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November-Lockdown Gastronomie zu: Wie das Lebensmittelhandwerk betroffen ist

Cafés und Restaurants zu, Veranstaltungen abgesagt – die Gastro-Szene spürt die neuen Maßnahmen besonders. Im Handwerk wirkt sich der erneute Corona-Lockdown vor allem auf Bäcker, Konditoren, Metzger, Brauer und Speiseeishersteller aus. Ein Überblick.

Seit dem 2. November sind zum zweiten Mal dieses Jahr alle Restaurants, Bars, Kneippen, Cafés und Clubs zu. Auch öffentliche Veranstaltungen sind verboten. Das hat auch Folgen für viele Unternehmer im Lebensmittelhandwerk. In den kommenden Wochen dürfen viele Handwerksbetriebe keine Feiern mehr mit Speisen und Getränken versorgen oder ihre Cafés und angrenzenden Gaststätten nicht öffnen. Die DHZ hat in der Branche nachgefragt, was das für die Betriebe bedeutet.

Bäcker

Der Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks rechnet damit, dass sich die wirtschaftlichen Probleme vieler Betriebe mit dem zweiten Lockdown verschärfen werden. "Für viele Bäcker ist das Café- und Snackgeschäft ein wichtiges Standbein, das nun erneut vollständig wegbricht und Umsatzeinbußen je nach Betriebskonzept von bis zu 90 Prozent zur Folge hat", meint Michael Wippler, Präsident des Bäckerverbands. Viele Betriebe hätten massiv in Hygieneschutzmaßnahmen investiert, entsprechende Arbeits- und Verkaufskonzepte aufgestellt und sich vorbildlich verhalten. Die vergangenen Monate hätten daher gezeigt, dass von Bäckereicafés kaum eine Infektionsgefahr ausgehe. Statt nach dem Rasenmäher-Prinzip vorzugehen und alle gastronomischen Einrichtungen zu schließen, hätte man sich stärker auf die für das Infektionsgeschehen verantwortlichen neuralgischen Punkte konzentrieren sollen, so Wippler.

"Der angebliche Lockdown light trifft die Falschen", ist auch Daniel Schneider, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbandes, überzeugt. Zwar unterstütze der Zentralverband jegliche wirkungsvollen Maßnahmen, um die zweite Infektionswelle zu brechen und die Corona-Pandemie nachhaltig einzudämmen, doch die gestern beschlossenen Maßnahmen seien unangemessen und nicht verhältnismäßig. Der Verband werde prüfen, ob eine gerichtliche Prüfung sinnvoll und möglich erscheint, kündigt Schneider an.

Der Verband hatte in den vergangenen Monaten gefordert, die Gesundheitsämter und Ordnungsbehörden personell zu stärken, um Infektionsketten nachvollziehbar zu machen, die Einhaltung der Corona-Regeln stärker zu kontrollieren und Verstöße konsequent zu bestrafen. Zudem wäre Zeit gewesen, eine umfassende Informations- und Motivationskampagne zu starten, um die teilweise zu beobachtende Sorglosigkeit und das Fehlverhalten einiger Bevölkerungsgruppen rechtzeitig zu stoppen, so der Verband.

Die zugesagte Soforthilfe des Bundes begrüßt der Zentralverband zwar, denn nur so können die erlittenen Umsatzverluste ein Stück weit abgefedert werden. Allerdings bleibt zu befürchten, dass diese Hilfe nicht alle Betriebe erreicht und sie nicht ausreichen könnten, um ein wirtschaftliche Schieflage zu vermeiden.

Konditoren

"Der 28. Oktober war ein harter und bitterer Tag für alle Konditorei-Café-Betriebe im Konditorenhandwerk", sagt Julia Gustavus, Hauptgeschäftsführerin beim Deutschen Konditorenbund. Die Betriebe im Konditorenhandwerk seien enttäuscht, dass die enormen Anstrengungen und Investitionen über die vergangenen Monate, mit klugen Hygiene- und Nachverfolgungskonzepten MitarbeiterInnen, Kunden und Cafégästen Sicherheit zu geben, nicht deutlich mehr Anerkennung gefunden hätten. "Unsere Handwerksbetriebe sind Meister des guten Geschmacks, aber keine Pandemiebeschleuniger", so Gustavus. Das Konditorenhandwerk hätte sich von der Politik differenzierte Lösungen gewünscht, aber stattdessen pauschale Verbote für die Konditorei-Cafés erhalten.

