E-Government Handwerker können durch digitale Verwaltung viel Zeit sparen

Stundenlange Wartezeiten auf Ämtern und Behörden sollen bald der Vergangenheit angehören. Einige Handwerkskammern bieten ihren Mitgliedern bereits jetzt digitale Verwaltungsleistungen an.

Urlaub nehmen für den Behördengang? Die digitale Verwaltung kann Anträge für Bürger und Unternehmer erleichtern. - © styleuneed -stock.adobe.com

Rund zweieinhalb Stunden dauert ein Behördenbesuch im Durchschnitt. Davon entfällt jeweils etwa rund eine Stunde auf die An- und Abreise sowie auf das Warten in der Behörde. Der eigentliche Zweck des Termins, die Bearbeitung des Anliegens, dauert hingegen nur circa 25 Minuten.

Zu diesen Zahlen kommt eine Erhebung des Digitalverbandes Bitkom. Dabei ließen sich die meisten Verwaltungsangelegenheiten nach Ansicht des Bitkoms problemlos online erledigen. "Es kann nicht sein, dass Menschen Urlaub nehmen müssen, nur um einen schlichten Verwaltungsvorgang anzustoßen", heißt es dort.

Und der Wunsch nach digitalen Angeboten in der Bevölkerung scheint durchaus groß zu sein, wie eine weitere Studie des Bitkoms zeigt. So sagen drei von vier Bundesbürgern, dass sie in Zukunft gerne digital mit den Behörden kommunizieren möchten.

Ganz auf Papier verzichten wollen die meisten jedoch nicht und wünschen sich die Freiheit der Wahl (43 Prozent). Lediglich ein Drittel der Befragten will seine Behördengänge ausnahmslos digital erledigen.

Zufriedenheit mit digitaler Verwaltung geht deutlich zurück

Wunsch und Wirklichkeit scheinen jedoch weit auseinanderzuklaffen, wie eine Analyse der Digitalinitiative D21 und der Technischen Universität München zeigt. Laut "E-Government-Monitor 2021" ist die Zufriedenheit der Bürger mit dem digitalen Angebot der Verwaltung gegenüber dem Vorjahr sogar um 15 Prozent gesunken. Der Corona-Effekt, der der Digitalisierung noch 2020 einen Schub verliehen hatte, scheint also schon wieder verpufft.

Entsprechend stagniert die Nutzung der digitalen Verwaltung. 52 Prozent der Bürger geben an, auf das digitale Angebot zuzugreifen – ein Minus von zwei Prozent gegenüber dem Vorjahr. Im DACH-Raum schneidet Deutschland mit Abstand am schlechtesten ab. So nutzen in Österreich bereits 76 Prozent der Bürger die digitale Verwaltung und in der Schweiz sind es immerhin 60 Prozent. Dass eine Leistung digital nicht verfügbar ist, stört jedoch vor allem die Jüngeren. Bei den Älteren besteht hingegen noch ein großes Bedürfnis, persönlich mit einem Mitarbeiter vor Ort zu sprechen. 61 Prozent der Befragten über 70-Jährigen bejahen diese Aussage.

Kammern richten sich nach den Wünschen der Kunden

Flexible Angebote scheinen mehr denn je gefragt. Wie eine moderne Verwaltung in der Praxis funktionieren kann, zeigt das Beispiel der Handwerkskammer für München und Oberbayern. "Bei uns gilt, dass die Mitgliedsbetriebe uns kontaktieren können, wie immer sie möchten. Sie können persönlich vorbeikommen, uns anrufen, einen Brief schreiben, das digitale Kundenportal nutzen oder notfalls einen USB-Stick abgeben – wir bearbeiten alles. Wir haben keine Formvorschriften, wir brauchen nur die gesetzlich vorgeschriebenen Daten", sagt Miguel López, verantwortlich für IT- und Onlineanwendungen bei der Handwerkskammer.

Bei der Umsetzung der digitalen Verwaltung sei man schon sehr weit vorangekommen und werde die Vorgaben des Onlinezugangsgesetzes bis Jahresende ohne Probleme erfüllen, so López und ergänzt: "Wir digitalisieren alles was möglich, wirtschaftlich und zweckmäßig ist."

Mitgliedsbetriebe der Handwerkskammer, die den digitalen Service schätzen, können sich dafür im Kundenportal anmelden. Es ist nur eine einmalige Registrierung und Authentifizierung nötig. Alle Daten werden danach automatisch im System gespeichert und müssen bei weiteren Anträgen nicht erneut eingegeben werden. López beobachtet ein deutlich zunehmendes Interesse am Kundenportal, was ihn nicht überrascht. Denn schließlich spare sich der Betrieb die wertvolle Zeit, Dokumente auszudrucken und zur Post zu bringen, die er meistens ohnehin schon digital vorliegen habe.

Gleichzeitig betont er, dass alle Mitgliedsbetriebe auch in Zukunft ihre Anträge auf Papier erledigen können, wenn sie das möchten. Die Handwerkskammer für München und Oberbayern ist dabei eine von sechs Pilotkammern, die vom Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) für die primäre Umsetzung der vom Onlinezugangsgesetz erfassten Kammerleistungen ausgewählt wurden. "Die Kammern wurden nach ihren Ressourcen und Fachspezifika bestimmt und sind gemeinsam mit den IT-Dienstleistern Ansprechpartner für die weiteren Handwerkskammern“, sagt Robert Härtel, Referatsleiter E-Government beim ZDH.

Programmierer werden händeringend gesucht

Verbände wie der Baden-Württembergische Handwerkstag übernehmen dabei eine koordinierende Funktion für die Kammern im Landesgebiet. Die gewählte Strategie bei der Umsetzung findet Sebastian Egelhof, Leiter Technologie-, Digitalisierungs- und Innovationspolitik des Baden-Württembergischen Handwerkstags, die richtige Herangehensweise: "Wir wollen nicht, dass eine Kammer allein dasteht. Schließlich gibt es große Überschneidungen und eine Verwaltungsleistung ist praktisch immer in allen Kammern vorhanden." Auch bei den Handwerkskammern in Baden-Württemberg ließen sich heute schon viele Anträge elektronisch erledigen und die digitale Unterschrift sei stellenweise schon möglich.

Herausforderungen sieht der Fachmann auf technologischer Ebene. "Softwareanbieter brauchen für die zunehmend drängende Umsetzung der digitalen Verwaltung entsprechende Ressourcen. Doch der Arbeitsmarkt scheint leergefegt und schlüssige Lösungen erfordern eigentlich mehr Kapazitäten.“

Egelhof ist überzeugt, dass sich die Anstrengungen lohnen und in Zukunft immer mehr Handwerker den neuen Service nutzen werden.