Obwohl Deutschland seit Jahren an der Energiewende arbeitet, werden die selbstgesteckten Ziele bei der Energieeinsparung verfehlt. Eine Studie zeigt nun, dass Deutschland dadurch Milliarden verschenkt – im Handwerk könnten tausende neue Jobs entstehen.

Deutschland schwächelt bei der Energieeffizienz. Eigentlich sollte der Verbrauch an Primärenergie bis 2020 um 20 Prozent und bis 2050 um 50 Prozent sinken. Das sieht das Energiekonzept der Bundesregierung aus dem Jahr 2010 vor. Um die Ziele zu erreichen, sollte die Energieproduktivität jährlich um 2,1 Prozent steigen. Doch Deutschland hinkt hinterher und kann die selbstgesteckten Ziele nicht einhalten. Schon seit dem Jahr 2000 liegt die durchschnittliche Steigerung bei nur 1,3 Prozent.
Trotz Energiewende wird bislang zu wenig in die Energieeffizienz investiert – und dabei werden Milliarden Euro verschenkt. Berechnungen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) zeigen laut Spiegel Online, dass das Wirtschaftswachstum um ein halbes Prozent und die Zahl der Arbeitsplätze um rund 30.000 steigen könnten, wenn sich Deutschland an die Einsparziele halten würde.
Neue Jobs im Handwerk
Viele neue Jobs würden im Handwerk und in Zulieferbetrieben entstehen, die im Bereich der energetischen Gebäudesanierung arbeiten. Denn genau hier liegt ein großes Potenzial. Raumwärme und Warmwasser machten allein im Jahr 2011 gemeinsam über 30 Prozent des gesamten Endenergieverbrauchs aus. Das DIW hat ermitteln, welche volkswirtschaftlichen Effekte erzielt worden wären, wenn Deutschland seine Ziele eingehalten hätte – darunter auch eine Sanierungsrate von zwei Prozent jährlich des Gebäudebestands. Derzeit liegt diese Rate allerdings nur bei etwa einem Prozent.
Bei einer Verdopplung der Gebäudesanierungsrate und dem Ausbau weiterer Energieeffizienzmaßnahmen könnte Deutschland Gebäudesanierung könnte mehr Jobs und hohe Einnahmen bringen laut Spiegel Online 46,5 Milliarden Euro mehr an Energiekosten einsparen. 32 Milliarden Euro würde allein die Gebäudesanierung ausmachen. Die Basis für die Berechnungen bilden die Preise des Jahres 2000.
Das höhere Wirtschaftswachstum wird allerdings nicht nur durch die direkten Einsparungen erreicht, sondern auch durch die Investitionen und die daraus entstehenden Umsätze der Wirtschaft und die Effekte auf den Arbeitsmarkt. Zwar müssten Gebäudebesitzer, Unternehmen und der Staat erst einmal investieren, um die Energieeffizienzsteigerungen zu erreichen, doch auf lange Sicht würde sich jeder investierte Euro volkswirtschaftlich lohnen.
Ab 2050 mehr Einsparung als Ausgaben
Im Szenario, das das DIW berechnet hat, würden im Jahr 2020 die Investitionen bei 11,6 Milliarden liegen und 10,2 Milliarden Euro eingesparter Energiekosten gegenüberstehen. Im Jahr 2030 würden den Investitionen von 13,8 Milliarden Euro schon Einsparungen von 20,4 Milliarden entsprechen. 2050 wären es bereits 18,7 Milliarden Euro an Ausgaben, auf die 46,5 Milliarden Euro an Einsparungen kommen würden.
Wichtige Voraussetzung ist jedoch, dass Deutschland seine Anstrengungen beim Energiesparen erhöht und die ursprünglichen Ziele wieder ernster nimmt – und das, obwohl die EU-Kommission gerade dagegen arbeitet. Sie ist gerade dabei die Klimapolitik der nächsten Jahre festzulegen und könnte den Gesetzesentwürfen zufolge, die Vorgaben für die Senkung des Kohlendioxid-Ausstoßes von 40 Prozent auf 35 Prozent herabsetzen. Das würde wiederum den Druck auf die einzelnen Staaten verringern, mehr für die Energieeinsparung zu tun. jtw