Wie der Verband anmerkt, sei es nicht nur der Konditorei-Café-Lockdown, der die Betriebe unmittelbar treffen wird. "Im November beginnt normalerweise das Weihnachtsgeschäft, die Hochsaison für den Außer-Haus Verkauf. Die strengen Beschränkungen für die Bürger werden dazu führen, dass das Leben rund um die Konditoreien in weiten Teilen wieder stillstehen wird", sagt Gustavus. Die traditionellen vorweihnachtlichen Veranstaltungen von Firmen, Vereinen, privaten Gruppen etc. würden im November nicht stattfinden. Und ob Unternehmen für ihre Kundenpräsente die süßen Köstlichkeiten der Konditoreien bestellen werden, sei mehr als fraglich.

Die wirtschaftliche Situation vieler Betriebe sei aktuell bereits schlecht und werde sich durch den Lockwdown weiter verschlechtern. Laut Verband habe sich die Branche seit dem Frühjahr noch nicht erholt und sei von den Normalumsätzen weit entfernt. Da viele Betriebe jetzt keine Rücklagen mehr hätten, seien die von Bund und Ländern aufgelegten Soforthilfeprogramme und das Kurzarbeitergeld nicht ausreichend, um die gesamte Liquiditätslücke zu schließen. Nun müssten wieder Mitarbeiter in die Kurzarbeit geschickt werden.

In welchem Umfang und mit welcher Kraft das Konditorenhandwerk von den ab 2. November geltenden Einschränkungen getroffen wird, werde auch davon abhängen, wie zeitnah das angekündigte Unterstützungspaket für die Umsatzausfälle und die geplante Überbrückungshilfe III zur Verfügung stehen wird. Der Verband appelliert außerdem an die Politik nach dem Lockdown andere Lösungskonzepte zu entwickeln. "Mit der Befristung der Einschränkungen auf Ende November soll den Betrieben eine Planungssicherheit gegeben werden. Sie bleibt aber trügerisch, wenn die Politik es nicht kurzfristig schafft, differenzierte Lösungen für die Zeit danach aufzuzeigen", so Gustavus.

Speiseeishersteller

"Für viele Speiseeishersteller war der Lockdown im Frühjahr katastrophal" sagt Annalisa Carnio, Sprecherin von Uniteis, dem Verband der Speiseeishersteller. Vor allem die unterschiedlichen Regelungen in den Bundesländern hatten damals für viel Unmut gesorgt. "In einigen Bundesländern war immerhin noch der Straßenverkauf erlaubt, in andern aber nicht", sagt Carnio. Besonders hart habe es die großen Eisdielen getroffen. "Hohe Mieten, Personalkosten, Nebenkosten wie Strom und Wasser sind hier höher als in den kleinen Betrieben. Eisdielen mit zum Beispiel 300 Sitzplätzen hatten es schwer den fehlenden Umsatz zu kompensieren", erklärt Carnio. Die kleinen Eisdielen hätten sich hingegen ganz gut geschlagen. Mit Selbstabholung oder Straßenverkauf hätten viele Besitzer ihren Laden am Laufen gehalten

Für den Lockdown im November rechnet der Verband nicht mit so drastischen Folgen wie im Frühjahr. Im November endet für gewöhnlich die Eissaison. Viele Betriebe schließen, führen dann Renovierungsarbeiten durch oder die Inhaber fahren für die Wintermonate nach Italien, so der Verband. Aber nicht alle Betriebe sind geschlossen. "Aufgrund der schlechten Saison im Frühjahr 2020 hatten sich einige Eiscafés darauf eingestellt länger zu öffnen und die schlechten Umsätze wieder gut zu machen", berichtet Carnio. Wie in der restlichen Gastronomie auch, haben die Eisdielen Hygienekonzepte erarbeitet und für ausreichend Abstand der Gäste gesorgt. Aber auch sie müssen jetzt schließen. "Viele dieser Eisdielenbesitzer sind nun verzweifelt", sagt Carnio. "Wir hoffen jetzt alle auf das Frühjahr 2021 und einen guten Start, auch wenn das Virus uns dann noch beschäftigen wird."

Metzger

Für das Fleischerhandwerk werde sich, wie schon im Frühjahr, ein sehr gemischtes Bild ergeben, berichtet der Zentralverband des Fleischerhandwerks. "Unsere Betriebe sind relativ heterogen strukturiert und daher sehr unterschiedlich betroffen", sagt Reinhard von Stoutz, Teil der Geschäftsleitung des Deutschen Fleischer-Verbands (DFV).

