Spenden, Hilfsaktionen und mehr Ukraine-Krieg: Handwerk reagiert mit Solidarität und Sanktionen

Mit Backwaren, Spenden und Hilfsangeboten steht das deutsche Handwerk an der Seite der Ukrainer. Jeweils auf ihre eigene Art und Weise setzen Handwerker und Organisationen Zeichen für den Frieden und verurteilen den Angriffskrieg Wladimir Putins. Nicht jede Aktion kommt allerdings gut an.

In der Bäckerei-Konditorei Meiling können Kunden mit Vanillepudding gefüllte "Friedens-Berliner" erwerben. Die Erlöse werden von der Bäckerei verdoppelt und gespendet. - © Bäckerei-Konditorei Meiling

Der Angriff Putins auf die Ukraine erschüttert die Welt. Das Handwerk reagiert mit einer breiten Welle der Solidarität und verurteilt den russischen Überfall. "Wir unterstützen alle Maßnahmen der Bundesregierung und der internationalen Gemeinschaft, die darauf zielen, die Kampfhandlungen zu beenden", sagte Handwerkspräsident Hans Peter Wollseifer. Geflüchteten Menschen werde das Handwerk umfassende Hilfe anbieten.

Da absehbar ist, dass die verhängten Sanktionen sowie das Kriegsgeschehen auch Folgen für die Betriebe hierzulande haben werden, hat der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) eine Themenseite eingerichtet, die über Auswirkungen und Unterstützungsangebote informiert.

"Friedens-Berliner" und spontane Nachtschichten

Viele Betriebe und Organisationen wollen angesichts der Bilder aus der Ukraine sofort helfen. Sie sammeln Geld- oder Sachspenden, beteiligen sich an Hilfstransporten oder bieten Unterkünfte für Geflüchtete an. So haben mehrere Bäckereien vorübergehend Gebäck in Ukraine-Farben in ihr Sortiment aufgenommen.

Eine davon ist die Bäckerei-Konditorei Meiling aus Dessau-Roßlau. Die Erlöse aus dem Verkauf der blau-gelb glasierten "Friedens-Berliner" will der Betrieb später verdoppeln und an Hilfsprojekte für ukrainische Kinder in Not spenden. Eine weitere ist die Braaker Mühle, die für jede blau-gelbe Gebäck-Mühle einen Euro an die Ukraine-Nothilfe der Vereinten Nationen spendet.

Die Bäckerei Plentz aus dem Oberkrämer legte hingegen spontan eine Nachtschicht ein und backte Brot und Pfannkuchen, die dann von der Backstube direkt in die Krisengebiete transportiert wurden.

Handwerker setzen Zeichen für Frieden

Andere Handwerker und Betriebe drücken ihre Solidarität mit symbolischen Social-Media-Posts aus. Schneidermeisterin Claudia Noack aus Großhansdorf legte Fadenrollen in Blau und Gelb zu einem Friedenszeichen und kommentierte ein Foto davon mit den Worten "Wir wollen alle nur Frieden."

Auch die Raumausstatter der Manufaktur Wohnsinn in Bonn spielten mit den Farben der Ukraine-Flagge und lichteten blau-gelbe Stoffe aus ihrem Sortiment ab. "Wir haben Stoffe aus vielen europäischen Ländern in den Farben der Ukraine. Und wir erfreuen uns an ihrer Vielfalt. Wir sind alle vereint", so die Botschaft des Instagram-Posts.

Dachdecker Mike Schawohl nahm sich mit einem Hammer eine Schieferplatte vor und fertigte daraus ein Friedenszeichen. Zu seinem Video schreibt er: "Ich hoffe sehr, dass sich die Gemüter dort ganz schnell wieder beruhigen."

Umbenennung von Russischem Zupfkuchen sorgt für Empörung

Der Fall einer südbadischen Bäckerei zeigt hingegen, dass auch eine gut gemeinte Aktion nach hinten losgehen kann. Angesichts des russischen Einmarsches in die Ukraine benannte die Bäckerei-Kette ihren "Russischen Zupfkuchen" in "Zupfkuchen" um. In den sozialen Medien erntete sie dafür empörte Kommentare. Russen würden durch die Aktion rassistisch beleidigt. Der Betrieb hat die Namensänderung inzwischen wieder rückgängig gemacht. Die Umbenennung sei ein ungeschickter Versuch gewesen, erklären die Verantwortlichen auf ihrer Facebook-Seite. Man habe niemanden beleidigen oder generelle Sympathien mit dem Angriff Russlands unterstellen wollen.

Keine EuroSkills 2023 in Russland

Bereits kurz nach Kriegsbeginn sagte die deutsche Berufe-Nationalmannschaft ihre Teilnahme an der Europameisterschaft der Berufe 2023 im russischen St. Petersburg ab. Nun steht fest: Russland wird die EuroSkills 2023 nicht ausrichten. Der Dachverband Worldskills Europe hat dem Land die Austragung entzogen. Zudem schloss Worldskills International Russland und seinen Bündnispartner Belarus von der Teilnahme an der kommenden Weltmeisterschaft der Berufe, den Worldskills 2022 im chinesischen Shanghai, aus. Derzeit fänden Gespräche über einen alternativen Austragungsort der Euroskills 2023 statt, teilte die Pressestelle der deutschen Berufe-Nationalmannschaft mit.

