Ausbildung Jugendstudie: Corona-Pandemie setzt Auszubildenden zu

Corona hat nicht nur die Abläufe in den allgemeinbildenden Schulen durcheinander gewirbelt. Auch in den Betrieben und Berufsschulen lief vieles daneben. Durchaus mit Folgen für die jungen Menschen in Arbeit, wie eine Studie zeigt.

Junger Mann sitzt mit Maske vor dem Fenster
Mehr als die Hälfte der befragten Auszubildenden sehen für sich durch die Pandemie schlechtere Chancen auf dem Arbeitsmarkt. - © Алексей Филатов - stock.adobe.com

Die Corona-Krise hat jungen Berufstätigen und Auszubildenden in Deutschland heftig zugesetzt. Zu diesem Befund kommt die Studie "Plan B", welche die IG Metall gemeinsam mit dem Jugendforscher Simon Schnetzer vor Kurzem vorgestellt hat. Im Pandemie-Winter zum Jahresbeginn 2021 gaben demnach 61 Prozent der Befragten an, dass sich ihre psychische Gesundheit verschlechtert habe. 55 Prozent klagten über negative Auswirkungen auf ihre Freundschaften und 51 Prozent meinten sogar, ihr eigenes Leben nicht mehr kontrollieren zu können.

Lernsituation in Berufsschulen massiv verschlechtert

Insbesondere in den Berufsschulen habe sich die Situation massiv verschlechtert, berichteten 71 Prozent der Auszubildenden. Anfangs hätten einige Auszubildende die Umstellung auf Online-Unterricht und Homeschooling begrüßt: keine langen Wege zur Berufsschule, mehr Freiheit in der Tagesgestaltung und weniger Kontrolle. Doch dieser Enthusiasmus hielt nicht lange an, da Lernen in der Isolation der eigenen vier Wände und immer vor dem Bildschirm für Viele nicht motivierend sei. Zudem hätten einige Lehrkräfte ihre Unterrichtsstrategie noch nicht auf digitalen Unterricht angepasst. Im Azubi-Trendtalk sagten Auszubildende unter anderem: "Ich finde es deutlich schwieriger zu lernen und mich zu konzentrieren, während des Online-Unterrichts."

Auch weitere Aspekte in der Ausbildung von jungen Menschen haben sich laut Studienergebnissen durch die Pandemie teilweise deutlich verschlechtert.

Weit weniger dramatisch als die Ausbildungssituation sei die finanzielle Situation von Auszubildenden. Obwohl 13 Prozent berichten, dass sie von Kurzarbeit betroffen sind und sieben Prozent ihren Neben- oder Minijob verloren haben, beklagen nur acht Prozent finanzielle Engpässe.

Mehr Angebote für Homeoffice und digitale Arbeitsweisen

Es gibt auch positive Auswirkungen auf die betriebliche Ausbildung, die Corona hervorgebracht hat. So berichten 43 Prozent der Auszubildenden von Verbesserungen in Bezug auf die digitalen Arbeitsweisen und die Ermöglichung von Homeoffice-Angeboten. Jeder Fünfte sieht flexiblere Arbeitszeiten als positiven Aspekt an.

Dennoch befürchten Auszubildende, dass sie die verpassten praktischen Erfahrungen nicht aufholen können, nicht übernommen werden und mit einem vergleichsweise minderwertigen Abschluss auf dem Arbeitsmarkt mit schlechteren Chancen dastehen.

Laut IG Metall müssen Arbeitgeber dringend dafür sorgen, dass die Qualität der Ausbildung nicht unter der Pandemie leidet. Dazu gehörten auch die Entwicklung innovativer didaktischer und methodischer Konzepte sowie Möglichkeiten zum nachholen ausgefallener Lerninhalte.

Bildungssystem müsse sich neu aufstellen

Die zweite Vorsitzende der Gewerkschaft, Christiane Benner, kritisierte das unzureichend vorbereitete berufliche Bildungssystem. Im Übergang zu digitalen Unterrichtsformen hätten die Berufsschulen mangelhafte Leistungen erbracht. Sie warnte vor gravierenden Folgen, falls sich die Situation nicht ändern sollte. "Wenn Pläne durch die Pandemie zerstört wurden, müssen neue Pläne her und wir stehen alle in der Verantwortung, diese zu begleiten." Arbeitgeber und Politik müssten unverzüglich handeln, um Ausbildungsplätze in guter Qualität zu erhalten und auszubauen sowie die Nachwuchskräfte dann auch zu übernehmen.

"Die Jugendlichen haben sich wirklich eingeigelt", sagte Jugendforscher Schnetzer. Auch habe bei vielen das Selbstwertgefühl gelitten. Sie bräuchten jetzt "kleine Stupser" wie beispielsweise Mentorenprogramme, um durchzustarten. Mit Inhalten der dpa