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Zum Beginn des Lehrjahres Guter Start für Azubis: 9 Tipps für Ausbilder

Das neue Lehrjahr steht vor der Tür, tausende Jugendliche starten ins Berufsleben. Damit sie sich im Ausbildungsbetrieb schnell eingewöhnen, können Ausbilder helfen. Neun Tipps für den Ausbildungsstart.

Über Erfolg und Misserfolg einer Ausbildung können die ersten Tage entscheiden. Für Azubis ändert sich mit dem Start in die Ausbildung meist das ganze Leben. Statt in der Schule zu sitzen, heißt es nun acht Stunden konzentrierte Arbeit, umgeben von oft deutlich älteren Kollegen. Daran muss man sich erst einmal gewöhnen.

Dass das nicht immer klappt, zeigen die Zahlen: Fast ein Viertel der Ausbildungsverträge werden wieder aufgelöst. Zwar ist das nicht immer gleichbedeutend mit einem Ausbildungsabbruch, das Risiko dafür steigt dann jedoch enorm. Wenn Ausbilder zu Lehrbeginn einige Dinge beachten, erleichtern sie den Lehranfängern den Start ins Berufsleben.

Vor Ausbildungsbeginn

1. Willkommensschreiben schicken

Ein Willkommensschreiben vor Ausbildungsbeginn hilft dem Azubi sich auf den ersten Arbeitstag vorzubereiten – und n immt ihm womöglich einen Teil der Nervosität. Im Schreiben sollten Hinweise zum Ablauf stehen. Wann soll der Jugendliche da sein? Was soll er mitbringen? Welche Kleidung wäre angemessen? Wo und bei wem soll er sich anmelden? Auch eine Imagebroschüre oder Produktmappe kann dem Willkommensschreiben beigelegt werden. So kann sich der Azubi schon vor seinem ersten Tag ein genaueres Bild von seinem Ausbildungsbetrieb machen und auf Fragen antworten, die Freunde und Verwandte zum neuen Arbeitgeber stellen.

2. Kennenlerntag

Alternativ oder ergänzend zum Willkommensschreiben können Ausbildungsbetriebe ihre künftigen Azubis schon ein paar Wochen vor Ausbildungsbeginn in den Betrieb einladen. Etwa zur Firmensfeier, zum Tag der offenen Tür oder zu einem kleinen Betriebsrundgang. Dabei kann auch vorgeschlagen werden, dass die Eltern ihren Sohn oder ihre Tochter begleiten dürfen, damit auch diese sich ein Bild vom Ausbildungsbetrieb machen können. Wichtig ist, dass bei einem entsprechenden Firmenevent die persönliche Betreuung des neuen Lehrlings und dessen Eltern gewährleistet ist, damit sich diese nicht verloren fühlen.

3. Willkommensmappe für Azubi erstellen

Gut ist es, eine Willkommensmappe vorzubereiten, in welcher der Lehrling alle wichtigen Informationen zum Unternehmen findet und die am ersten Tag ausgehändigt wird. Jeder profitiert davon, mehr über die Geschichte seines Ausbildungsbetriebes zu erfahren. So bekommen die Jugendlichen gleich einen Eindruck von der  Arbeitsphilosophie.

Sollten die Informationen nicht schon dem Willkommensschreiben beigelegt worden sein, kann ein Überblick über die Produktpalette und Leistungsangebote des Unternehmens in der Anfangszeit helfen, dass sich der Azubi besser zurecht findet. Spricht ein Kunde den Azubi etwa schon an den ersten Tagen an und stellt ihm Fragen zum Betrieb oder Produkten, fühlt er sich sicherer.

Organisatorisches kann in der Willkommensmappe ebenfalls verschriftlicht werden. Welche Arbeits- und Pausenzeiten gelten im Betrieb, welche Sicherheitsvorschriften müssen eingehalten werden, wie kann der Azubi einen Urlaubsantrag einreichen und welche Mittagsangebote stehen im Betrieb oder in der Umgebung zur Auswahl?

