Stromnetzgebühren Kleinverbraucher zahlen für die Großen mit

Immer mehr Unternehmen der energieintensiven Industrie beantragen eine Befreiung von der Stromnetzgebühr. Werden diese genehmigt, steigen ab 2012 jedoch die Kosten für Kleinverbraucher.

Erhalt und Ausbau des Stromnetzes verursacht hohe Kosten. Werden immer mehr Großverbraucher von diesen Kosten befreit, geht das zu Lasten der kleinen Betriebe. - © Fotolia

Das Stromnetz in Deutschland muss ausgebaut, gewartet und für die immer stärker steigenden Anforderungen technisch auf dem neuesten Stand gehalten werden. Die Kosten, die Kleinverbraucher für die Stromnetzgebühren aufbringen müssen, könnten jedoch noch höher steigen als bislang erwartet.

Vor drei Wochen war bekannt geworden, dass die Strompreise für Kleinverbraucher 2012 ansteigen - weil im Gegenzug Sonderverbraucher entlastet werden, vor allem auch große Industriebetriebe. Diese Regel hatte Schwarz-Gelb im Sommer fast unbemerkt in einer Verordnung untergebracht.

Falsche Zahlen von der Industrie

Nun wurde bekannt, dass mehr Unternehmen als zunächst bekannt war, einen Befreiung von den Stromnetzgebühren beantragt haben. Dies geht aus der Antwort auf eine Anfrage der grünen Bundestagsabgeordneten Ingrid Nestle an das Wirtschaftsministerium hervor, wie die "Frankfurter Rundschau" berichtet.

Bis 2. Dezember, so der zuständige Staatssekretär Bernhard Heitzer in dem Schreiben, seien 159 Anträge auf eine vollständige Befreiung von den Stromnetzentgelten eingegangen. Die sechs Verbände der energieintensiven Industrie hatten Ende November in einem für Presse und Politik veröffentlichten "Fakten-Check" von 20 Unternehmen gesprochen, die befreit würden. Hinter der Veröffentlichung standen unter anderem Chemie-, Stahl- und Metall-Spitzenverbände. Die Grünen-Politikerin Nestle sagte dazu: "Die Industrie versucht, uns mit falschen Zahlen zu manipulieren." dapd