ZDH-Positionspapier Handwerk sieht Chancen in Wasserstofftechnologie

Der grüne Umbau der Wirtschaft ist nur machbar mit dem Handwerk. Wie Schornsteinfeger, Apparatebauer, Bauwirtschaft und Kfz-Handwerke von der Wasserstofftechnologie profitieren könnten.

Ein Wasserstoff-Brennstoffzellen-Sattelzug mit H2-Gasflasche an Bord.
LKW mit Wasserstoff-Gasflasche: Aus Sicht des Handwerks steckt viel Potential in der Wasserstofftechnologie, auch für die eigene Branche. - © scharfsinn86 - stock.adobe.com

In einem neuen Positions- und Hintergrundpapier macht sich der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) für eine Förderung der Wasserstofftechnologie stark. Der ZDH wertet Wasserstoff als "Zukunftstechnologie für Energiewende und Klimaschutz".

In dem Papier spricht sich der Verband für einen "intelligenten und effizienten Mix von verschiedenen technischen Ansätzen" aus. Derzeit könne angesichts der offenen Entwicklungspfade von Technik, Ressourcenverfügbarkeit und Preisstrukturen noch nicht abschließend abgeschätzt werden, welcher Ansatz sich in welchen Feldern durchsetze. Das bedeutet, der ZDH plädiert für "Technologieoffenheit". Die Wasserstofftechnologie hat aus Sicht des Handwerks das Potenzial, einen wichtigen Beitrag zur Erreichung der Klimaschutzziele zu leisten. "Je rascher und umfassender die Verfügbarkeit von Wasserstoff steigt, umso mehr Einsatzmöglichkeiten werden sich hierfür in den unterschiedlichsten Bereichen ergeben."

Handwerk ist ein wichtiger Multiplikator

In seiner Schnittstellenfunktion sowohl zu Privatkunden als auch zur Industrie komme dem Handwerk eine entscheidende Bedeutung bei der erfolgreichen und zeitnahen Etablierung und Anwendung von Wasserstofftechnologien zu, schreibt der ZDH. Deshalb sei es notwendig,  das Handwerk frühzeitig einzubeziehen. "Ohne Handwerk fehlt ein entscheidender Multiplikator und Umsetzer einer künftigen Wasserstoffwirtschaft", heißt es in der Denkschrift.

Einsatzfelder des Wasserstoffs können dort liegen, wo absehbar stromgeführte Lösungen nicht verfügbar oder wirtschaftlich nicht tragfähig sind. Im Mobilitätsbereich kann Wasserstoff über den Einsatz in Brennstoffzellen zum Einsatz kommen. Dies gilt beispielsweise als Antriebstechnik für schwere Nutzfahrzeuge. 

Wasserstofftechnologie: Chancen in der dezentralen Stromerzeugung

Ein weiteres potenzielles Einsatzfeld der Wasserstofftechnik sieht der ZDH bei der dezentralen Stromerzeugung in Kombination mit Solaranlagen für Einzelgebäude, Quartiere und Siedlungen. "Im Gebäudebereich ist künftig in Hinblick auf Wärme und Stromversorgung von einem Technologiemix auszugehen."

Mittelfristig werden überdies kleinere Elektrolyseanlagen marktfähig sein. Diese können komplett vom Handwerk errichtet oder sogar selbst betrieben werden, zum Beispiel in Kombinationen von Anlagen der erneuerbaren Energien (Solar/Wind) und der Elektrolyse auf eigenen Betriebsgrundstücken.

Zahlreiche Gewerke betroffen

Die Wasserstofftechnologie betrifft verschiedene Gewerke. Das Elektro- und Informationstechnisches Handwerk etwa, wenn es um die Erweiterung der Gebäudetechnik geht. Das Schornsteinfegerhandwerk bietet Kompetenzen für Kontroll- und Überwachungsaufgaben im Bereich der Wasserstofftechnik. Für die Kfz-Gewerke halten Verkauf, Wartung, Reparatur von Brennstoffzellenfahrzeugen Chancen bereit. Betroffen sind allerdings alle Gewerke mit schweren Nutzfahrzeugen und Baumaschinen sowie Industriezulieferer aus dem Handwerk wie Wäschereien. Auch bei Landmaschinen bieten sich Möglichkeiten. Anlage- und Apparatebauer könnten bei der Errichtung von komplexen Bauten für die Industrie zum Zuge kommen. Bei den Metallhandwerken bestehen zur Stahlindustrie sowie zum Maschinen- und Fahrzeugbau intensive Verflechtungen.  Der Bausektor schließlich wird zukünftig wasserstoffbasierte Mobilitäts- und Transportangebote sowie mit Wasserstoff klimaneutral erzeugte “grüne” Baustoffe, wie Beton, Mauerwerk, Stahl, nutzen, um CO2-Emissionen zu minimieren.

Förderung für kleine Unternehmen

Der ZDH spricht sich in seinem Positionspapier für Förder- und Investitionsprogramme für die kleinen und mittelständischen Betriebe des Handwerks aus, um sie bei der Überwindung von Innovationshürden zu flankieren. Angemahnt wird auch eine Unterstützung von kleinen und mittelständischen Betrieben bei der Implementierung der Wasserstofftechnik. Dazu gehört es nach Ansicht des ZDH auch, die Ausstattung von Schulungswerkstätten und Bildungszentren zu fördern, um die Möglichkeiten der Wasserstofftechnologie praxisnah vermitteln zu können. str

>>> Hier geht es zum ZDH-Positionspapier "Wasserstoff" (im PDF-Format)