Energiewende Handwerk profitiert vom "grünen" Wandel

Die Arbeitswelt wird "grün". Umweltberufe haben großen Zulauf und bescheren der deutschen Wirtschaft neben Arbeitsplätzen auch ganz neue Berufsfelder. Nach Ansicht des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) könnten so in den kommenden Jahrzehnten hunderttausende neuer Jobs entstehen. Ein Wirtschaftszweig, der davon besonders profitiert, ist das Handwerk.

Jana Tashina Wörrle

Neue Arbeitsstellen, neue Aufgaben und viele Aufträge: Das Handwerk profitiert ganz besonders von der Energiewende. - © Fotolia

"Nachhaltigkeit" ist das Stichwort, dass sich immer mehr Unternehmen zum Motto für die Umgestaltung ihrer Arbeitsprozesse, Personalpolitik oder ihrer Zukunftssicherung nehmen. Sie investieren in bessere und energiesparende Maschinen oder versuchen die steigende Nachfrage nach umweltschonenden und energieeffizienten Produkten für sich zu nutzen. Gleichzeitig steigt auch der Personalbedarf in den Umweltberufen und neuen "grünen" Unternehmensbereichen. Doch hier sind nicht nur Ingenieure und Wissenschaftler gefragt, sondern auch Techniker und viele Handwerker.

Viele Branchen profitieren

Professorin Claudia Kemfert vom DIW in Berlin sieht für den "grünen" Arbeitsmarkt deshalb großes Wachstumspotenzial. "Die deutsche Wirtschaft kann wie keine andere vom Boom der dieser Branchen profitieren", sagt die Energieökonomin. Dabei meint sie sowohl den Ausbau von Energieeffizienz, Energiespeicherung und intelligenten Daten- und Energienetzen als auch die neuen innovativen Kraftwerks- und Antriebstechnologien, die in Zukunft eine immer wichtigere Rolle spielen werden.

Aber auch die klassischen Umweltschutzbranchen wie Müllverarbeitung, Recycling und Wasseraufbereitung werden der Wirtschaft dazu verhelfen, weitere Weltmarktpotentiale auszubauen. "In keinen Markt werden in den kommenden Jahrzehnten mehr Investitionen fließen als in die zukunftsweisenden Energie- und Mobilitätsmärkte", sagt Kemfert.

Und von diesen Investitionen kann auch das Handwerk in hohem Maße profitieren, wenn die einzelnen Branchen sich dem Trend öffnen und entsprechendes Fachpersonal bereitstellt. Claudia Kemfert sieht hier gute Chancen für die Betriebe, neue Aufgabenbereiche zu erschließen und langfristig zu profitieren. "Diese Jobs werden sicher sein", sagt die Ökonomin, schließlich handle es sich um stabile Zukunftsmärkte.

Die Zahlen des DIW zeigen, dass allein im Jahr 2011 im Bereich der erneuerbaren Energien 380.000 Beschäftigte tätig waren. 2020 könnten es Kemfert zufolge schon 600.000 sein. Händeringend gesucht werden nach Ansicht der Energieexpertin vor allem Handwerker und Ingenieure aus den Bereichen Service, Montage, Anlagenbau, Installation und Instandsetzung sowie Experten der Energie-und Biotechnik. Hier könnten Industriemechaniker, Mechatroniker, Fertigmechaniker, Konstruktionsmechaniker, und Kunststofftechniker neue Aufgabenfelder finden.

Private Nachfrage braucht Anreize

Doch obwohl die "grünen" Jobs vor allem vom Investitionswillen der Privatwirtschaft abhängen, hat auch die Förderbereitschaft der Bundesregierung, beispielsweise im Bereich der Gebäudesanierung und Energieeffizienzsteigerung, einen großen Einfluss auf die Chancen der Handwerksbetriebe. "Bei der Photovoltaik ist es richtig, die Fördersätze zu kürzen, da die Kosten massiv geschrumpft sind", sagt auch Claudia Kemfert. Im Bereich Gebäudesanierung bedürfe es allerdings deutlich höherer finanzieller Mittel als derzeit geplant sind, sagt die Ökonomin.

Bislang hat Deutschland bei den Techniken rund um die erneuerbaren Energien noch die Nase vorn. Aber die Konkurrenz – vor allem aus Asien schläft nicht, sie wächst genauso wie die internationalen Märkte. Da mit dem erhöhten Wettbewerb aber auch die Kosten sinken, wird die Nachfrage nach neuen "grünen" Techniken vermutlich weiter steigen. "Deutschland hat in diesen wichtigen Zukunftsmärkten noch immer eine Vorreiterrolle", sagt Kemfert. Und dieser werde mit der Energiewende weiter ausgebaut. Doch auch die Bundesregierung muss in diesem Zusammenhang ihre Rolle erfüllen und neue Anreize setzen, damit der "grüne" Zukunftsmarkt wächst. Die Entscheidung zur steuerlichen Absetzbarkeit der energetischen Gebäudesanierung könnte hier wegweisend sein.