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Wie tickt mein Azubi? Generation Z: Diese 7 Fehler sollten Ausbilder vermeiden

Geld und Karriere sind ihr nicht so wichtig, dafür regelmäßiges und wertschätzendes Feedback – der richtige Umgang mit der Generation Z ist für viele Betriebe eine große Herausforderung. Worauf Ausbilder achten sollten und wie die neuen Azubis ticken, verrät Trainerin und Dozentin Lena Pilz.

Jede Generation hat ihre eigenen Werte und Wünsche. Während die Generation Y (1980 bis 1999 Geborene) gerne viel und lange arbeitet, sofern sie einen Sinn im Job sieht, gerne mal Job und Freizeit vermischt oder öfter den Arbeitgeber wechselt, sind der Generation Z (1997 bis 2012) Harmonie und Sicherheit am Arbeitsplatz wichtig, Karriere hingegen eher nicht.

Die Generation Z ist die Altersgruppe, die nun immer mehr auf den Arbeitsmarkt drängt. Ausbilder stehen vor der Herausforderung die neuen Azubis zu starken und produktiven Mitarbeitern auszubilden. Lena Pilz ist Trainerin, Coach und Dozentin und berät Unternehmen und Handwerksbetriebe bei der Ausbildung und dem Umgang mit ihren Azubis. Außerdem bietet sie gezielt Angebote für Auszubildende an, um im Dialog zu bleiben. Sie kennt die Generation Z und ihre Charakteristiken sehr gut genauso die häufigsten Fehler von Ausbildungsbetrieben.

Fehler 1: Den Azubi nicht willkommen heißen

Gleich am ersten Arbeitstag können Ausbilder sich beim neuen Azubi schon unbeliebt machen. Zum Beispiel, wenn der neue Mitarbeiter an seinen neuen Arbeitsplatz kommt und noch nichts vorbereitet ist und das Gefühl entsteht, nicht wirklich willkommen zu sein.

"Mit einem gut eingerichteten Arbeitsplatz, vielleicht sogar einem kleinen Willkommensgeschenk und Jemanden an der Seite, der während der ersten Stunden und Tage da ist, fällt der Einstieg und das Ankommen leichter", rät Lena Pilz. Das müsse nicht immer der Chef sein, diese Aufgabe kann auch ein anderer Azubi oder der Ausbilder übernehmen.

Pilz weiß aus den Gesprächen mit hren Kunden, dass Betriebe auch sehr gute Erfahrungen machen, wenn es vor dem ersten Ausbildungstag schon eine Informationsveranstaltung gibt, bei der die Azubis ihre Fragen stellen können. "So findet schon ein erstes Kennenlernen statt und der Azubi kommt gut vorbereitet und mit weniger Anspannung in das Unternehmen", sagt Pilz.

Viele Betriebe bieten inzwischen auch mit großem Erfolg Azubiwochen oder -tage an. Das heißt, bevor es richtig los geht, erfahren die Azubis alles Wichtige, können Fragen stellen und die anderen Auszubildenden besser kennen lernen. "Die Azubitage werden häufig mit einer teambildenden Maßnahme verknüpft, zum Beispiel einer GPS Tour, Klettergarten oder gemeinsam Kochen. Besonders schön ist es, wenn die Aktionen durch die älteren Azubis organisiert und begleitet werden." Wichtig sei hierbei, dass Erwartungshaltungen von beiden Seiten geklärt werden und vor allem die impliziten Regeln, die dem Ausbildungsbetrieb wichtig sind, transparent benannt und verstehbar gemacht werden.

Die Corona-Auflagen erschweren aktuell natürlich den Ausbildungseinstieg und die Begleitung der Auszubildenen. Da gilt es oft andere Wege zu finden und kreativ zu werden. "So gibt es zum Beispiel Weiterbildungen, die von Azubi und Ausbilder zeitgleich und online besucht werden und zum Austausch anregen", wie Pilz empfiehlt. Auch der tägliche Kontakt, selbst wenn dieser nur online und mit Kamera stattfinden kann, ist elementar wichtig. Bedeutend sind hier neben fachlichen Themen auch die Fragen, die Interesse an dem Auszubildenden als Mensch zeigen. "Schön ist auch die Idee, dass ältere Auszubildene die jüngeren an die Hand nehmen und zum Beispiel anhanf einer Videobotschaft willkommen heißen und als 'Paten' auch zum Beispiel per WhatsApp erreichbar sind", sagt Pilz.

