CO2-Fußabdruck – Zertifizierung selbst gemacht Klimaneutral werden: Ein Malermeister geht seinen eigenen Weg

Immer mehr Betriebe erstellen ihren eigenen CO2-Fußabdruck und ziehen Konsequenzen daraus. Dafür braucht es nicht unbedingt eine offizielle Zertifizierungsstelle. Ein Malermeister aus Hamburg zeigt, wie das geht.

CO2-Fußabdruck
Den eigenen CO2-Fußabdruck ermitteln und handeln: Malermeister Peter Goehle kompensiert das, was sein Fuhrpark an CO2 ausstößt. - © malp - stock.adobe.com

36.000 Tonnen CO2 sind es, die Malermeister Peter Goehle ins Grübeln bringen. Das ist der Fußabdruck von 12,5 Tonnen Diesel, den seine Fahrzeuge verbrauchen. Und diesen Fußabdruck möchte er nicht einfach so hinterlassen. Er kompensiert ihn durch den Kauf von Klimazertifikaten. Außerdem hat er seinen betrieblichen Fuhrpark von acht auf sieben Fahrzeuge reduziert. "Dafür mussten wir zwar einiges umstrukturieren, aber jetzt bin ich stolz darauf, dass wir das hinbekommen haben", sagt der Hamburger Unternehmer, dessen Malerbetrieb hauptsächlich unterwegs agiert.

Klimaneutral werden: CO2-Emissionen schrittweise reduzieren und kompensieren

Zwar hat er eine Werkstatt und ein Büro, doch die Arbeit findet hauptsächlich vor Ort beim Kunden statt. So war es für ihn auch kein Ansatzpunkt, den Energieverbrauch der Werkstatt oder eingesetzter Maschinen reduzieren zu wollen, als er angefangen hat, sich mit dem CO2-Ausstoß seines Betriebs zu beschäftigen. CO2-Emissionen stammen von seinen Fahrzeugen und was sie ausstoßen möchte er schrittweise reduzieren und kompensieren. Peter Goehle hat es sich selbst zum Ziel gesetzt, in drei Jahren zur Klimaneutralität zu kommen. Erreichen möchte er das Ziel im kommenden Jahr. Bilanz zieht er immer rückwirkend für das vergangene Jahr. So startete er 2021 mit dem Berechnen seines CO2-Fußabdrucks im Jahr 2020.

Dabei geht es ihm aber nicht um eine offizielle Zertifizierung mit Brief und Siegel oder darum, einen vorgeschriebenen Weg einer Zertifizierungsstelle zu verfolgen. Stattdessen macht er das selbstständig und auf dem Weg, der zu seinem Betrieb passt. Statt den Wärme- und Stromverbrauch optimieren zu wollen, nimmt er sich als nächstes die Produkte und Materialien vor, die er täglich im Gebrauch hat – bei den Farben angefangen, über Schleifpapier und Abdeckfolien. Er versucht derzeit herauszubekommen, wie deren Klimabilanz aussieht und wie er den Umgang damit verbessern kann. "Aber das ist viel komplizierter als gedacht", muss Goehle zugeben.

Ein "kleiner Öko" kauft Klimazertifikate

So hat er für sein Büro bereits Druckerpapier gefunden, dass das Label "klimaneutral" trägt und das er nun nutzen kann. Für sein Malermaterial ist er aber noch nicht fündig geworden – nicht für einen Ersatz und auch nicht bei Angaben zu dessen Klimawerten. "Ich möchte dennoch aber dafür schon jetzt einen Ausgleich zahlen", sagt der Malermeister, der sich selbst auch als "kleinen Öko" bezeichnet. Bis er in seinen Recherchen weitergekommen ist, kauft er auch für seine Farben, Pinsel, Rollen und Co. Klimazertifikate und nimmt dafür seine selbst errechnete Pauschale von 20 Prozent seines Dieselverbrauchs bzw. dessen CO2-Werten an.

Peter Goehle
Peter Goehle möchte seinen Betrieb in drei Jahren zur Klimaneutralität bringen. - © Peter Goehle

Um den CO2-Wert zu ermitteln, den er für den Fuhrpark ausgleichen möchte, hat Peter Goehle einfach einen der zahlreichen CO2-Rechner verwendet, die es mittlerweile online zu finden gibt. Handwerksbetriebe können hierzu etwa den Rechner der Mittelstandsinitiative Energiewende und Klimaschutz nutzen und die Informationsangebote, die die Initiative den Betrieben dazu bereitstellt.

Das Rechenergebnis ist dann der Wert, den Peter Goehle über den Kauf von Zertifikaten kompensiert. Für seine 36.000 Tonnen CO2 des Fuhrparks hat er Klimazertifikate im Wert von 2.700 Euro gekauft und dazu noch den Teil für die Malerprodukte. "Das ist mein persönliches Engagement und das ist mir wichtig“, sagt der Unternehmer. "Komplett vermeiden kann ich es nicht im Betriebsalltag, dass wir Spuren hinterlassen. Aber ich kann etwas tun, damit sie nicht so groß sind bzw. kann ich für deren Ausgleich sorgen."

Klimaneutral werden: "Elektroautos muss man sich auch leisten können"

Sein Fuhrpark ist gerade auf einem Stand, dass die Fahrzeuge alle gut in Schuss sind und da er versucht, sie möglichst lange zu fahren, wäre es aus seiner Sicht weder ökologisch noch betriebswirtschaftlich sinnvoll, sie alle ad hoc auszutauschen. "Und man muss es sich auch leisten können, denn Elektroautos kosten noch immer ein ganzes Stück mehr als Diesel", gibt er zu bedenken.

Gedanken gemacht hat sich der Hamburger Malermeister auch stark darum, was er mit dem Kauf der Klimazertifikate unterstützt. Gezielt hat er ein regionales Projekt ausgewählt – den Moorschutz in Schleswig-Holstein. Hier werden ehemalige Moorflächen, die für eine landwirtschaftliche Nutzung stark entwässert wurden, wieder gezielt renaturiert. Moore können nämlich einen großen Klimanutzen haben, wenn sie in ihrem ursprünglichen Zustand hohe Wasserstände haben. Dann schließen sie Kohlenstoff ein statt CO2 freizusetzen, was derzeit passiert, wenn der Torf durch die Entwässerung freigelegt ist.