Studie der Uni Wuppertal Keine Preisexplosion bei Gebäudesanierungen

Insgesamt halten sich die Preissteigerungen bei energetischen Gebäudesanierungen in den letzten Jahren in Grenzen. Zwischen den einzelnen Gewerken im Handwerk gibt es jedoch klare Unterschiede. Das zeigt eine Studie der Uni Wuppertal.

Die Preisteigerung für energetische Gebäudesanierung hält sich in den letzten Jahren in Grenzen. - © Foto: Verband privater Bauherren

Wie haben sich die Nachfrageund das Angebot für Produkteund Dienstleistungen der energetischen Sanierung -und damit die Preise - in den vergangenen Jahren entwickelt? Mit dieser Frage beschäftigten sich Forscher der Universität Wuppertal.

Die Wissenschaftler kamen in ihrer Studie zu dem Ergebnis, dass sich die Preissteigerungen in einem überschaubaren Rahmen halten.

"Von Preisexplosion kann keine Rede sein"

"Zwar kann von einer Preisexplosion keine Rede sein, der Baupreisindex für die Instandhaltung von Wohngebäuden stieg aber zwischen 2004und 2014 um durchschnittlich 2,2 Punkte pro Jahr,und damit schneller als die Verbraucherpreise im selben Zeitraum", heißt es in der Studie.

Preise einzelner Handwerkerleistungen entwickeln sich unterschiedlich

Für die einzelnen Gewerke des Handwerks verhält sich die Preisentwicklung unterschiedlich: Die Preise von Leistungen, welche die energetische Sanierung der Baukonstruktion umfassen, wie beispielsweise Dachdecker-, Maurer- oder Trockenbauarbeiten, stiegen nur leicht.

Dagegen sind die Kosten für die technische Gebäudeausrüstung (z.B. Gas-, Wasser-und Heizungsungsanlagen) überproportional gewachsen. Woran liegt das?

Bürokratische Anforderungen als größte Ursache

Die größten Ursachen sind laut den Wuppertaler Forschern die steig ende Technisierung der Gebäudeund die verschärften Anforderungen. So seien gesetzliche Vorschriften wie die Energie-Einsparverordnung EnEV 2014 (u.a. Austauschpflicht für alte Öl-und Gasheizkessel) mit verantwortlich für die Preisentwicklung.

So gibt es beispielsweise bei Verbundanlagen, die aus mehreren Komponenten verschiedener Hersteller bestehen, kein vorgefertigtes Energielabel (seit September 2015 Pflicht) für die Heizungen, sondern die Energieeffizienz muss abhängig von den verbauten Komponenten berechnet werden. Die Erstellung eines Labels gehört zu den Informationspflichten des Handwerkers gegenüber dem Kunden.

Effizienzlabel für neue Heizungen sind Pflicht. - © Foto: VdZ

SHK-Handwerker, die ihrem Kunden nicht das Komplettangebot eines Herstellers mit schon ausgewiesener Energieeffizienz der Verbundanlage anbieten wollen, stehen damit vor einem erheblichen Mehraufwand, der sich auch auf den Preis niederschlägt.

Handwerker erstellen abgestimmten Sanierungsplan

Allerdings: "Wenn ein einzelner Heizungsbauer sich Zeit nimmt, alles gründlich anzuschauen um einen genau auf das Gebäude abgestimmten Sanierungsplan zu entwickeln, dann ist das eine Leistung, mit der die industrielle Massenproduktion nicht mithalten kann", sagt Matthias Wagnitz, Referent für Energie-und Wärmetechnik beim Zentralverband Sanitär, Heizung, Klima (ZVSHK).

Eine energetische Sanierung sollte vorher mit einem fachkundigen Handwerker besprochen werden. - © Foto: Gina Sanders/Fotolia

Bei einer kompletten Modernisierung wird zudem nicht nur der Heizkessel ausgetauscht, sondern auch weitere Bestandteile der Anlage: "Daneben müssen auch neue Rohreund Leitungen verlegt werden, es muss neu gedämmtund neue Anstriche gemacht werden", so Wagnitz.

Steig ende Materialpreise schlagen sich auf Kosten nieder

Die hierfür steig enden Materialpreise spielen ebenfalls eine wichtige Rolle für die Gesamtkosten energetischer Sanierungsvorhaben. Seit 2004 entwickelten sich die Preise für Mineralwolle, Wärmepumpenund Heizkessel sehr dynamisch.

Aber: Mit den gestiegenen Preisen für die Produkte ist auch eine deutlich höhere Energieeffizienzund damit eine bessere Bauqualität verbunden.

Preise orientieren sich an Rohstoffpreisen

"Außerdem benötigen die Bauleistungen relativ viel Arbeitund einen hohen Rohstoffeinsatz", heißt es in der Studie. Beides führe zu einem Anstieg der Baupreise.

Ein weiterer Grund für die gestiegenen Kosten: Das hohe Einkommen der Bevölkerungund die starke Nachfrage nach Bauleistungen in Wachstumsregionen beeinflussen die lokalen Baupreise. 2014 flossen laut der Studie 131 Milliarden Euro in die Instandhaltungund Modernisierung von Bestandsbauten.

Politik muss handeln

Um die Klimaziele der Bundesregierung bis zum Jahr 2015 nicht durch weitere Preissteigerungen zu gefährden, sehen die Forscher Handlungsbedarf. "Derzeit schrecken die hohen Auflagen für die Umsetzung energetischer Maßnahmen viele Eigentümer ab. Gefordert sind daher einfachere Regelwerke und pragmatische Lösungen ohne hohen bürokratischen Aufwand", so die Wissenschaftler.  

50 Milliarden Euro Bauspareinlagen

In Auftrag gegeben hatte die Studie die Schwäbisch Hall-Stiftungund der Verband der Privaten Bausparkassen. Derzeit verfügen nach Angaben der Schwäbisch Hall allein deren Bausparer über 40 bis 50 Milliarden Euro Bauspareinlagen, die kurzfristig für energetische Sanierungen mobilisiert werden könnten. Außerdem, so die Bausparkasse, halten rund 58 Prozent der Wohneigentümer das Thema "Energiesparen" für äußerst wichtig. end