Brauer, Kfz-Handwerk, Friseure, Kosmetiker und Textilreiniger Nach Lockerungen: Wie geht es den Handwerksbranchen?

Geschäfte, Salons, Gastronomie und Hotels sind seit einiger Zeit wieder geöffnet, die Corona-Regelungen teilweise gelockert. Welche Effekte hatte das auf die einzelnen Handwerksbranchen und wie geht es ihnen nach rund anderthalb Jahren Pandemie? Die DHZ hat bei fünf Gewerken nachgefragt.

Das deutsche Kfz-Gewerbe blickt trotz der Lockerungen verhalten optimistisch in die Zukunft. - © davit85 - stock.adobe.com

Mehr als anderthalb Jahre dauert die Corona-Krise in Deutschland mittlerweile an und mit ihr die Maßnahmen zum Schutz vor der Pandemie.

Auch viele Handwerksbetriebe waren und sind unmittelbar und mittelbar von der Krise und ihren Auwirkungen wie Schließungen, Maskenpflicht und Abstandsregelungen betroffen. Dazu zählen etwa Bäcker, Konditoren, Brauer, Friseure, das Kfz-Gewerbe, Kosmetiker, Messebauer, Metzger, Gebäudereiniger und Textilreiniger.

Nachdem zum Beispiel Friseur- und Kosmetiksalons sowie die Gastronomie viele Monate geschlossen waren, dürfen Sie seit einigen Wochen wieder ihre Türen öffnen. Zudem wurde die Corona-Arbeitsschutzverordnung zuletzt am 1. Juli angepasst, wodurch weitere Einschränkungen entfallen. Beispielsweise wurden Hygieneregelungen aufgrund der niedrigen Inzidenzwerte teilweise entschärft. Die Deutsche Handwerks Zeitung hat bei mehreren Gewerken nachgefragt, wie es den Handwerksbetrieben nach den Lockerungen geht, welche Probleme weiterhin bestehen und was sie sich für die Zukunft erhoffen.

Brauer: Bierabsätze steigen leicht

Die Brauer profitieren aktuell von der Wiedereröffnung von Gastronomien und Hotels. Die Bierabsätze steigen nach Angaben des Deutschen Brauer Bunds (DBB) wieder langsam an, auch wenn die Umsätze noch hinter den Erwartungen zurückbleiben. Brauer wie Gastronomen hoffen, dass sich die Lage weiter normalisiert. Trotz wieder steigender Inzidenzen überall in Deutschland, wünschen sie sich vor allem, dass die Öffnungsschritte für die Innengastronomie beibehalten werden können.

Die Branche sei aktuell vor allem noch von den abgesagten Events, Volksfesten und Kulturveranstaltungen betroffen. Überwiegend mittelständische Brauereien seien auf das Veranstaltungsgeschäft angewiesen.

Für die kommenden Monate hoffen die Brauer, dass sich "das Gastgewerbe sowie der für die Brauwirtschaft so wichtige Bierexport schnell weiter erholt, dass größere Veranstaltungen mit wirksamen Sicherheitskonzepten wieder möglich werden und Deutschland eine 'vierte Welle' mit einem neuen Lockdown erspart bleibt," sagt DBB-Sprecher Marc-Oliver Huhnholz.

Insgesamt lasteten die Absatz- und Umsatzverluste der letzten Monate sehr auf den Betrieben und es werde viele Jahre dauern, bis die wirtschaftlichen Folgen dieser Krise überwunden sind. Erst 2022 werde sich zeigen, wie die deutschen Brauereien die Corona-Krise wegstecken werden, und wie viele Betriebe letztlich aufgeben müssen.