Auch weiterführende Informationen wie Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten, Sozialleistungen und Unterstützungsmöglichkeiten zum Beispiel für die Wohnungssuche können in der Willkommensmappe aufgeführt werden.

Gerade anfangs muss man sich als Neuer im Team viele Namen und Gesichter merken. Das fällt leichter, wenn man sie noch einmal nachschlagen kann. Eine Übersicht der Mitarbeiter inklusive Foto und Position bietet hier eine echte Orientierungshilfe über den Einführungstag hinaus.

4. Arbeitsplatz vorbereiten

Hat der Azubi einen eignen Arbeitsplatz, sollte dieser vorbereitet sein, wenn der Lehrling kommt. Gleiches gilt für den Spint oder E-Mail-Konten. Muss während der Arbeitszeit Arbeitsschutzkleidung getragen werden, sollte auch diese bereits bereit liegen. Auch das gibt ein Gefühl der Wertschätzung.

Am ersten Tag

5. Begrüßung ist Chefsache

In der Regel sollte immer der Chef neue Mitarbeiter willkommen heißen – das gilt auch bei Azubis. Es zeigt gleich zu Beginn der Ausbildung, dass auch die Lehrlinge wertgeschätzt werden. Der zuständige Ausbilder kann die Aufgabe übernehmen, sollte der Betriebsinhaber oder Geschäftsinhaber einmal verhindert sein.

6. Betriebsrundgang

Bevor es mit der richtigen Arbeit losgeht, sollte der Lehrling erst einmal eine Betriebsführung bekommen. So findet er sich schnell alleine zurecht und fühlt sich nicht verloren. Dabei sollte der Azubi zumindest alle für ihn wichtigen Räume sehen.

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7. Kollegen vorstellen

Die Betriebsführung ist eine gute Gelegenheit, gleich die Kollegen kennenzulernen. Vor allem sollte für den Azubi schnell klar sein, wer seine Ansprechpartner sind. Denn er muss wissen, an wen er sich mit welchen Fragen wenden kann – sonst fragt er womöglich gar nicht.

8. Wichtige Betriebsregeln erläutern

Gerade in einer neuen Umgebung geben Regeln Orientierung. Fängt man als Berufseinsteiger an einem neuen Arbeitsplatz an, gilt das umso mehr. Denn: Es ist immer unangenehm gleich zu Beginn Fehler zu machen. Azubis müssen wissen:

  • Was ist erlaubt und was wird ungern gesehen (z.B. Rauchen und Handynutzung)?
  • Was sind die Arbeitszeiten und Pausenzeiten?
  • Wem soll er Bescheid geben, wenn er krank ist?
  •  Was hat es mit dem Berichtsheft auf sich?
  • Wie ist der Ablauf in der Berufsschule?
  • Welche Sicherheitsregeln müssen eingehalten werden?

Die ausführlichen Betriebsregeln sollten Ausbilder darüber hinaus auf jeden Fall schriftlich aushändigen, etwa in der Willkommensmappe. Nachdem die organisatorischen Fragen geklärt sind, sollte dem Auszubildenden noch ein kleiner Ausblick gegeben werden, was ihn in den kommenden Tagen und Wochen erwartet. Dabei sollte auch erläutert werden, was der Azubi lernen wird, was von ihm erwartet wird und er dabei unterstützt wird.

9. Kommunikationsweise im Betrieb erläutern

Ausbilder sollten ihrem Auszubildenden so früh wie möglich klar machen, dass es sie interessiert, wie es ihm geht, wie es ihm gefällt und womit er sich eventuell schwer tut. sch

Tipps für eine gelungene Kommunikation mit dem Azubi

  • Miteinander sprechen: aktives Fragen gehört genauso dazu, wie aktives Zuhören
  • Berichtsheft als Gesprächsaufhänger nutzen
  • Konflikte direkt ansprechen: Konflikte breiten sich sonst aus und führen zu einer inneren Kündigung beim Auszubildenden
  • Azubi immer wieder loben
  • Auf Augenhöhe kommunizieren – dabei auch auf Mimik und Gestik achten.
Quelle: Handwerkskammer Schwerin: Gute Ausbildung von Anfang an
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