Konjunktur -

Jahresrückblick für die Branche Handwerk: Das Jahr 2017 in Zahlen

Diagnose: Konjunkturhoch! Die Zahlen und Statistiken für das Jahr 2017 lesen sich gut. Dennoch hatte das Handwerk auch im ablaufenden Jahr mit ein paar Herausforderungen zu kämpfen. Ein Jahresrückblick.

Das Handwerk unternahm 2017 beachtliche Anstrengungen, um den Auftragsbestand abzuarbeiten. Im Zuge dessen waren die Kapazitäten stärker ausgelastet als im Jahr zuvor. Der Nutzungsgrad erreichte 81 Prozent. Dennoch mussten Kunden, die einen Auftrag erteilten, durchschnittlich zwei Monate warten, bis die Handwerker liefern konnten. Dabei reichte die Spanne von knapp drei Wochen im Kfz-Gewerbe bis zehn Wochen im Bauhauptgewerbe.

Begleitet wurden die glänzenden ökonomischen Eckdaten von einer rekordverdächtigen Stimmung. Der Geschäftsklima-Index, den die Deutsche Handwerks Zeitung vierteljährlich veröffentlicht, kletterte um zwei auf 92 Punkte – der beste Wert in den letzten zweieinhalb Jahrzehnten.

Einen großen Sprung hätte der Umsatz machen können. Jedoch fehlten dem Jahr 2017 drei Arbeitstage im Verhältnis zum Vorjahr. Vor diesem Hintergrund ist ein Plus von 3,5 Prozent auf 568 Milliarden Euro ein beachtliches Ergebnis.

Im Sog des Konjunkturhochs wurden neue Arbeitsplätze geschaffen. Die Zahl der Beschäftigten in den amtlich registrierten Unternehmen legte 2017 um 0,6 Prozent auf 5,16 Millionen zu. Seit 2010 konnte das Handwerk sein Personal um gut 180.000 aufstocken.

Dabei wurde es immer schwerer, Fachkräfte zu finden. Unter den Arbeitslosen ist der Anteil von Personen mit mehreren Vermittlungshemmnissen inzwischen relativ hoch. Die Integration der Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt ist eine Aufgabe, die Zeit erfordert. Nicht zuletzt die Einführung der Rente mit 63 verschärfte das Problem.

Vor dem Hintergrund der angespannten Fachkräfteversorgung und voll ausgelasteter Kapazitäten stiegen die Löhne merklich an. Das machte Preisanpassungen unumgänglich. Handwerkliche Produkte und Leistungen verteuerten sich im Jahresmittel nach unseren Schätzungen um 2,3 Prozent.

Strukturwandel beschleunigt sich

Der Strukturwandel setzte und setzt dem Handwerk zu. Lebensmittel- und Bekleidungshandwerke oder auch Schreiner stehen in einem knallharten Verdrängungswettbewerb mit Massenanbietern. Oft bleibt nur der Rückzug in eine Nische, etwa die Maßanfertigung orthopädischer Schuhe. Gleichzeitig wird auch im Handwerk verstärkt mit vorgefertigten Komponenten und zugekauften Waren gearbeitet. Die Betriebe versuchen, so den Einsatz des teuren und zunehmend begrenzten Rohstoffs Arbeit zu verringern.

Die Folgen und die Chancen der Digitalisierung sind für viele Handwerker noch schwer zu durchschauen. Klar ist, dass sie den Strukturwandel erheblich beschleunigt. Allerdings gibt der aktuelle Geschäftserfolg nur wenig Anlass, die Zukunftsfähigkeit der eigenen Strategie zu hinterfragen. Immerhin: Im März 2017 gaben vier von fünf Betrieben in einer Umfrage an, sie stünden dem Thema Digitalisierung aufgeschlossen gegenüber.

Der größte Nutzen geht bislang noch von der optimierten Verteilung und Lagerung von Betriebsmitteln aus. Dank moderner Scanner werden Flächen und Volumina am Bau genauer vermessen und so Fehlbestellungen verringert. Büro- und Archiv-Software und die eigene Website bzw. das eigene Profil in sozialen Netzwerken sind aus dem Betriebsalltag nicht mehr wegzudenken. Für die Kommunikation mit den Mitarbeitern nutzen viele Chefs schon Messenger-Dienste.

Beschleunigt wird die Entwicklung jedoch vor allem durch den Kunden. Er ist elektronische Interaktion in vielen Lebensbereichen gewohnt, zum Beispiel beim Onlinekauf. Er erwartet deshalb auch digitalisierte Services im Handwerk, zum Beispiel die Möglichkeit, den Auftragsstatus in Echtzeit einzusehen.

Grenze der Akademisierung erreicht

Hörsaal statt Werkstatt – viele Eltern gaben ihren Kindern ein fragwürdiges Karriereziel vor. Die Konsequenzen liegen nun auf dem Tisch: Jeder dritte Bachelorstudent bricht das Studium vorzeitig ab, das hat eine Studie des Deutschen Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung ergeben. Der Abbruch erfolgt nach durchschnittlich fünf Semestern. Die jungen Menschen brauchen dann dringend eine berufliche Perspektive. Vier von zehn Abbrechern beginnen deshalb nach Verlassen der Hochschule eine Berufsausbildung.

Das sind eigentliche gute Nachrichten für das Handwerk; der Akademisierungstrend ist an seine Grenzen gekommen. Und doch ist der Wettbewerb um motivierte, ausbildungsreife Schulabgänger hart wie nie. Die Nachwuchsgewinnung ist für das Handwerk der wichtigste Baustein zur Fachkräftesicherung.

Die Investitionstätigkeit zieht weiter spürbar an. Für das ablaufende Jahr wird die Summe der Ausgaben für neue Maschinen, Fahrzeuge oder auch Software auf 15,9 Milliarden Euro geschätzt. Das wären 3,5 Prozent mehr als im Vorjahr.

Die Rahmenbedingungen für Investoren waren auf den ersten Blick günstig. Niedrige Zinsen, klare Verhältnisse bei der Erbschaftsteuer und die verbesserte Ertragslage rechtfertigten einen kräftigen Sprung der Investitionen. Allerdings fiel es den Betrieben zunehmend schwerer, Fachkräfte zu bekommen, die man für eine großzügige Erweiterung braucht. Zum anderen kostete das bestehende Personal deutlich mehr, wodurch Kapital gebunden wurde. Drittens meldeten gerade junge und kleine Unternehmen eine Verschlechterung des Kreditzugangs. Laut KfW liegt die Kredit­ablehnungsquote für Unternehmen mit unter fünf Beschäftigten bei 15 Prozent.

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