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Förderung für Dachbegrünung Klimaschutz: Reichlich Potenzial für grüne Dächer

Nicht nur Wärmedämmungen der klassischen Art helfen, Energie zu sparen und den CO2-Ausstoß zu senken. Dächer kann man dafür auch bepflanzen. Wer das vorhat, bekommt einen Zuschuss und kann Fördergelder beantragen. Diese Vorteile bietet die Dachbegrünung.

Das gerade beschlossene Klimapaket der Bundesregierung zielt unter anderem auf den zu hohen Energieverbrauch des Gebäudesektors ab. Neue Heizungen, mehr Wärmedämmung für Dächer und Fassaden und der Einsatz energiesparender Technik werden gefördert. Die Gebäudebesitzer sollen sanieren – auch für einen besseren Klimaschutz. Eine gute Dämmvariante für  Flachdächer bieten Dachbegrünungen. Denn Grünpflanzen wirken als natürliche Klimaanlage: Sie halten im Winter die Wärme im Haus und kühlen es im Sommer.

Dachbegrünung zum Energie und CO2 sparen

Und nicht nur das: Grünpflanzen auf Dächern können auch CO2 binden. So hat der Bundesverband GebäudeGrün (BuGG) Untersuchungen bei Extensivbegrünungen – also die, die kaum Pflege brauchen, zur CO2-Bindung durchführen lassen. Im Ergebnis zeigte sich, dass auf einem Quadratmeter etwa 1,2 kg CO2 gebunden wird. gekommen. BUGG-Präsident Gunter Mann sieht die Vorteile dennoch stärker bei der Energieeinsparung.

Um dies zu fördern, gehören Dachbegrünungen schon seit Jahren zu den Maßnahmen der energetischen Sanierung, die von der staatlichen KfW-Förderbank bezuschusst werden. So können Bauherren, die im Zuge einer Gebäudesanierung oder bei einem Neubau auch ein neues Gründach anlegen wollen, einen Förderantrag bei ihrer Bank stellen.

So fördert die KfW Dachbegrünungen

Mit dem Programm „Energieeffizient Sanieren“ fördert die KfW die Dachbegrünung als eine Maßnahme der Wärmedämmung. Hausbesitzer können dafür einen Kredit bis 50.000 Euro für Einzelmaßnahmen bzw. 100.000 Euro bei einer Sanierung zum KfW-Energieeffizienzhaus 55 bekommen. Dieser beinhaltet einen Tilgungszuschuss. Zudem können sie einen Investitionszuschuss beantragen, der bei Einzelmaßnahmen bis zu 5.000 Euro beträgt und bei der Sanierung zum KfW-Energieeffizienzhaus 55 bis zu 30.000 Euro.

Die Hausbesitzer müssen dabei einen Energie­effizienzexperten (aus der Liste für Energieeffizienzexperten für Förderprogramme des Bundes) beauftragen, der den Förder­antrag vorbereitet und sie begleitet. Auch hier fördert die KfW mit bis zu 4.000 Euro Investitionszuschuss.

Wichtig dabei: Der Antrag muss unbedingt vor Beginn der Dachsanierung bei der KfW gestellt werden —für die Investitionszuschüsse im Zuschussportal der KfW. Die Kreditanträge nehmen die jeweiligen Hausbanken entgegen.

Bei der Ausführung müssen technische Anforderungen der KfW eingehalten werden: Bei Wärmedämmung von Flachdach und Steildach darf der Wärmedurchgangskoeffizient (U-Wert) maximal 0,14 W/(m²K) betragen.

Obwohl Deutschland aktuell das Land ist, das weltweit am meisten Dächer begrünt, besteht aus Sicht von Gunter Mann noch reichlich Potenzial. Mit sieben Millionen Quadratmetern kamen im Jahr 2018 auf rund 15 Prozent der neu entstandenen Flachdächer in Deutschland neue Dachbegrünungen hinzu. Der BuGG hat einen "Gründach-Index" errechnet, der derzeit im Durschnitt bei 1,5 Quadratmetern Gründach pro Einwohner liegt. Einige Städte haben zudem ein Gründach-Potenzialkataster erstellt. Gunter Mann sieht deshalb nicht die Politik am Zug, aktiver zu werden, sondern die Bauherrn und Planer, die noch selbstverständlicher Gründächer einplanen sollten.

