Krankheitsgeschehen im Corona-Jahr Im Handwerk: Die häufigsten Gründe für Fehltage 2021

Das Coronavirus führte 2021 zu keinem erhöhten Krankheitsgeschehen im Handwerk. Das geht aus einer Auswertung der IKK classic hervor. In welchen Handwerksbranchen das Krankheitsgeschehen insgesamt am geringsten war – und woran Handwerker besonders häufig leiden.

Wird bald durch eine elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung ersetzt: der "gelbe Schein". - © Bernd Leitner - stock.adobe.com

Die Corona-Pandemie wirkte sich in den Jahren 2020 und 2021 nur geringfügig auf das Krankheitsgeschehen im deutschen Handwerk aus. Der Krankenstand lag wie schon im Jahr zuvor bei 5,5 Prozent – und damit 0,1 Prozentpunkte über dem Niveau vor der Pandemie. Das berichtet die IKK classic auf Basis einer Fehlzeiten-Analyse von rund 455.000 im Handwerk beschäftigten Versicherten mit Krankengeldanspruch.

An jedem Arbeitstag des Jahres 2021 fehlten demnach weniger als sechs von 100 Beschäftigten im deutschen Handwerk. Durchschnittlich kamen auf jeden handwerklich Beschäftigten im vergangenen Jahr insgesamt 20,1 Krankheitstage und 1,2 Krankheitsfälle.

Im laufenden Jahr rechnet die Krankenkasse jedoch mit einem Anstieg beim Krankheitsgeschehen. Grund hierfür sei die Omikron-Welle im Frühjahr 2022. "Die Auswertung der Krankheitsdaten unseres Allgemeinversichertenbestands zeigt, dass es sowohl beim Krankenstand als auch bei den Arbeitsunfähigkeitsfällen deutliche Zunahmen im Vergleich zum Vorjahr gegeben hat", so Pressereferentin Franziska Becher auf Anfrage der Deutschen Handwerks Zeitung.

Die Top-3-Gründe für Fehltage im Handwerk

In 2021 zeigte die Tendenz hingegen in eine andere Richtung. Nur 11,2 Prozent aller Krankschreibungen waren auf Atemwegserkrankungen zurückzuführen – so wenig wie seit vielen Jahren nicht mehr. Auch die sogenannte Arbeitsunfähigkeitsquote war mit 51,9 Prozent auf einem historischen Tiefstand. "Offensichtlich wurden auch im zweiten Jahr der Pandemie Arztbesuche noch eher vermieden", schätzt Pressereferentin Maren Soehring. "Vermutlich sorgten Hygiene- und Abstandsregeln außerdem dafür, dass das Krankheitsgeschehen, vor allem bei Infektionskrankheiten, nicht zugenommen hat."

Häufigster Grund für krankheitsbedingte Fehltage im Handwerk waren wie in den Jahren zuvor Muskel- und Skelett-Erkrankungen. Mehr als jeder dritte Ausfall war auf eine solche Erkrankung am Bewegungsapparat zurückzuführen. Dahinter folgten Verletzungen und Vergiftungen (16,8 Prozent) sowie psychische Erkrankungen (14,1 Prozent).

Beschäftigte in weiblich dominierten Branchen seltener krank

Wie schon in den Vorjahren war das Krankheitsgeschehen im Bau- und Ausbaugewerbe 2021 besonders hoch. So sorgten die körperlich schweren und anstrengenden Tätigkeiten bei den Beschäftigten in dieser Gewerbegruppe nicht nur für den höchsten Krankenstand (6,5 Prozent) sondern auch für die meisten Krankheitstage (23,8). Dagegen waren die Beschäftigten im Baugewerbe mit nur 8,8 Prozent aller AU-Tage unterdurchschnittlich von psychischen Erkrankungen betroffen.

Mit einem Krankenstand von 4,8 Prozent und 17,5 krankheitsbedingten Fehltagen war die Gesundheits-, Körperpflege- und Reinigungsbranche das Gewerbe mit dem geringsten Krankheitsgeschehen im deutschen Handwerk. Allerdings lag hier der Anteil an psychischen Erkrankungen mit 18,8 Prozent im Vergleich zu allen anderen Gewerbegruppen am höchsten.

Einen Zusammenhang mit den wochenlangen Lockdowns in 2021 schließt die IKK classic aus. Zwar waren Friseure, Kosmetiker und Teile des Gebäudereiniger-Handwerks im vergangenen Jahr besonders lange von Betriebsschließungen betroffen und mit strengen Corona-Maßnahmen belegt, das Krankheitsgeschehen in diesen Branchen sei jedoch seit jeher sehr niedrig. Da weibliche Arbeitnehmer seltener an Muskel- und Skelett-Erkrankungen erkranken oder an den Folgen einer Verletzung bzw. Vergiftung leiden, schlage zudem der Anteil an psychischen Erkrankungen stärker durch, so Franziska Becher.