Für Hochschulen steht großzügig Geld zur Verfügung, während der Staat bei der beruflichen Bildung knausert. Diesen Eindruck haben zumindest bayerische Handwerker. Sie machten ihrem Unmut bei einem Treffen mit Wirtschaftsminister Aiwanger Luft.

Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) hat die Handwerker dazu aufgefordert, weitreichende Forderungen an die Politik zu stellen. "Ihr seid systemrelevant. Ein Land könnte ohne Euch nicht funktionieren", sagte Aiwanger bei einem Treffen mit Handwerksvertretern in München. Das Handwerk habe mehr Aufmerksamkeit verdient.
Aiwanger warb dafür, trotz widriger Umstände optimistisch ins Jahr zu gehen. Bayerischen Betrieben, die etwa aufgrund der hohen Energiepreise in Existenznöte gerieten, stellte er Härtefallhilfen in Aussicht. "Es wird kein Betrieb alleingelassen", so der Wirtschaftsminister. Sorgen macht sich die Politik derzeit vor allem um die Bauwirtschaft. Der Präsident des Bayerischen Handwerkstags, Franz Xaver Peteranderl, bestätigte, dass die Lieferketten im Baugewerbe "erheblich gestört" waren.
Warnung vor "Meisterschwemme"
Nach ihren Reden stellten sich Aiwanger und Peteranderl den Fragen des Publikums. Mehrere Diskussionsteilnehmer forderten die Gleichberechtigung von beruflicher und akademischer Bildung. Ein erster Schritt sei der Meisterbonus. Ein Malermeister aus Forchheim warnte vor einer "Meisterschwemme". Er plädierte für eine längere Wartezeit nach der Gesellenprüfung. Aiwanger spielte den Ball zurück an die Handwerksorganisation: "Ich weiß nicht, ob wir als Gesetzgeber die richtige Adresse sind." Das Handwerk selbst müsse die Qualität der Fortbildung sicherstellen und einen Ausgleich finden zwischen dem Wunsch junger Handwerker, schnell den Meister zu machen und Anforderungen an Praxiserfahrung und Sozialkompetenz. Peteranderl beschwichtigte: "Ich sehe nicht, dass wir eine Schwemme bekommen. Wir selbst legen die Qualitätslinie fest."
Der Vertreter einer mittelfränkischen Kreishandwerkerschaft kritisierte, dass in vielen kleinen Kommunen Ableger von Hochschulen entstünden, während es bei der Finanzierung handwerklicher Bildungsstätten hapere. "Da sehe ich eine gewisse Diskrepanz." Handwerker müssten die Kosten für ihre Meisterkurse selbst aufbringen, während der Staat das Studium von Gebühren befreit habe. Aiwanger ermunterte das Handwerk, von der Politik eine Kostenübernahme auch für angehende Meister zu verlangen. "Fordert das und dann kommt das."
Am falschen Ende gespart
Ein Handwerksvertreter aus Coburg gab zu bedenken, dass Hochschulen "eine Werkstatt nach der anderen" bauten. Mehrere Redner machten ihrem Ärger Luft, dass in Berufsschulen Klassen zusammengelegt wurden oder - verglichen mit Hochschulen - zu hohe Schwellenwerte für die erforderliche Schüleranzahl festgesetzt würden. Aiwanger gab zu, dass oft am falschen Ende gespart worden sei. "Ich glaube, dass wir in der Vergangenheit zu viel zusammengelegt haben." Er sprach sich dafür aus, Bildungsstätten des Handwerks großzügiger zu finanzieren.
Zum Abendempfang "Handwerk" waren Präsidenten und Geschäftsführer der bayerischen Handwerkskammern, Kreishandwerksmeister sowie Obermeister der Innungen eingeladen. Der Austausch erfolgte auch vor dem Hintergrund, dass in diesem Jahr in Bayern Landtagswahl ist.
Söder kündigt kostenfreien Meister an
Unterdessen hat Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) angekündigt, dass die Meisterausbildung in Industrie und Handwerk in Bayern in Zukunft kein Geld mehr kosten soll. Dies sagte der CSU-Chef in seiner Grundsatzrede bei der Klausur der CSU-Landtagsfraktion in Kloster Banz. Es sei ungerecht, dass ein Studium kostenfrei sei, aber ein Meister etwas koste. "Diese Ungerechtigkeit müssen wir ändern." Der Freistaat wäre das erste Bundesland, in dem angehende Meister in Industrie und Handwerk dann für ihre Weiterbildung kein Geld mehr zahlen müssten. Söder hatte das Vorhaben mehrfach in Aussicht gestellt und auf Twitter zuletzt bekräftigt. str