Live-Interview auf Instagram

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Am 1. Oktober um 17 Uhr ist Lena Pilz live im Interview auf dem Instagram-Kanal der DHZ. Stellen Sie ihr direkt Ihre Fragen rund um das Thema "Generation Z – Wie tickt mein Azubi?".

Fehler 2: Das Feedback nicht ernst nehmen

TikTok, Instagram, Snapchat -– die Generation Z wächst als erste Generation von Klein an mit sozialen Medien auf. Die Jugendlichen sind es gewohnt, sofort Rückmeldung auf einen Post oder eine Nachricht im Chat zu erhalten. "Selbst in der Schule erhalten Schüle heute schriftliches und mündliches Feedback durch die Lehrer", so Pilz. Dieses sei viel umfassender als die Schulnoten und an persönlichen und sozialen Kompetenzen orientiert.

Diese Gewohnheiten erwarten die neuen Azubis auch im Job. "Ohne Feedback entsteht ein hohes Maß an Irritation und Mangel, da die jungen Menschen aus ihrer täglichen Kommunikation, eine sofortige Rückkopplung gewohnt sind", erklärt die Expertin. Daher sei regelmäßiges und wertschätzendes Feedback in der Ausbildung ein wichtiges Instrument, um den Azubi zu entwickeln und Selbst- und Fremdbild zu schärfen.

Fehler 3: Nicht genug Feedback geben

Die Frage, wie viel Feedback ein Ausbilder seinem Azubi geben sollte, ist pauschal schlecht zu beantworten. Die Expertin unterscheidet unterschiedliche Situationen und Arten von Feedback.

"Im Idealfall sollte ein kurzes Feedback nach der Fertigstellung einer Aufgabe erfolgen", schlägt Pilz vor. Zudem sei ein schriftliches beidseitiges Feedback am Ende eines Durchlaufs durch eine Abteilung ideal. So erhält sowohl der Azubi, als auch die Abteilung, eine Rückmeldung.

"Zusätzlich gibt es natürlich noch regelmäßige Feedbackgespräche, die im Idealfall wöchentlich stattfinden", erklärt Pilz. Hier reiche es, wenn der Ausbilder mit dem Azubi für zehn Minuten zusammensitzt, um im Gespräch zu bleiben.

Zwei bis vier Mal pro Jahr seien Entwicklungsgespräche ratsam. Hier empfiehlt die Trainerin, dass der Azubi sich schriftlich vorbereitet, sich selbst einschätzt und dieses Selbstbild im Gespräch durch den Ausbilder abgeglichen wird.

Wie gebe ich richtig Feedback?

Feedback – egal ob positiv oder negativ – sollte so aufgebaut sein, dass im Fokus eine Beobachtung oder Handlung steht, die auf Tatsachen beruht. Erst dann kann eine persönliche Bewertung erfolgen, an die ein Wunsch oder eine Aufforderung angeschlossen wird.

Statt "Du bist unzuverlässig" wäre es besser zu kommunizieren "Letzten Freitag habe ich dir eine Aufgabe gegeben, die heute noch nicht erledigt ist. Für mich ist die Fertigstellung wichtig. Bitte sag mir das nächste Mal rechtzeitig Bescheid, wenn du nicht vorankommst. Dann können wir darüber sprechen."

Fehler 4: Dem Azubi nicht auf Augenhöhe begegnen

Auch, wenn der Azubi einige Jahre jünger ist, sollten Ausbilder ihm möglichst auf Augenhöhe begegnen. Das sei den Jugendlichen der Generation Z besonders wichtig, so Pilz. Zwar wird dies in vielen Ausbildungsstätten schon gelebt, doch Pilz sieht auch noch Verbesserungsbedarf: "Ich behaupte, die meisten Betriebe sind noch weit davon entfernt zu viel zu loben, da der Satz 'Nichts gesagt ist gelobt genug' unsere Arbeitskultur prägt."

Um zu kritisieren, müssten Ausbilder auch loben. "Das verhält sich wie in einer Beziehung. Wenn ich am Anderen immer nur etwas auszusetzen habe und mich nie bedanke oder Dinge benenne, die nicht selbstverständlich sind, kippt irgendwann die Balance und jede noch so kleine Kritik bringt das Fass zum überlaufen", so Pilz.