Baden-Württemberg: Handwerkskammern sichern ihre Unterstützung zu

"Der Überfall auf die Ukraine durch Putins Armee macht uns sprachlos, soll uns aber nicht tatenlos sein lassen", sagte Rainer Reichhold, Handwerkspräsident des Baden-Württembergischen Handwerkstags. "Wir sehen die Not der Menschen und werden alles tun, um bei der Linderung dieser Not mitzuwirken und die europäischen Werte von Frieden, Freiheit und Demokratie mit Leben zu füllen." Die baden-württembergischen Handwerkskammern stünden im Kontakt mit Städten und Gemeinden, der Handwerkstag im Dialog mit der Landesregierung. "Wo die Handwerksorganisationen gebraucht werden, sind sie ansprechbar – für Kommunen, Regierungen und die Zivilgesellschaft", versprach er.

Düsseldorf: Sanitätsmaterial aus dem Kammer-Bestand gespendet

Mit Sachspenden unterstützt die Handwerkskammer Düsseldorf die Menschen in der Ukraine. Für Hilfstransporte ins Kriegs- und Vertreibungsgebiet habe man Sanitätsmaterial aus den eigenen Beständen mobilisiert. Die Handwerkskammer bewirbt die Spendenaktion "Deutschland hilft" und bittet Handwerksbetriebe darum, sich – wenn möglich und erforderlich – an der Instandsetzung oder auch Bereitstellung von Wohnraum für Schutzsuchende zu beteiligen. "In diesen für die Menschen der Ukraine und für die Friedensordnung ganz Europas so wichtigen Wochen kann es uns in einem ersten Schritt nur darum gehen, Unrecht zu benennen, zu helfen und Aufnahmemöglichkeiten zu schaffen", sagte Kammerpräsident Andreas Ehlert.

Bielefeld: Schweigeminute und Zeichen der Solidarität

Mit einer Schweigeminute und einer symbolischen Geste gedachte die Handwerkskammer Ostwestfalen-Lippe zu Bielefeld der bisherigen Opfer und bekundete die uneingeschränkte Solidarität mit der ukrainischen Bevölkerung. Die Mitarbeiter der Kammer streckten gemeinsam mit den Lehrgangsteilnehmern des Berufsbildungszentrums blaue und gelbe Papierblätter in die Höhe. "Für ein freiheitliches und friedliches Miteinander in Europa und der ganzen Welt", so die Botschaft.

Ostthüringen: HWK stellt Unterkünfte bereit

Im Osten des Landes bereiten sich erste Kammerorganisationen derweil auf die bevorstehende Flüchtlingswelle vor. "Wir werden ab sofort für ukrainische Kriegsflüchtlinge eine größere Anzahl an Unterkünften in den Internaten unserer drei Bildungsstätten in Gera, Rudolstadt und Zeulenroda zur Verfügung stellen", erklärt Wolfgang Jacob, Präsident der Handwerkskammer für Ostthüringen. "Wir haben die Räumlichkeiten und können die entsprechende Logistik gewährleisten – und das ganz schnell." Wenn Menschen Hilfe bräuchten, seien Handwerker die ersten, die welche anbieten. "Das ist jetzt umso wichtiger", so Jacob.

Dachdecker-Innung: "Anpacken statt reden"

Die Dachdecker-Innung München-Oberbayern ruft ihre Innungsmitglieder und Geschäftsfreunde zu Spenden auf. "Da müssen wir helfen – es sind unsere Freunde, die in der Ukraine von Panzern und mit Raketen beschossen werden", sagte Obermeister Josef Frank. Noch vor kurzer Zeit war der Dachdecker- und Spenglermeister aus Mittenwald als Gastdozent an der Universität der ukrainischen Stadt Charkiw tätig. Nun will er "anpacken statt reden" und mit der Hilfsaktion "Dach für die Ukraine" möglichst viele Unterstützer gewinnen.

BÄKO spendet 300.000 Euro an Hilfsaktionen

Schnell und unbürokratisch handelte die Einkaufsgenossenschaft der Bäcker und Konditoren "BÄKO". In kürzester Zeit hat die Organisation eine groß angelegte Spendenaktion auf den Weg gebracht und 300.000 Euro an die UNO-Flüchtlingshilfe sowie das Deutsche Rote Kreuz zugunsten der notleidenden Bevölkerung in der Ukraine überwiesen. In einer Pressemitteilung heißt es: "Die Sorge und das Mitgefühl der gesamten BÄKO gilt der leidenden Bevölkerung in der Ukraine, den Partnern der BÄKO und deren Angehörigen vor Ort sowie auch den friedliebenden Menschen in Russland."