Sonderumfrage im Handwerk Kaufzurückhaltung: Die Umsätze im Handwerk sinken

Hohe Energiekosten und eine rückläufige Kaufkraft machen dem Handwerk zu schaffen. Das zeigt eine Sonderumfrage des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH). Einige Branchen leiden besonders stark.

Eine Brezel zu backen, wird für Bäckereien immer teurer – entsprechend steigen die Kosten an der Theke. Viele Verbraucher greifen lieber zur Billigware aus dem Automaten. - © Sascha Schneider

Die Auswirkungen des Ukraine-Krieges machen der Mehrheit der Handwerksbetriebe zu schaffen. Drei von fünf Unternehmen berichten von Umsatzausfällen als Folge des Krieges, teilte der Handwerksverband mit Blick auf eine Sonderumfrage unter mehr als 3.000 Betrieben in der letzten Novemberwoche mit. Am häufigsten von Umsatzrückgängen betroffen sind dabei Betriebe des Lebensmittelhandwerks. Aber auch viele Kfz-Betriebe sowie private Dienstleistungs- und Gesundheitshandwerke setzen weniger um. Überwiegend negativ sind in allen Gewerbegruppen auch die Umsatzerwartungen für das erste Quartal 2023.

Betriebe können Preissteigerungen nur teilweise weitergeben

Besonders belastend für die Betriebe sind die hohen Energiekosten. Dies gilt für mehr als 80 Prozent der befragten Unternehmen. Dabei sind deren Energiepreise im Mittel um 64 Prozent angestiegen. Im Lebensmittelhandwerk sind es rund 100 Prozent. Das Problem: Viele können die höheren Preise nur zum Teil oder gar nicht an ihre Kunden weitergeben.

So berichtet derzeit ein Fünftel der Handwerksbetriebe von Liquiditätsengpässen infolge von gestiegenen Energiepreisen. Auch Lieferengpässe belasten die Liquidität. "Deshalb müssen die von der Bundesregierung angekündigten Härtefallhilfen für besonders betroffene energieintensive Betriebe so ausgestaltet werden, dass die Zeitspanne bis zum tatsächlichen Start der Energie- und Strompreisbremse überbrückt wird", heißt es im Bericht.

Bäckerhandwerk: Härtefallregelungen müssen greifen

Noch ist dies nach Einschätzung des Bäckerhandwerks nicht der Fall. "Nach jetzigem Stand würden nur wenige Bäckereien als Härtefall eingestuft werden, für einige Betriebe gleicht das einer Katastrophe", sagte jüngst Michael Wippler, Präsident des Zentralverbands des Deutschen Bäckerhandwerks. Denn der bisherige Entwurf zur Härtefallregelung setze eine Vervierfachung der Engergiepreise bei Gas und zugleich bei Strom voraus. Darüber hinaus würde eine Energieintensität von mindestens acht Prozent vorausgesetzt.

Lebensmittelhandwerk besonders betroffen

Das Bäckerhandwerk geht auch deshalb so auf die Barrikaden, weil es wie andere Lebensmittelgewerke die Folgen des Krieges besonders zu spüren bekommt. So sind laut Befragung 80 Prozent der Betriebe im Lebensmittelhandwerk von Umsatzeinbußen betroffen. Im Kfz-Handwerk, bei privaten Dienstleistungs- und in den Gesundheitshandwerken sind die Umsätze bei jeweils 70 Prozent der befragten Unternehmen rückläufig.

Deutliche Kaufzurückhaltung der Konsumenten

Als Hauptgrund für die rückläufigen Umsätze nennen die Betriebe die Zurückhaltung der Konsumenten. Viele seien angesichts der wirtschaftlichen Perspektive und der anhaltend hohen Inflationsrate verunsichert. Diese lag zuletzt bei rund zehn Prozent. Bei rund einem Viertel der Betriebe wurden Aufträge auch wegen höherer Beschaffungs- und Energiekosten storniert. Dies galt insbesondere für das Bau- und Kfz-Handwerk. Dabei ließ die Befragung auch Mehrfachantworten zu.

Wie die Umfrage des ZDH, der Kammern und der Fachverbände weiter zeigt, macht die hohe Preisdynamik bei den Beschaffungspreisen bestehende Aufträge unwirtschaftlich.  So berichten drei von vier Betrieben im Bauhauptgewerbe und im Lebensmittelhandwerk von unwirtschaftlichen Aufträgen infolge der gestiegenen Beschaffungspreise. Anderswo – wie etwa im Kfz- oder Ausbauhandwerk – werden Aufträge verschoben oder storniert.