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Höhere Umsatzgrenze ab 2020 Ist-Versteuerung: Musterantrag für Betriebe

Unternehmer müssen normalerweise die in Rechnungen ausgewiesene Umsatzsteuer ans Finanzamt abführen, wenn sie die betreffende Leistung erbracht haben (= sog. Soll-Versteuerung). Doch es gibt auch andere Möglichkeiten. So beantragen Sie die Ist-Versteuerung. Bei Antragstellung ab 2020 können sich Unternehmer auf großzügigere Umsatzgrenzen freuen.

Die Soll-Versteuerung führt gerade bei kleinen und mittelständischen Handwerksbetrieben zu finanziellen Engpässen, weil die Umsatzsteuer praktisch vorfinanziert werden muss.Wann die Rechnung gestellt wird und wann der Kunde zahlt, interessiert bei der Sollbesteuerung nicht. Zahlt der Kunde dann erst nach mehrmaligen Mahnungen, kann diese Vorfinanzierungsverpflichtung zu einem echten Problem werden. Doch Unternehmer können die Soll-Versteuerung unter bestimmten Umständen vermeiden bzw. abwählen.

Ist-Versteuerung: Wer darf, wer kann?

Grundsätzlich kommt die Ist-Versteuerung unter folgenden Voraussetzungen auf Antrag zur Anwendung

  • bei einem Unternehmer, dessen Gesamtumsatz im vorangegangenen Jahr nicht mehr als 600.000 Euro betragen hat (die Grenze lag im vergangenen Jahr noch bei 500.000 Euro), oder
  • bei einem Unternehmer, der von der Verpflichtung Bücher zu führen und auf Grund jährlicher Bestandsaufnahmen regelmäßige Abschlüsse zu machen, nach § 148 AO befreit ist (Vermieter oder Unternehmer, die ihren Gewinn nach der Einnahmen-Überschussrechnung ermittelt) oder
  • soweit der Unternehmer Umsätze aus einer freiberuflichen Tätigkeit nach § 18 Abs. 1 Nr. 1 EStG ausführt.
Die Erhöhung der Umsatzgrenze von 500.000 Euro auf 600.000 Euro findet sich im Gesetz zur Einführung einer Anzeigepflicht für grenzüberschreitende Steuergestaltungen. Ursprünglich war die Änderung im 3. Bürokratieabbaugesetz vorgesehen.

Steuern, erst wenn der Kunde bezahlt hat

Bei der Ist-Versteuerung wird die Umsatzsteuer erst zur Zahlung fällig, wenn der Kunde oder der Geschäftspartner die Rechnung tatsächlich bezahlt hat. Auf den Vorsteuerabzug hat die Ist-Versteuerung keine Auswirkung.

Der Vorsteuerabzug ist unabhängig von der Zahlung zulässig, sobald ein Unternehmer eine Rechnung mit offen ausgewiesener Umsatzsteuer in Händen hält.

Beispiel: Unternehmerin Schneider erbringt am 20. Juli Umsätze im Wert von 100.000 Euro. Die Rechnung wird nach Kontroversen mit dem Auftraggeber am 7. Dezember endlich bezahlt. Bei Anwendung der Sollversteuerung muss die Umsatzsteuer mit der Umsatzsteuervoranmeldung für Juli (10. August) ans Finanzamt abgeführt werden. Bei der Ist-Versteuerung wird die Umsatzsteuer dagegen erst mit der Umsatzsteuervoranmeldung für Dezember fällig (10. Januar).

Der Antrag auf Ist-Versteuerung beinhaltet nur ein kurzes Schreiben an das Finanzamt inklusive Kopien von  Kopien der Umsatzsteuererklärung und der Gewinn- und Verlustrechnung. Einen kostenlosen Musterantrag können Sie hier herunterladen.>>> dhz

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