Friseure hoffen auf Stabilität

Das Friseurhandwerk zählt zu den Gewerken, die am stärksten von den Corona-Maßnahmen betroffen sind. Die Salons mussten über mehrere Monate komplett schließen und noch immer gelten strenge Hygieneregeln. "Im Grundsatz bestehen die bisher geltenden Regelungen fort, unabhängig von regionalen Erleichterungen für Geimpfte und Genesene", sagt Luisa Schmidt vom Zentralverband des Deutschen Friseurhandwerks. Erleichtert zeigen sich die Friseure aber darüber, dass mit der neuen Corona-Arbeitsschutzverordnung die Zehn-Quadratmeter-Regel entfallen ist. Dies bedeutet, dass sich wieder mehr Personen auf einer Fläche von zehn Quadratmetern aufhalten dürfen. "Diese Regelung hatte vor allem hinsichtlich der Ausbildung zu einer inakzeptablen Situation für die Salons geführt", so Schmidt.

Problematischer sei, dass die mit den langen Lockdowns verbundenen wirtschaftlichen Negativfolgen bei den Friseursalons noch nicht kompensiert wurden: "Zahlreiche Betriebe haben immer noch mit Herausforderungen zu kämpfen", so Schmidt. Die Betriebe hoffen nun auf eine Stabilisierung der niedrigen Inzidenzwerte auch nach der Urlaubzeit und, dass erneute starke Einschränkungen im Salonalltag vermieden werden können. "Darüber hinaus gilt es, insbesondere die Ausbildung im Friseurhandwerk nachhaltig zu unterstützen", sagt Schmidt.

Kfz-Gewerbe: Erholung lässt auf sich warten

Das deutsche Kfz-Gewerbe blickt verhalten optimistisch in die Zukunft, teilte der Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) auf Anfrage mit. Im ersten Halbjahr 2021 blieb die Zahl der neu zugelassenen Pkw mit rund 1,39 Millionen allerdings immer noch weit hinter den Werten vom ersten Halbjahr 2019 mit rund 1,85 Millionen Neuzulassungen zurück. Ein kleiner Lichtblick: Nach Angaben des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA) wurden von Januar bis Juni 2021 knapp 15 Prozent mehr Autos angemeldet als in den ersten sechs Monaten des Corona-Jahres 2020.

Die große Erholung in den Autowerksstätten lässt laut ZDK aber weiter auf sich warten. Von Januar bis Mai 2021 lag die durchschnittliche Auslastungsquote der Werkstätten im Service- und Reparaturgeschäft exakt auf dem Niveau des Vorjahres, jedoch um sieben Prozentpunkte unter dem Vergleichswert von 2019.

Der ZDK rechnet in diesem Jahr mit rund drei Millionen Pkw-Neuzulassungen (Vorjahr: 2,918 Mio.), etwas mehr als sieben Millionen Gebrauchtwagen-Verkäufen (Vorjahr: 7,02 Mio.) und einer Werkstattauslastungsquote in etwa auf Vorjahresniveau.

Kosmetiker: "Das wird noch länger eine schwierige Zeit bleiben"

Körpernahe Behandlungen waren lange Zeit nicht erlaubt, Fußpflegen, Kosmetik- und Nagelstudios mussten über Monate geschlossen bleiben. Erleichtert sind die Kosmetiker deshalb, dass sie ihren Beruf wieder ausüben dürfen, Umsätze generieren und ihre Mitarbeiter wieder beschäftigen können. "Nach den monatelangen Phasen der Lockdowns ist das auch bitter nötig – und zwar nicht nur für die Kosmetikinstitute und -studios, sondern vor allem auch für unsere Kunden", sagt Uta Lennartz, 1. Vorsitzende des Bundesberufsverbands der KosmetikerInnen in Deutschland (BBVKD). Viele Behandlungen müssten kontinuierlich erfolgen, etwa bei unreiner Haut, Narbennachbehandlungen nach abgeklungener Akne oder nach Operationen. "Unsere ebenfalls vom Lockdown betroffenen Kunden sind jedenfalls sehr dankbar, dass wir wieder für deren Hautgesundheit arbeiten können".

