Krieg bremst wirtschaftliche Erholung aus Habeck: "Sind bereits weniger abhängig von russischem Gas"

Die Abhängigkeit von russischem Gas wurde laut Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck bereits um 20 Prozent reduziert. Dennoch wirkt sich der Ukraine-Krieg negativ auf die Wachstumsprognose der Bundesregierung aus. Worauf sich Verbraucher und Betriebe einstellen müssen.

Ukrainische und russische Fahne auf einer Wand
Der Ukraine-Krieg drückt die Wachstumsprognosen und kurbelt die Suche nach anderen Energiequellen an. - © mirsad - stock.adobe.com

Die Bundesregierung korrigiert angesichts des Angriffskrieges auf die Ukraine ihre Wachstumsprognose für 2022 nach unten. "Die Risiken für die Konjunktur sind deutlich", sagte Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) bei der Vorstellung der Frühjahrsprojektion. Nach zwei Jahren Corona-Pandemie kämen durch den Krieg mit Russland noch weitere Belastungen hinzu. "Energie wird auch als Waffe eingesetzt", sagte Habeck mit Blick auf die Einstellung der russischen Gaslieferungen nach Polen und Bulgarien. Die Versorgungssicherheit in Deutschland sei derzeit aber gesichert. Auch habe Deutschland seine Abhängigkeit von russischem Gas weiter deutlich reduziert.

Abhängigkeit von russischem Gas weiter gesunken

Wie Habeck sagte, ist der Anteil russischer Gaslieferungen von 55 Prozent im vergangenen Jahr mittlerweile auf 35 Prozent gesunken. Im März hatte er noch bei 40 Prozent gelegen. Auch seien die Gas-Speicher mittlerweile wieder auf dem Niveau von 2017. Wie schnell sich Deutschland vollständig von russischem Gas unabhängig machen könne, hänge auch davon ab, wie schnell die LNG-Terminals gebaut werden könnten, fügte er hinzu. Sein Ziel sei, sich möglichst schnell aus der Klammer russischer Importe zu lösen. Habeck machte allerdings auch klar, dass ein sofortiger Stopp russischer Gaslieferungen die deutsche Wirtschaft in eine Rezession treiben würde.

Energiepreise treiben Inflation auf rund sechs Prozent

Ohne Lieferstopp rechnet das Ministerium nach der aktuellen Frühjahrsprojektion mit einem Wachstum von 2,2 Prozent in diesem Jahr und einer Inflation von 6,1 Prozent. Anfang des Jahres war die Bundesregierung noch von einem Wachstum von 3,6 Prozent und einer Inflation von 3,3 Prozent ausgegangen. Dabei wird die Inflation nach den Worten Habecks vor allem durch die hohen Energie- und Lebensmittelpreise getrieben. Ähnliche Inflationsraten hätte es in Deutschland bisher nur in der Ölkrise oder kurz nach der Wiedervereinigung gegeben. Für das kommende Jahr rechnet die Bundesregierung mit einem Rückgang der Preissteigerung auf 2,8 Prozent.

Lieferketten-Probleme halten an

Dass die deutsche Wirtschaft überhaupt wachse, hängt nach Einschätzung Habecks mit der teilweisen Erholung nach der Corona-Pandemie, den vollen Auftragsbüchern und viel angesparten privaten Vermögen zusammen. Gleichzeitig seien die Lieferketten - etwa durch die noch anhaltende Corona-Pandemie in China - aber noch gestört. Wachstumsimpulse erwartet er von diversen von der Bundesregierung auf den Weg gebrachten Entlastungspaketen und Liquiditätshilfen. Ihre Effekte sollten zuerst abgewartet werden, bevor man über eine Senkungen der Mehrwertsteuer nachdenke, fügte er hinzu.