1,5 Quadratmetern Gründach pro Einwohner

Gründächer können nicht nur auf Neubauten, sondern auch auf Häuser aus dem Bestand aufgebracht werden. Allerdings muss das Dach die zusätzliche Gewichtsbelastung durch die Grünschicht aushalten und die Dachabdichtung intakt sein. Bauherren müssen daher vorher genau prüfen lassen, ob die Statik stimmt und ob das Dach dicht ist. Je nach Bepflanzung kann pro Quadratmeter eine Zusatzgewicht zwischen 25 und 165 Kilogramm entstehen. Zudem muss geprüft werden, ob das Dach auch wirklich dicht ist. Bei der Standortwahl sollten auch die Entwässerung, der Windsog und der Brandschutz geprüft werden.

Zur Planung der Begrünung sollte ein Fachmann einbezogen werden. Da bei den Dachpflanzen ein natürlicher Nährstoffkreislauf fehlt, müssen mehrere Funktionsschichten künstlich auf dem Dach installiert werden. Unterschieden wird zwischen intensiver und extensiver Begrünung. Bei der intensiven Begrünung sind die Substrat- oder Vegetationsschichten 25 bis 35 Zentimeter hoch, bei der extensiven dagegen nur drei bis 15 Zentimeter, erklärt der Naturschutzbund Deutschland (NABU).

Diese Vorteile für die Umwelt bieten grüne Dächer

Was auf das Dach gepflanzt werden darf, ist nicht geregelt. Erlaubt ist, was gefällt, was sich dort das ganze Jahr über wohlfühlt und wenig Pflege beansprucht. Allerdings sollten sie bedenken, dass Rasen in unseren Breitengraden zwar im Frühjahr üppig sprießt, im Sommer aber ohne ausreichende Bewässerung schnell braun und trocken wird.

Ein bepflanztes Dach funktioniert aber nicht nur wie eine natürliche Klimaanlage und ein Wärmespeicher zugleich. Auch die Umwelt profitiert von dem Trend zum grünen Dach. Nach Angaben des NABU könnten zwei Drittel der versiegelten Flächen wieder an die Natur zurückgegeben werden, wenn die Dächer in deutschen Städten nachträglich grün bepflanzt würden. Zudem speichern die grünen Dächer bis zu 80 Prozent des Regenwassers, das danach langsam verdunstet – eine Entlastung für Kläranlagen. Weitere Umweltvorteile: Die Grünpflanzen produzieren Sauerstoff, sie absorbieren Strahlung und dienen als natürlicher Luftfilter. Als Lärmschutz eignen sich die Pflanzen auch auf Werkshallen mit Flachdächern. jtw/sg/dhz

Weitere Förderungen für Dachbegrünungen

Die KfW-Förderung lässt sich mit anderen Fördermöglichkeiten kombinieren, die regional angeboten werden. Einige Städte und Kommunen unterstützen die Dachbegrünung dadurch, dass die Besitzer von begrünten Dächern in vielen Regionen deutlich weniger Niederschlagswassergebühren bezahlen.

So haben etwa zwei Drittel der deutschen Städte die Abwassergebühr in Niederschlagswasser- und Schmutzwassergebühren aufgesplittet. Begrünte Dachflächen werden in der Regel als Entsiegelungsmaßnahmen anerkannt und mit einer Gebührenreduktion belohnt. Informationen zu den örtlichen Begebenheiten hat etwa der Bundesverband GebäudeGrün.

Einzelne Städte, zum Beispiel München und Bremen, gewähren zudem direkte finanzielle Zuschüsse für die Dachbegrünung. Die Fördergelder liegen häufig bei 10 bis 20 Euro pro Quadratmeter.

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