Die hohen Umsatzausfälle sind für viele Kosmetiker weiterhin ein großes Problem. "Viele mussten ihre Ersparnisse oder Teile ihrer Altersvorsorge auflösen, um ihre Betriebe zu retten. Etliche unserer Kolleginnen und Kollegen mussten durch die Umsatzeinbußen ihre Betriebe schließen und sich jetzt beruflich neu orientieren. Das wird noch länger eine schwierige Zeit für viele von uns bleiben", so Lennartz

Aus diesem Grund erhoffen sich die Kosmetiker vor allem Planungssicherheit und, dass es nicht noch einmal zu einem Lockdown kommt. "Außerdem wünschen wir uns für die Zukunft, dass unser Beruf auch von der Politik noch viel mehr als Gesundheitshandwerk begriffen wird. Schließlich erhalten wir die Gesundheit der menschlichen Haut", sagt Lennartz. Die Kosmetiker sind zudem der Meinung, dass die Schließungen der Kosmetiksalons nicht in jedem Fall gerechtfertigt waren. "Angesichts unserer sehr strengen Hygienekonzepte hätte unser Handwerk nicht in alle Lockdowns gehört, die wir ertragen mussten. Schließlich behandeln wir ja auch erfolgreich Hautprobleme, die durch Corona-Schutzmaßnahmen entstehen, wie beispielsweise das lange Tragen von Masken und Handschuhen oder durch ständige Hautdesinfektion."

Textilreiniger: Neue Probleme hinzugekommen

Wäschereien und Textilreinigungen waren zwar nicht direkt von den Schließungen betroffen. Doch vor allem die Betriebe, die als Dienstleister für die Hotellerie, die Veranstaltungsbranche und die Gastronomie tätig sind, haben die Auswirkungen der Krise stark zu spüren bekommen. "Sie erlitten teilweise Umsatzeinbrüche von bis zu 90 Prozent", sagt Daniel Dalkowski vom Deutschen Textilreinigungs Verband (DTV). Zugute komme der Branche, dass die Übernachtungszahlen langsam wieder steigen und auch die Feriensaison vielerorts gestartet ist. "Trotzdem sind die Umsätze in diesem Bereich noch nicht auf dem Niveau vor der Krise."

Zudem sind neue Probleme auf die Betriebe zugekommen. Stark gestiegene Energie- und Textilpreise setzen vielen Wäschereien zu. "Die Preise für Baumwolle sind seit Jahresbeginn teilweise um 50 Prozent gestiegen. Das belastet vor allem Betriebe aus dem Leasingbereich, die Textilien einkaufen und vermieten", so der stellvertretende Geschäftsführer des DTV. Zusätzlich seien die Lohnkosten für Beschäftigte aufgrund von Tarifabschlüssen gestiegen.

Da während der Krise viele Unternehmen Kurzarbeit anmelden mussten, sind den Textilpflegebetrieben gleichzeitig Mitarbeiter verloren gegangen. Dies betreffe auch den Bereich der Logistik. "Viele Fahrer haben Jobs im Online-Handel angenommen, da dieser in der Krise einen Aufschwung erlebt hat", sagt Dalkowski.

Für die Zukunft hoffen die Betriebe, dass private Feiern, Dienstreisen und Großveranstaltungen wie Messen wieder wie gewohnt stattfinden. Sie befürchten aber, dass zum Beispiel das Arbeiten im Homeoffice ein nachhaltiger Trend bleibt, der dazu führt, dass weniger Businesskleidung getragen und diese dementsprechend weniger gereinigt wird. Unabhängig von der Corona-Krise wünscht sich die Branche auch mehr Wertschätzung: "Wir sorgen dafür, dass Textilien möglichst lange im Kreislauf genutzt werden können und leisten damit einen wichtigen Beitrag zur Nachhaltigkeit. Leider wird das in der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen", so Dalkowski.