Aktuell hätten die meisten klassischen Fleischer-Fachgeschäfte stabile bis steigende Umsätze zu verzeichnen. "Über alle Geschäfte und Geschäftszweige hinweg gehen wir derzeit von etwa normalen Umsatzentwicklungen bei starken Ausschlagen nach oben und unten aus", so von Stoutz. Wenn Kantinen und Restaurants geschlossen haben oder nur eingeschränkt tätig sind, würden viele Kunden verstärkt im Fachgeschäft kaufen, erklärt der Zentralverband.

Aber auch, wenn die Metzgereien an sich geöffnet bleiben dürfen, betreffen die Beschlüsse einen großen Teil der Metzgereien trotzdem. Der Bayrische Metzgerverband listet hierzu einige Beispiele auf: Metzgereien, die im Partyservice oder Eventmanagement, der Belieferung von Hotels bzw. Gastronomiebetrieben oder im eigenen Imbissgeschäft mit einem Verzehr vor Ort tätig sind. Das Verbot von Veranstaltungen werde ebenfalls für Verluste sorgen, da die kulinarische Umrahmung von Hochzeiten, Feiern oder andere Events zu einem großen Teil von Metzgereien gestaltet wird.

"Für diese Betriebe werden nun wieder harte Einschnitte folgen. Das gut gehende Ladengeschäft wird diese Umsatzausfälle nicht im Ansatz kompensieren," sagt Lars Bubnick Geschäftsführer des Landesinnungsverbands für das bayerische Fleischerhandwerk. "Wir hoffen, dass die Beschränkungen dann auch schnellstmöglich wieder aufgehoben werden. Je nachdem, wie es das Infektionsgeschehen zulässt. Und wir hoffen, dass die Staatshilfen unkompliziert und möglichst unbürokratisch an die betroffenen Betriebe, egal aus welcher Branche, ausbezahlt werden", so Bubnick weiter.

Ein wenig Hoffnung äußert der DFV trotzdem mit Blick auf den zweiten Lockdown. Im Unterschied zum Frühjahr hätten sich die Geschäfte gut auf die Entwicklungen vorbereiten können. "Es gibt zum Beispiel Lieferservices und digitale Angebote. Zudem hoffen wir, dass die Geschäfte, die in Innenstadtlagen verkaufen, nicht die gleichen Einbrüche haben, wie im Frühjahr, als es den Lockdown für den Einzelhandel gab", so von Stoutz.

Brauer

Beim Brauerbund zeigt man zwar Verständnis, dass der Staat auf die aktuelle Bedrohung durch die Corna-Pandemie reagieren muss, aber der Verband befürchtet massive Belastungen für die mehr als 1.500 überwiegend mittelständischen und handwerklichen Betrieben. "Der Frust, die Wut und die Enttäuschung sitzen tief. Und auch die Perspektivlosigkeit", sagt Holger Eichele, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Brauer-Bundes (DBB).

Je stärker Brauereien von Gastronomie und Veranstaltungen abhängig sind, desto höher sei der wirtschaftliche Schaden. In einzelnen Brauereien waren die Umsätze laut DBB beim ersten Lockdown existenzbedrohend um bis zu 70, 80 Prozent zurückgegangen. "Dieses Szenario droht sich nun zu wiederholen. Um es klar zu sagen: Ohne wirksame staatliche Hilfen werden wir eine Pleitewelle enormen Ausmaßes erleben – bei Gaststätten und Hotels, aber auch bei vielen Herstellern und Zulieferern, die fast vollständig von der Gastro-Branche abhängig sind", sagt Eichele.

Die Braubranche durchlebe das bislang schwierigste Jahr seit vielen Jahrzehnten. Wenngleich statistisch betrachtet der Bierabsatz in den letzten Wochen aufgrund des guten Wetters und des soliden Handelsgeschäftes insgesamt nicht ganz so dramatisch eingebrochen sei wie befürchtet, erreichten die Umsatzverluste in den Unternehmen ganz andere Dimensionen.

Auch in dieser Branche zeigt sich ein gemischtes Bild. Brauereien, die ihre Biere hauptsächlich über den Handel absetzen oder in den Sommermonaten sehr stark vom Inlandstourismus profitieren konnten, kämen besser durch die Krise. Sehr viele Brauereien seien aber auch seit Generationen eng mit der Gastronomie und dem Festgeschäft verbunden. "Für diese Betriebe ist der zweite Lockdown ein schwerer Schlag", so Eichele.

"Ich finde, wenn der Staat mit Blick auf das Gemeinwesen gezielt einen einzelnen Wirtschaftsbereich besonderen Belastungen aussetzt, dann steht er in der Pflicht, die betroffenen Betriebe und Mitarbeiter auch besonders zu unterstützen", sagt Eichele. Die angekündigten Hilfen müssten nun sehr schnell und unbürokratisch auf den Weg gebracht werden.

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