Rückläufige Energiepreise Konjunkturprognose: Leichtes Wachstum für 2023 erwartet

Wirtschaftsexperten haben ihre Prognosen für das Jahr 2023 korrigiert. Die Zukunft sieht demnach etwas besser aus als angenommen. Rückläufige Energiepreise begünstigen die Konjunktur. Allerdings gibt es mehrere Risikofaktoren, die sich negativ auswirken könnten.

Baustelle
Die schwache Bauwirtschaft bremst in den Augen der Forscher die Konjunktur des Jahres 2023 aus. - © Frank Wagner - stock.adobe.com

Die führenden Wirtschaftsinstitute haben ihre Konjunkturprognose angesichts rückläufiger Energiepreise nach oben korrigiert. "Alles in allem wird das Bruttoinlandsprodukt in diesem Jahr um 0,3 Prozent und im kommenden Jahr um 1,5 Prozent zulegen", sagte Ifo-Konjunkturchef Timo Wollmershäuser. Damit korrigieren die Institute ihre Prognose aus dem Herbst des vergangenen Jahres um 0,7 Prozentpunkte nach oben. Für 2024 rechnen die Forscher mit einem Plus von 1,5 Prozent, etwas weniger als ursprünglich erwartet.

Merklicher Inflationsrückgang auf 2,3 Prozent erst 2024

Der Anstieg der Verbraucherpreise wird nach Einschätzung der Institute erst im Lauf des nächsten Jahres merklich nachlassen. "Die Inflationsrate wird im Jahr 2023 mit durchschnittlich sechs Prozent nur wenig niedriger liegen als 2022", betonte Wollmershäuser. Erst im kommenden Jahr dürfte die Rate - insbesondere aufgrund rückläufiger Energiepreise - weiter auf 2,3 Prozent sinken.

Zahl der Erwerbstätigen steigt

Gute Nachrichten gibt es vom Arbeitsmarkt: Hier dürfte die Zahl der Erwerbstätigen 2023 weiter auf rund 45,9 Millionen und 2024 auf 46,0 Millionen steigen, nachdem sie im vergangenen Jahr noch bei 45,6 Millionen lag. Allerdings werde sich die Zahl der Arbeitslosen 2023 vorübergehend von 2,42 auf 2,48 Millionen erhöhen, da die ukrainischen Flüchtlinge nicht sofort auf dem Arbeitsmarkt Fuß fassten, heißt es.

Forscher rechnen mit steigenden Zinsen und wenig Wohnungsbau

Gestützt wird die Konjunktur der kommenden Monate vor allem durch das verarbeitende Gewerbe. Als Grund nennen die Forscher das Abflauen der weltweiten Lieferengpässe und die günstigere Energie. "Die Bauwirtschaft hingegen wird die Konjunktur bremsen", fügte Wollmershäuser hinzu. Insbesondere im Wohnungsbau werde die Nachfrage schwach bleiben, auch weil die Europäische Zentralbank ihren Kurs weiter straffe und sich damit die Finanzierungskosten weiter erhöhten.

Turbulenzen auf internationalen Finanzmärkten bergen Risiken

Gleichwohl ist auch dieses Konjunkturprognose mit Risiken behaftet. So verweisen die Wirtschaftsforscher auf die aktuellen Turbulenzen im internationalen Bankensektor. Dies könnte sich auf die Kreditvergabe der Banken auswirken. Noch gebe es aber keine Kreditklemme. Verstärkte Turbulenzen könnten auch die Europäische Zentralbank von ihrer bisherigen Zinspolitik abbringen. Damit bliebe die Inflation länger als erwartet hoch. Unklar sei, ob die immer noch hohen Preise die Verbraucher eher zum Sparen bewegten oder Überschussersparnisse aus der Corona-Zeit den Konsum anregten.

Gaskrise noch nicht vollständig gemeistert

Ein weiteres Risiko ist nach Ansicht der Wirtschaftsforscher die Verfügbarkeit von Erdgas, auch wenn die Ausgangsposition dieses Jahr deutlich besser ist, da die Gasspeicher mit Beginn des Frühjahrs noch zu 60 Prozent gefüllt sind. Im vergangenen Jahr ist der Gasverbrauch nach ihren Angaben um 17 Prozent zurückgegangen, wobei rund sechs Prozent auf den milderen Winter zurückgeführt werden. In der Industrie sei die Ersparnis vor allem durch Produktionsrückgänge und Produktionsverlagerungen in Länder mit niedrigeren Energiepreisen erreicht worden.

Forscher warnen: Nachfrage nicht weiter befeuern

Die Ökonomen betonen, die aktuell hohe Inflation sei "kein bloßer Reflex auf eine beeinträchtigte Erdgasversorgung". Sie sei vielmehr auch eine Folge der Politik, die mit einer stark expansiven Finanzpolitik auf Störungen wie die Pandemie oder die Energiekrise reagiert habe. Im Ergebnis habe sich seit Ausbruch der Pandemie ein erheblicher Nachfragesog aufgebaut, der an den Gütermärkten die Preise und die Gewinne der Unternehmen steigen ließ. Die Politik sei deshalb gut beraten, die "gegenwärtige Inflationsdynamik nicht mit weiteren Programmen zur Stimulierung der Nachfrage zu befeuern", schreiben die Forscher in ihrer Gemeinschaftsdiagnose.