Kommentar von Hajo Friedrich, DHZ-Korrespondent Brüssel Handwerk droht Bürokratie durch Klimastrategie der EU

Bis 2050 soll die Europäische Union klimaneutral werden. Auch Unternehmen sollen künftig offenlegen, wie nachhaltig sie sind. Dem Handwerk drohen Bürokratielasten.

Die Europäische Union fordert von Betrieben mehr Berichterstattung zur Nachhaltigkeit. - © New Africa - stock.adobe.com

Dem Handwerk droht Bürokratie durch Berichte. Das deutsche Handwerk muss sich darauf einstellen, dass Politik und Verwaltung in Brüssel immer mehr – teilweise hehre – Grundsätze aufstellen und dann auch noch in Gesetze packen. So in diesen Tagen zum Kampf gegen den Klimawandel. Die Umsetzung der EU-Vorgaben obliegt jedoch den Betrieben. Sie dürfte besonders bei Klein- und Mittelbetrieben mit erheblichen Mühen und Kosten verbunden sein. Nachhaltigkeit heißt das Zauberwort, dem sich alles – bis hin zu den Vorschriften für die Kreditvergabe – unterordnen soll.

Doch die dafür von Brüssel als erforderlich erachtete Berichterstattungspflicht droht aus Sicht vieler Betriebe ein vernünftiges Maß zu überschreiten. Deshalb beklagen europäische Mittelstandspolitiker zurecht, dass die EU-Kommission wie üblich auf Vorgaben und Verbote setzt, statt etwa auf freiwillige Selbstverpflichtungen zu setzen. Das ist eher Planwirtschaft als freie, innovative Marktwirtschaft. Kein gutes Vorzeichen für die angestrebte "Transformation" der europäischen Wirtschaft nach der durch die Pandemie ausgelösten Wirtschaftskrise.

Handwerk ist per se nachhaltig

Dabei ist das Handwerk per se nachhaltig und gehört dafür belohnt. Wer repariert, wartet, berät und ausbildet, der handelt auch ressourcenschonend und werterhaltend. Wer, wie manche Industrien, bewusst nicht reparierbare Produkte vertreibt, der wirtschaftet nicht nachhaltig. Dem mag Brüssel entgegentreten. Nachhaltig ist auch die Stärkung regionaler Wirtschaftskreisläufe. Auch da spielt das Handwerk eine zentrale Rolle. Kurz: das deutsche Handwerk darf auch hier der EU-Verwaltung nicht allein die Definitionsmacht überlassen, was für Wirtschaft und Gesellschaft gut oder schlecht ist.

"Das Handwerk ist per se nachhaltig und gehört dafür belohnt. Wer repariert, wartet, berät und ausbildet, der handelt auch ressourcenschonend und werterhaltend.“

Hajo Friedrich, DHZ-Korrespondent Brüssel

Schlimm ist, dass sich die EU-Kommission nicht nur in einer Wolke hehrer Grundsätze einnebelt. In diesen Tagen wird sie zum Klimaschutz auch ein riesiges Bündel mit Gesetzesmaßnahmen auf den Tisch legen. Darin wird sie nicht zögern, dem Handwerk bis in den Betriebsalltag hinein vorzuschreiben, was Nachhaltigkeit ist und wie sie zu verwirklichen ist.

Kurz: mit den besonderen Anliegen der KMU tut sich die Von-der- Leyen-Kommission schwer. Wie, das lässt sich auch daran ablesen, dass es ihr bis heute nicht gelungen ist, den zugesagten Posten des KMU-Beauftragten zu besetzen. So, zynisch gesagt, mag Brüssel vielleicht das Klima retten. Die Quelle unseres Wohlstands – das Wirtschaftsleben – könnte dabei aber auf der Strecke bleiben.