Zum Start des Ausbildungsjahres sind noch viele Lehrstellen unbesetzt. Doch das Handwerk bleibt optimistisch. Bis zum Jahresende sollen noch mehrere tausend Stellen besetzt werden.
Karin Birk
Noch sind viele Lehrstellen unbesetzt. Doch das Handwerk sieht aber gute Chancen für weitere Vermittlungen. Derzeit seien zwar noch rund 27.000 Lehrstellen bei den Lehrstellenbörsen der Handwerkskammer gemeldet, heißt es beim Zentralverband des Deutschen Handwerks. "Aber wir hoffen, dass wir die Lücke zur 20 mindestens noch schließen können“, sagte ZDH-Präsident Hans Peter Wollseifer im Gespräch mit dem Deutschlandfunk.
Bei den Neuverträgen will Wollseifer mindestens die Vorjahreszahlen erreichen. 2014 wurden zum Ausbildungsstart Anfang September 108.600 und zum bis zum Jahresende 137.400 Neuverträge gemeldet. Für das aktuelle Ausbildungsjahr liegen noch keine einheitlichen bundesweiten Zahlen vor. Doch nach den bisherigen Zahlen und den großen Anstrengungen der Kammern müsse dies erreichbar sein, sagte Wollseifer weiter. Auch die Zwischenbilanzen einzelner Kammern und Bundesländer stützen die Erwartung.
In Bayern und Baden-Württemberg ähnlich viele Neuverträge wie im Vorjahr
So berichtet etwa die Handwerkskammer Stuttgart von einer stabilen Ausbildungssituation. Zum Beginn des neuen Ausbildungsjahres seien 3.492 (Vorjahr: 3.490) Ausbildungsverträge abgeschlossen worden. Nach wie vor bleibe die demographische Entwicklung und der anhaltende Trend zum Hochschulstudium eine große Herausforderung für das Handwerk, kommentierte Bernd Stockburger, Geschäftsführer Berufliche Bildung bei der Handwerkskammer Region Stuttgart, die aktuellen Zahlen.
"Das leichte Plusvon 0,1 Prozent ist daher ein gutes Ergebnis", ergänzte er. Ähnlich wie in den Vorjahren gebe es vor allem noch freie Ausbildungsplätze für die Berufe Fachverkäufer im Lebensmittelhandwerk, Anlagenbauer Sanitär/Heizung und Klimatechnik sowie Elektroniker. In ganz Baden-Württemberg wurden zum Start des neuen Ausbildungsjahres 16.578 Ausbildungsverträge unterzeichnet. Das entspricht einem Plusvon 1,3 Prozent. Bis zum Jahresende geht der baden-württembergische Handwerkskammertagvon einem Plusvon 19.000 Verträgen aus.
"Im September passiert erfahrungsgemäß noch viel"
Auch bei der Kammer für München und Oberbayern ist die Ausbildungssituation wie im ganzen Bundesland annähernd stabil. Insgesamt wurden bis zum 31. August 20.952 (Vorjahr: 21.093) Ausbildungsverträge neu unterzeichnet. "Im September passiert erfahrungsgemäß noch viel", heißt es bei der Handwerkskammer München. Allein in ihrem Kammerbezirk wurden bis Ende August 6.465 neue Verträge unterschrieben. Vor Jahresfrist waren es 6.488. Auch in dieser Region gibt es noch offene Stellen. Allerdings sind auch hier – wie in anderen Kammerbezirken- längst nicht alle bei den Kammern gemeldet.
Hessen bleibt bislang unter dem Vorjahr
In Hessen wurden in den drei Kammerbezirken, Wiesbaden, Kassel und Frankfurt am Main bisher rund 7.433 neue Ausbildungsplätze abgeschlossen, wie der Geschäftsführer der Handwerkskammer Wiesbaden, Martin Pott, sagte. Im Vorjahr lag die Zahl mit 7.456 abgeschlossenen Verträgen leicht darüber. Er rechne aber damit, dass in Hessen wie in den Vorjahren bis zum Jahresende rund 10.000 neue Lehrverträge abgeschlossen werden.
Derzeit seien in den Lehrstellenbörsen der Kammern noch rund 750 freie Stellen gemeldet. Im Vorjahr waren es zur gleichen Zeit rund 600. Wie Pott weiter sagte, spüre das Handwerk das verstärkte Interesse der Jugendlichen am Studium, die Konkurrenz der gewerblichen Arbeitgeber sowie in zunehmendem Maße die demografische Entwicklung.
Deutlich mehr Lehrverträge in Sachsen
In Ostdeutschland, im Kammerbezirk Dresden, ist man mit der bisherigen Entwicklung zufrieden. "Wir freuen uns, dass die aktive Nachwuchswerbung und –arbeit der vergangenen Jahre Früchte trägt“, sagte Andreas Brzezinksi, Hauptgeschäftsführer der Kammer Dresden.
Allerdings sei dies erst ein Zwischenergebnis. Abgerechnet werde am Jahresende. Bisher konnten im Bezirk bis zum 31. August 1.539 Lehrverträge abgeschlossen werden. Das seien 20 Verträge weniger als im Vorjahr. Es gingen in diesen Tagen aber noch viele Verträge bei den Kammern ein. Wie der sächsische Handwerkstag berichtet, sind im ganzen Land noch rund 1500 offene Lehrstellen bei den Lehrstellenbörsen gemeldet. Insgesamt wurden zum Start des Ausbildungsjahres mit 4.215 rund 180 neue Lehrverträge mehr als zum Vorjahreszeitraum abgeschlossen.
im Kammerbezirk Erfurt in Thüringen sind noch 486 (Vorjahr: 495) offene Lehrstellen gemeldet. Insgesamt konnte die Kammer bis zum Start des neuen Ausbildungsjahres 1079 neue Ausbildungsverträge verzeichnen. Im Vorjahr waren es zum gleichen Zeitpunkt mit 1003 Verträgen deutlich weniger besetzte Lehrstellen.
