Neue §7a-Verbändevereinbarung Wenn der Installateur zum Elektriker wird

Die Energiewende erfordert eine immer stärkere Vernetzung der Wärme- und der Stromversorgung. Damit wird auch das gewerkeübergreifende Arbeiten wichtiger. SHK- und Elektrohandwerk haben dies in einer neuen §7a-Verbändevereinbarung dargelegt. Sie regeln damit auch die Eintragung in die Handwerksrolle mit dem jeweils anderen Gewerk. Das steckt dahinter.

Wärmepumpe
Wärmepumpen erleben einen Aufschwung und machen im SHK-Handwerk auch immer mehr Arbeiten an den Stromnetzen notwendig. - © nikomsolftwaer – stock.adobe.com

Ob bereits eine Solarpflicht greift oder nicht – kaum mehr ein Neubau von Einfamilien- oder kleinen Mehrparteienhäusern wird heute ohne eine Photovoltaik-Anlage geplant. Immer mehr Heizungen und auch die Warmwasserversorgung laufen mit Strom aus erneuerbaren Energien – Stichwort Wärmepumpe. Außerdem erfordert die vernetzte Haustechnik eine Steuerung, die unter anderem an Sanitärinstallationen gekoppelt ist. Ähnliches gilt bei einer Sektorkopplung von mehreren Gebäudekomplexen. Genau diese Tatsachen erfordern von Handwerksbetrieben ein Denken und Handeln über Grenzen des eigenen Gewerks hinaus.

Energiewende erfordert mehr gewerkeübergreifendes Arbeiten

Um dabei eine hohe Qualität der gewerkeübergreifenden Arbeiten zu sichern und auch, um eine zulassungsrechtliche Basis zu gewährleisten, haben der Zentralverband der Deutschen Elektro- und Informationstechnischen Handwerke (ZVEH) und der Zentralverband Sanitär Heizung Klima (ZVSHK) bereits im Jahr 2003 die sogenannte 7a-Verbändevereinbarung geschaffen. Diese haben sie nun überarbeitet und der steigenden Bedeutung der Energiewende und der Technologien angepasst, die sie mit sich bringt.

Beide Gewerke gehören zu den Handwerksberufen der sogenannten Anlage A und sind damit zulassungspflichtig. Einen Betrieb im SHK-Handwerk oder im Elektrohandwerk zu führen, erfordert vom Betriebsinhaber einen Meisterbrief und die Eintragung in die Handwerksrolle. Die 7a-Verbändevereinbarung macht es Betrieben beider Branchen aber dennoch möglich, gewerkeübergreifende Tätigkeiten zu übernehmen. Voraussetzung: Der betreffenden Betriebsinhaber kann die notwendigen Qualifikationen nachweisen, die für die Arbeiten nötig sind.

Gewerkeübergreifend Arbeiten mit Eintragung in die Handwerksrolle

Dann kann auch eine Eintragung in die Handwerksrolle mit dem jeweils anderen Gewerk erfolgen. Eine zweite komplette Weiterbildung zum Handwerksmeister der anderen Branche ist nicht nötig. In der Handwerksordnung heißt es dazu: "Wer ein Handwerk nach § 1 betreibt, erhält eine Ausübungsberechtigung für ein anderes Gewerbe der Anlage A oder für wesentliche Tätigkeiten dieses Gewerbes, wenn die hierfür erforderlichen Kenntnisse und Fertigkeiten nachgewiesen sind; dabei sind auch seine bisherigen beruflichen Erfahrungen und Tätigkeiten zu berücksichtigen."

Durch diese Basis kann ein sowohl ein SHK-Betrieb als auch ein Betrieb des Elektrohandwerks seinen Kunden Leistungen aus einer Hand anbieten. Die nun erfolgte Überarbeitung der Verbändevereinbarung betrifft nach Angaben des ZVSHK in erster Linie die aktualisierten fachlichen Anforderungen, die für Tätigkeiten im jeweils anderen Gewerk zu Grunde gelegt werden müssen. Sie sind nun an den aktuellen Stand der Technik angepasst.

Die Verbände weisen in einer begleitenden Erklärung allerdings auch darauf hin, dass neben dieser gewerberechtlichen Voraussetzung auch eine energierechtliche Zulassung erforderlich ist; die Eintragung in die Installateurverzeichnisse. Denn erst dies sichert, dass die Betriebe des SHK-Handwerks unter bestimmten Voraussetzungen auch an Niederspannungsnetzen der Stromversorgung arbeiten dürfen und Elektrobetriebe an Gas-Niederdrucknetzen oder der Wasserversorgung. Hierfür ist die Vorlage eines sogenannten TREI-Scheins beziehungsweise eines TGRI- und eines TRWI-Scheins notwendig. Sie werden bei der Eintragung in die Installateursverzeichnisse überprüft.

Betriebsinhaber können Erlaubnis zum gewerkeübergreifenden Arbeiten erlangen

"Schon 2003 haben die Verbände den wachsenden Bedarf gesehen, für Betriebe das Angebot aus einer Hand anzubieten. Der Trend des Zusammenwachsens von Elektro- und SHK hat seitdem beständig zugenommen"lärt dazu Frank Ebisch, der Pressesprecher des ZVSHK. Dabei betrifft die Erlaubnis des gewerkeübergreifenden Arbeitens direkt den Betriebsinhaber, denn dieser muss die Qualifikationen nachweisen und die Arbeiten als Handwerksmeister verantworten. Kann er nicht dies nicht, muss er entweder einen Betriebsleiter einstellen, der die Nachweise erbringen kann für den Rolleneintrag im anderen Gewerk. Oder er muss darauf verzichten, den Auftrag eigenständig durchzuführen und mit einem Betrieb des anderen Gewerks zusammenarbeiten.

Um es den Betrieben künftig noch etwas einfacher zu machen, arbeiten die Verbände derzeit an neuen Fortbildungsmöglichkeiten für Mitarbeiter. Dabei geht es darum, dass auch die Mitarbeiter mehr gewerkeübergreifende Arbeiten übernehmen können. "In der betrieblichen Praxis muss der Betriebsleiter immer prüfen, in welcher Weise auch ein qualifizierter Mitarbeiter das Geschäftsfeld Elektro bearbeiten kann", gibt Frank Ebisch zu bedenken aktuell für seine Branche. Doch genau dazu gebe es erste Gespräche zwischen den Verbänden über eine Elektrofortbildung für SHK-Gesellen und vice versa.