Energie Altmaier rechnet mit höherem Stromverbrauch bis 2030

Die schärferen Klimaziele lassen die Prognosen für den Stromverbrauch bis 2030 steigen. Was sich sonst noch in den kommenden Jahren beim Strom ändern soll.

Strommasten
BIs 2030 wird der Strombedarf in Deutschland steigen. Daher müssen unterschiedliche Stromquellen ausgebaut werden, unter anderem sollen neue Stromtrassen entstehen. - © 1307K&O - stock.adobe.com

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) geht aufgrund der verschärften Klimaziele in Deutschland und der EU bis 2030 von einem höheren Stromverbrauch aus. Nach einer ersten Einschätzung werde "der Stromverbrauch 2030 in einer Bandbreite zwischen 645 und 665 Terawattstunden" liegen, sagte Altmaier zu den vorläufigen Zahlen der vom Ministerium beauftragten Prognos AG. Dies sind rund 15 Prozent mehr als bisher angenommen. Eine genauere Berechnung soll im Herbst - möglichst noch vor den Koalitionsverhandlungen - vorgelegt werden.

Ausbau der E-Mobilität sorgt für mehr Stromnachfrage

Wie Altmaier weiter sagte, geht der erhöhte Strombedarf in Teilen auf den beschleunigten Ausbau der Elektromobilität zurück. Bis zum Jahr 2030 würde mit rund 14 Millionen E-Fahrzeugen inklusive Hybrid-Fahrzeuge gerechnet. Bisher war die Bundesregierung bis von rund zehn Millionen Fahrzeugen ausgegangen. Erhöht wird der Strombedarf auch durch die vermehrte Installation von Wärmepumpen zum Heizen. Hier geht die Prognos-AG von rund sechs Millionen Wärmepumpen bis 2030 aus.

Grüner Wasserstoff frisst ebenfalls Strom

Daneben unterstellt die Studie, dass bis 2030 rund 30 Terawattsunden Strom für die Herstellung von grünem Wasserstoff benötigt wird. "Perspektivisch wird unsere Energieversorgung im Kern auf zwei Energieträgern beruhen: auf Strom aus erneuerbaren Energien und auf Wasserstoff, der aus erneuerbar hergestelltem Strom erzeugt wird", teilte Altmaier mit. Der CDU-Politiker machte aber auch deutlich, dass Deutschland den Großteil des benötigten grünen Wasserstoffs aus anderen Ländern importieren wird.

Noch keine Haushaltsmittel für Abschaffung der EEG-Umlage

Weiter befeuert werden könnte der Strombedarf aus Erneuerbaren Energien auch durch die von verschiedenen Parteien in ihren Wahlprogrammen in Aussicht gestellte Abschaffung der EEG-Umlage. Neben der Union habe sich unter anderem auch die SPD dafür ausgesprochen, betonte Altmaier. "Leider ist im Finanzplan dafür noch kein Geld eingestellt", sagte Altmaier mit Blick auf die Haushaltsplanungen für 2022 von Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD). Entsprechendes gelte für die Netzentgelte.

Mehr Energie aus Wind und Sonne nötig

Angesichts des erhöhten Strombedarfs bis 2030 muss nach den Worten Altmaiers auch über neue Ausbaupfade für Photovoltaik und Windenergie gesprochen werden. Insbesondere beim Ausbau von Windkraft an Land sieht er großen Nachbesserungsbedarf. Künftig müsse für jedes Bundesland ein Flächenziel festgelegt werden, fordert er. Um die Installation von Photovoltaik-Anlagen zu beschleunigen, spricht sich Altmaier gegen ordnungsrechtliche Vorschriften und für Zuschüsse aus. Genauere Angaben zum Ausbau der Erneuerbaren machte Altmaier nicht. Darum wird sich die nächste Regierung kümmern müssen. Nach Ansicht von Grünen und Linken aber auch von der SPD hätte sich Altmaier hier selbst schon viel früher darum kümmern müssen.

Altmaier sieht Bedarf an weiterer Stromautobahn

Mit Blick auf den Netzausbau hält Altmaier neben den bereits geplanten und voraussichtlich bis 2028 fertiggestellten drei neuen Stromautobahnen von Norden nach Süden eine wenn nicht sogar zwei weitere Stromtrassen für nötig. Dafür müssten die Planungs- und Genehmigungsverfahren allerdings deutlich beschleunigt werden, sagte er. Von der Planung bis zur Realisierung dürften künftig höchsten acht Jahre ins Land gehen.