Elektromobilität Das ist Europas größter Ladepark für E-Autos

Wie sich die Verkehrsinfrastruktur in den nächsten Jahren verändern wird, lässt sich an der A8 beobachten, wo Sortimo Europas größten Ladepark für E-Autos baut.

Sortimo Innovationspark
Im Sortimo Innovationspark an der A8 bei Zusmarshausen entsteht Europas größter Ladepark für Elektroautos. - © Ulrich Steudel

Direkt an der Autobahn A8 zwischen München und Stuttgart entsteht Europas größter Ladepark für Elektrofahrzeuge. Bei der Ausfahrt Zusmarshausen hat die Firma Sortimo kürzlich ihren Innovationspark eröffnet: 72 Ladepunkte, Tankstellenshop, Restaurant mit Café, Büros und Seminarräume, umhüllt von futuristischer Architektur. Das Tanken der Zukunft soll zum Erlebnis werden.

Sortimo-Geschäftsführer Reinhold Braun spricht denn auch lieber von einem Terminal als von einer Tankstelle oder Autobahnraststätte. „Wer sein E-Auto auflädt, muss immer ein bisschen warten, so wie die Passagiere am Flughafen. Für diese Zeit wollen wir Abwechslung bieten“, sagt Braun. Wie lange der Tankkunde warten muss, hängt von der Ladeleistung ab, für die er sich entscheidet.

Schnelllader von Tesla und e-Loaded

Sortimo bietet vier Tarife zwischen 35 und 280 kW mit einer Preisspanne von 35 bis 69 ct/kWh. Wer mehr zahlt muss weniger warten, maximal je­doch eine Dreiviertelstunde. Bei allen Ladepunkten kommt die DC-Technik zum Einsatz, bei der mit Gleichstrom geladen wird. Darunter sind zwölf V3-Supercharger von Tesla sowie 24 Supra-Schnelllader der Firma e-Loaded.

In der Endausbaustufe sollen auf dem 35.000 m2 großen Areal pro Tag bis zu 4.000 Elektrofahrzeuge ihre Batterien mit Strom speisen können. Abhängig von der Nachfrage kann Sortimo seinen Innovationspark um weitere 84 Ladepunkte erweitern. Bei voller Auslastung könnten nach Aussage von Geschäftsführer Braun pro Jahr 30 Millionen Liter Kraftstoff und 60.000 Tonnen CO2 eingespart werden.

Aus Sorge um Spannungsspitzen setzt Sortimo auf ein eigenes 20-kV-Gleichstrom-Netz. Strom wird unter anderem über Solarmodule auf den Dächern der gegenüberliegenden Produktionshallen gewonnen. Be­­reits heute versorgt Sortimo seinen Ladepark mit 30 bis 40 Prozent Eigenstrom. Für den restlichen Bedarf werde Öko-Strom zugekauft. Allerdings soll der Eigenanteil auf bis zu 80 Prozent gesteigert werden.

Stromnetz vor gigantischem Strukturwandel

Die Angst vor einer Überlastung des Stromnetzes ist nicht unbegründet. Denn das starke Wachstum der Elektromobilität in Deutschland wird den Strombedarf stark erhöhen. Das ergab eine Analyse des Bonner Beratungsunternehmens EUPD Research.

In den ersten acht Monaten dieses Jahres wurden mehr als 203.000 reine E-Autos zugelassen. Damit erhöhte sich der Bestand auf 512.000 Fahrzeuge. Am Jahresende könnten rund 600.000 E-Autos auf deutschen Straßen unterwegs sein. Die erforderliche Strommenge, um all diese Fahrzeuge zu laden, beziffert EUPD mit 1,3 TWh – allein für die Ladevorgänge in den heimischen Garagen. Denn die Wissenschaftler gehen davon aus, dass mehr als drei Viertel der E-Auto-Besitzer ihre Fahrzeuge zuhause laden. An öffentlichen Stationen werden nur 15 Prozent der E-Autos geladen. Der Rest erfolgt am Arbeitsplatz.

Berechnet wurde der Strombedarf für die Elektromobilität am Durchschnittswert der aktuellen E-Auto-­­Flotte in Deutschland. Er liegt nach Tests des ADAC bei 18,9 kWh je 100 km. Basis der Berechnung ist eine durchschnittliche Jahreslaufleistung von 14.000 km.

Soll die Elektromobilität ihre positive Wirkung auf den Klimaschutz voll ausspielen, muss der Strombedarf von 1,3 TWh über erneuerbare Energiequellen gedeckt werden. Dafür müssten laut EUPD Research 187.000 Ein- und Zweifamilienhäuser mit einer 7,5-kW-Photovoltaikanlage ausgestattet werden. „Wenn man bedenkt, dass in Deutschland Ende 2021 gerade einmal 1,2 Prozent des Pkw-Bestandes voll elektrisiert sind, wird einem die Dimension des erforderlichen Strukturwandels deutlich“, betont EUPD-Geschäftsführer Martin Ammon.