite zu sein.

Pakleppa merkt an, dass es daher ein Gebot der Vernunft sei, die negativen Auswirkungen auf heimische Betriebe und Arbeitsplätze so gering wie möglich zu halten. "Vor dem Hintergrund dieser Situation brauchen wir unbürokratische Maßnahmen zur Sicherung der Bautätigkeit in Deutschland", fordert er.

Notwendig sei die sofortige Einführung von Stoffpreisgleitklauseln, auch für laufende Verträge, um wichtige Bauaufgaben fortführen zu können. Man brauche daher schnell vertragsspezifische Lösungen, um schwankenden Rohstoffkosten entgegen zu wirken. "Schlussendlich müssen wir uns aber, wie bei Gas, von der Abhängigkeit von wenigen Anbietern befreien", so Pakleppa.

Was kann das Handwerk für ukrainische Flüchtlinge tun?

Die Handwerkskammern bereiten sich zum Beispiel aktuell darauf vor, "dass wir die Handwerksbetriebe dann bei der Anerkennung von Qualifikationen bestmöglich unterstützen, um Geflüchteten zu ermöglichen, im Handwerk zu arbeiten".

Allerdings bräuchte es aktuell auch direkte Hilfe in Form von Sach- oder Geldspenden. Daher sagt Friedrich: "Dem Handwerk gilt mein Appell, helfen Sie mit und informieren Sie sich bei den Hilfekoordinatoren der Stadt- und Landkreise, welche Spenden wirklich helfen und wie sie sicher ankommen." Darüber hinaus suchten alle Kommunen dringend Wohnraum für Geflüchtete.

Was sollten Chefs mit Mitarbeitern aus der Konfliktregion beachten?

"Die Situation ist für Mitarbeiter aus der Ukraine, die ja meist noch Familien und Freunde dort haben, sehr belastend. Aber auch aus Russland stammende Mitarbeiter sind momentan in einer schwierigen Situation, die sie selbst nicht verschuldet haben", mahnt der Leiter von Handwerk International Baden-Württemberg. Mögliche entstehende Konflikte zwischen Mitarbeitern sollten rechtzeitig erkannt und offen angesprochen werden.