Kolumne In 3 Schritten: So formulieren Ausbilder Feinlernziele

Sogenannte Feinlernziele sind viel zu selten Teil des Ausbildungsplans, bemängelt Peter Braune. Für Ausbilder sind sie jedoch eine effektive Methode, um das zukünftige Verhalten des Auszubildenden zu bestimmen. In seiner aktuellen Kolumne erklärt der Ausbildungsberater, wie Feinlernziele aufgebaut sind und welche Arten von Lernzielen es sonst noch gibt.

Bäcker knetet Brot und liest Handbuch.
Darf der Azubi im Rahmen einer Lerneinheit ein Handbuch verwenden? Diese Frage sollten Ausbilder beantworten, wenn sie ein Feinlernziel formulieren. - © koldunova - stock.adobe.com

Wer bei der Ausbildung etwas ändern will, muss damit beginnen, sich selbst zu ändern. Das gilt vor allem dann, wenn es um die Feinheiten der Ausbildung geht.

Erster Schritt: Vor der Feinarbeit steht die Erstellung des Ausbildungsplans

Meiner Meinung nach sollten Ausbilderinnen und Ausbilder die Grundstandards einer geregelten Ausbildung richtig erfüllen. Dazu gehört auch die Erstellung des Ausbildungsplans. Er wird auch betrieblicher oder individueller Ausbildungsplan genannt.

Die Gesellen erfahren im Lehrgang zur Vorbereitung auf die Meisterprüfung, wie aus einem Ausbildungsrahmenplan, der als Anlage der Ausbildungsordnung beigefügt ist, ein betrieblicher Ausbildungsplan erstellt wird – und danach die Feinplanung beginnt.

In der Praxis zeigt sich jedoch, dass offenbar viele diese Unterrichtsstunden geschwänzt haben, der Referent die Bedeutung dieser Planung nicht oder nicht richtig erklärt hat oder die Teilnehmer einfach keine Lust oder Zeit für diese Arbeit hatten. Die Folge sind aus dem Internet bezogene Ausbildungspläne. Aus meiner Sicht ist das ein kapitaler Fehler.

Welche Lernziele gibt es?

Dass sich kaum jemand vor Beginn der Ausbildung intensiv und gedanklich mit der Feinplanung der Ausbildung beschäftigt, bestätigt auch der folgende Fall: In einem Betrieb soll der Meister erstmals eine Zweiradmechatronikerin ausbilden. Er erinnert sich dunkel daran, dass es Lernziele gibt, die den Kopf ansprechen. Die junge Frau soll etwas lernen, das er anschließend abfragen kann. Sie soll Sachverhalte verstehen und im Gedächtnis behalten, damit sie bei schwierigen Tätigkeiten verfügbar sind und zu deren Ausführung zur Verfügung stehen.

Dann erinnert er sich an die affektiven Lernziele, mit denen er Interesse wecken oder eine bestimmte Einstellung im Zusammenhang mit einem Sachverhalt erreichen kann. Kurz vor dem Einschlafen fallen ihm noch psychomotorischen Ziele ein, bei denen es um die Fähigkeiten geht, Bewegungsabläufe zu beherrschen oder Gegenstände zweckmäßig handhaben zu können. Dann schläft er erschöpft ein und kommt nicht mehr dazu, sich gedanklich damit zu befassen, was ein Feinlernziel ist.

Was sind Feinlernziele?

Hier sollten wir ihm ein wenig Nachhilfe geben. Die Feinlernziele werden durch den Meister festgelegt. Sie werden aus den Groblernzielen abgeleitet und beschreiben das gewünschte sowie überprüfbare Endverhalten, den Zuwachs an Wissen, aber auch die Fähigkeiten und Fertigkeiten, welche die Auszubildende nach der erfolgreichen Durchführung eines Lernangebotes erworben haben soll. Er muss sie an die betrieblichen Erfordernisse und die Auszubildende anpassen.

Wenn er vor dem Beginn der Ausbildung diese Lernziele genau festlegt, erhöht das seine Chancen, die Unterweisungen bedarfsgerecht auszurichten. Wenn er vor dem Beginn einer Unterweisung das Lernziel nennt, motiviert das die Auszubildende. Sie stellt sich darauf ein, was gleich gelernt werden soll.

Feinlernziele setzen sich aus drei Teilen zusammen

Zu einem sorgfältig ausformulierten Feinlernziel gehören drei Teile, das Endverhalten, die Bedingungen und der Maßstab.

  • Endverhalten: Das Endverhalten ist die Beschreibung der erwarteten Ergebnisse. Es muss eindeutige Begriffe enthalten und ein beobachtbares Verhalten beschreiben. Als Ergebnis entwickelt sich das zukünftige Verhalten der Auszubildenden.
  • Bedingungen: Definiert werden die Mittel, der sich die Auszbildene bedienen oder nicht bedienen darf. Hierzu gehören zum Beispiel Aussagen darüber, ob ein Handbuch verwendet werden darf, ob in einer Gruppe gearbeitet wird, ob ein bestimmter Lösungsweg vorgegeben oder ein bestimmtes Programm verwendet werden muss.
  • Maßstab: Auch ein Beurteilungsmaßstab gehört dazu, der sich auf die Menge, Zeit oder Qualität beziehen kann und etwa Antworten auf folgende Fragen definiert: Wie lange hat die Auszubildende Zeit, um die Aufgabe zu bearbeiten? Müssen alle Teile gelöst werden? Wie viel Abweichung oder wie viele Fehler sind erlaubt? Wie muss das Ergebnis genau aussehen? Wann gilt ein Problem als gelöst?

Beispiele dafür, wie Lernziele aussehen und ausformuliert werden können, finden Interessierte auch in diesem Artikel: Standardberufsbildpositionen modernisiert: Tipps für Ausbilder

Ihr Ausbildungsberater Peter Braune

Peter Braune hat Farbenlithograph gelernt, war Ausbilder und bestand in dieser Zeit die Ausbildungsmeisterprüfung. Er wechselte als Ausbildungsberater zur Industrie- und Handelskammer Frankfurt am Main. Dort baute er dann den gewerblich-technischen Bereich im Bildungszentrum auf und leitete die Referate gewerblich-technischen Prüfungen sowie Ausbildungsberatung, zu der auch die Geschäftsführung vom Schlichtungsausschuss gehörte. Danach war er Referent für Sonderprojekte.