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Qualität in der Ausbildung 7 Tipps für Gesellen, die Auszubildende anleiten

In vielen Ausbildungsbetrieben betreuen neben Meistern auch Gesellen Lehrlinge. Eine verantwortungsvolle Aufgabe, denn von ihrem Einsatz hängt im Wesentlichen der Ausbildungserfolg ab. 7 Tipps helfen, die Qualität in der Ausbildung zu steigern.

Tipp 1: Freundlicher und kollegialer Umgang

Ein Lehrling ist ein Kollege – diesen Grundsatz sollten ausbildungsverantwortliche Gesellen stets beherzigen und dem Auszubildenden stets aufgeschlossen und vorurteilsfrei gegenüber treten. Auf diese Weise können sie eine angenehme Atmosphäre und damit eine gute Lernumgebung schaffen. Wichtig ist zudem, sich bewusst zu machen, dass der Lehrling als junger Mensch meist seine ersten Erfahrungen in der Arbeitswelt macht und dort erst einmal ankommen muss.

Tipp 2: Sachliche und faire Bewertung seiner Leistung

Ausbildungsverantwortliche Gesellen tragen große Verantwortung, denn von ihrer Einschätzung hängt ab, ob ein Lehrling nach der Probezeit weiterbeschäftigt oder nach Ende der Lehrzeit in ein festes Arbeitsverhältnis übernommen wird. Insofern sollten sie die Leistung des Auszubildenden stets nach objektiven Grundsätzen beurteilen. Das bedeutet, der persönlichen Entwicklung und dem aktuellen Leistungsstand des Lehrlings angemessen. Bei der Beurteilung berücksichtigt werden sollte auch immer der Zeitpunkt, an dem sich der Auszubildende in seiner Lehre befindet. Denn ein Auszubildender muss am Ende des 1. Lehrjahres noch keine Dinge können, die erst im 3. Lehrjahr vermittelt werden.

Tipp 3: Auswahl der richtigen Lehrmethode

Es gibt Menschen, die lernen am besten durch Zuschauen. Andere durch Zuhören oder indem sie Fragen stellen. Und wieder andere, indem sie selbst ausprobieren. Diesen unterschiedlichen Lerntypen wird die so genannte “4-Stufen-Methode“ gerecht. Sie eignet sich besonders gut für die Wissensvermittlung im Handwerk und wird auf diese Weise durchgeführt:
Stufe 1: Der Geselle bereitet den Arbeitsgang vor, indem er Materialien bereitlegt und das Lernziel nennt. Dabei hört der Lehrling aufmerksam zu und kann Fragen stellen.
Stufe 2: Der Ausbilder zeigt dem Auszubildenden schrittweise, wie es gemacht wird. Jeder Arbeitsschritt sollte dabei erklärt und begründet werden. Auch hier Raum für Nachfragen des Lehrlings schaffen.
Stufe 3: Nun führt der Lehrling den Arbeitsgang aus und erklärt, was er warum macht. Der ausbildende Geselle hört zu, korrigiert und stellt Kontrollfragen.
Stufe 4 heißt üben und festigen. Das bedeutet, der Lehrling führt den neuen Arbeitsgang weitere Male aus, um mehr Sicherheit zu gewinnen. Der betreuende Geselle kontrolliert das Ergebnis, lobt oder übt konstruktive Kritik.

Tipp 4: Fördern und Fordern

Jeder Lehrling bringt unterschiedliche Voraussetzungen mit, denen die Ausbildung gerecht werden muss. So kann ein Abiturient mehr gefordert werden als ein schwächerer Bewerber, etwa indem er schon früh eigene Aufgabenbereiche übertragen bekommt. Umgekehrt müssen Gesellen auch erkennen, in welchen Punkten der Auszubildende einer besonderen Förderung bedarf. Hier ist beispielsweise auch die Bereitschaft wichtig, extra Lerneinheiten mit dem Azubi einzulegen. Ziel sollte es immer sein, einen leistungsstärkeren Lehrling nicht zu unterfordern und den schwächeren nicht zu überfordern.

Tipp 5: Kooperativer Führungsstil

Die Zeiten, in denen der Auszubildende nur fürs Kaffeekochen und Brotzeitholen zuständig ist, sind längst vorbei. Ausbildender Geselle und Lehrling sollten sich als Partner verstehen, deren gemeinsames Ziel es ist, die Ausbildung erfolgreich durchzuführen und zu beenden. Dieser kooperative Führungsstil zeichnet sich durch Toleranz und Geradlinigkeit aus. Das heißt: Der Ausbilder sollte immer offen und ehrlich mit dem Lehrling kommunizieren, ein offenes Ohr bei Problemen haben und dessen Meinung akzeptieren. Gleichzeitig sollten Lernziele konkret formuliert und geradlinig verfolgt werden.

Tipp 6: Als Motivator auftreten, loben und anerkennen

Motivation ist das A und O, wenn die Ausbildung erfolgreich absolviert werden soll. Gesellen sollten Auszubildenden deshalb regelmäßig Lob und Anerkennung aussprechen. Bei Misserfolg ist es wichtig, den Auszubildenden wieder aufzurichten. Motivierend wirkt auch, das gemeinsame Ziel immer wieder zu kommunizieren, etwa mit Sätzen wie „Wir schaffen eine gute Prüfung“.

Tipp 7: Konstruktive Kritik anbringen und Hilfe anbieten

Fehler passieren. Und ein weiterer Fehler wäre es, in diesem Fall laut gegenüber des Lehrlings zu werden. Richtig ist es, das Versagen gemeinsam zu analysieren und aufzuarbeiten und Hilfe anzubieten.



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