Die Trainerin erlebt oft, dass Azubis einfach kündigen, wenn sie zu viel Kritik erfahren. Die junge Generation sei hier sensibler geworden – auch wenn der Wunsch nach Lob und Anerkennung auch bei den anderen Generationen vorhanden ist.

Dem Azubi auf Augenhöhe zu begegnen bedeutet auch selbst Feedback anzunehmen. Das motiviert die Mitarbeiter und hilft dem Betrieb noch erfolgreicher zu werden. Feedback dient also nicht nur der gegenseitigen Entwicklung, sondern zahlt auch ganz aktiv in die Beziehung zwischen Arbeitgeber und Auszubildenden ein.

Fehler 5: Dem Azubi nicht erklären, warum er eine Aufgabe ausführen soll

Ausbilder, die ihren Azubis eine neue Aufgabe erklären oder anderes Wissen über den Beruf näherbringen wollen, haben dafür unterschiedliche Möglichkeiten. Damit das neue Wissen gut aufgenommen wird, sollte eine wichtige Sache berücksichtigt werden: "Die Azubis wollen wissen 'Was bringt mir das?'", sagt Pilz. Wenn sie vor der Aufgabe wissen, warum es wichtig ist, dass sie einen Schritt so oder anders ausführen, sei die Akzeptanz viel größer.

Ausbilder können außerdem auf schon vorhandenes Wissen aufbauen. Daher bietet es sich an vor der Unterweisung zu fragen, was der Azubi schon über die Aufgabe weiß und ihn auch im Vorfeld zu dem Thema recherchieren zu lassen. Auf diese Art kann sich das Gehirn viel besser auf die kommenden Inhalte einstellen. Für die Vermittlung der Aufgabe können Ausbilder, laut Pilz, auf die bewährte 4-Stufen-Methode zurückgreifen.

Fehler 6: Einen befristeten Arbeitsvertrag und flexible Arbeitszeiten anbieten

Die Generation Z ist keine einfache Weiterführung der Generation Babyboomer, X und Y, sondern eine eigenständige Generation mit einem spezifischen Wertesystem. Sicherheit ist zum Beispiel ein wichtiger Wert für die Altersgruppe. "Laut einer Befragung von Audi aus dem Jahr 2017 mit rund 5.000 Teilnehmern würden 48 Prozent der Befragten aus der Generation Z gerne ihr ganzes Arbeitsleben bei einem Arbeitgeber verbringen. Ein unbefristeter Arbeitsvertrag hat also eine sehr hohe Priorität", so die Trainerin.

Auf der anderen Seite bevorzugt die Generation eine strikte Trennung zwischen Arbeit und Privateben. Die neuen Azubis bevorzugen es innerhalb eines bestehenden und geregelten Rahmens flexibel zu arbeiten. Homeoffice steht nicht an erster Stelle – auch wenn dies seit Corona in immer mehr Unternehmen ausprobiert wird.

Fehler 7: Karriere und viel Geld anbieten

Neben Sicherheit spielen auch andere Werte eine große Rolle im Berufsleben. "Generationenforscher Christian Scholz, stellt fest, dass die Generation realistischer geworden ist und sich für ihr Unternehmen nicht mehr aufopfert. Das zeigt sich auch an der sinkenden Bereitschaft eine Führungsrolle zu übernehmen", erklärt Pilz. Laut Scholz ist die Generation außerdem dazu fähig Nein zu sagen und tue dies auch. Was dazu führen könnte, dass das Thema Burnout vielleicht für diese Generation nicht mehr so einen großen Stellenwert hat, schätzt Pilz.

"Dieser Hang zum Realismus lehrt auch die Luxusbranche das Fürchten", sagt die Trainerin. Immaterielle Werte wie Freiheit, Freizeit und Erlebnisse haben nach einer Befragung von EY, Inlux und Keylens einen viel höheren Stellenwert als materielle Statussymbole. Werte, die der Generation außerdem wichtig sind, sind Respekt und Wertschätzung durch den Vorgesetzen und Harmonie am Arbeitsplatz.

Lese-Tipp: >> Weitere Infos und Tipps für Ausbilder gibt es in unserer Rubrik "Für Ausbilder" <<

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