Ausbildungsplatzgarantie Garantierte Ausbildung: Juso-Forderung trifft auf Kritik

Die Jugendorganisation der SPD fordert eine Ausbildungsplatzgarantie im neuen Koalitionsvertrag. Der Sächsische Handwerkstag findet die Forderung geradezu grotesk. Damit würde das bewährte duale Ausbildungssystem ausgehöhlt.

Handwerker
Jeder Jugendliche soll einen staatlich garantierten Ausbildungsplatz erhalten, fordern die Jusos. Die Betriebe sollen dafür in einen Fonds einzahlen. - © areebarbar - stock.adobe.com

Die Jugendorganisation der SPD (Jusos) pochen darauf, in einer Ampelkoalition aus SPD, Grünen und FDP müsse es auf jeden Fall eine Ausbildungsplatzgarantie geben. Wie Juso-Bundesvorstandsmitglied Philipp Türmer am 30. Oktober in einem Spiegel-Interview wissen ließ, will die SPD-Jugendorganisation im Koalitionsvertrag der neuen Regierung auf jeden Fall eine umlagefinanzierte Ausbildungsplatzgarantie festschreiben.

Auch Juso-Chefin Jessica Rosenthal hatte diese Forderung bereits am 16. Oktober geäußert. "Wer sich Fortschritt auf die Fahne schreibt, muss endlich starke Antworten für junge Menschen in diesem Land haben und das heißt: eine garantierte Ausbildung für jede und jeden", sagte sie dem Redaktions Netzwerk Deutschland (RND).

Gedacht ist an ein System, in dem zunächst alle Betriebe in einen Fonds einzahlen, aus dem dann im Rahmen der Berufsausbildung unterschiedliche Programme finanziert werden sollen – darunter eine Ausbildung, die komplett in den Berufsschulen angesiedelt ist.

Kritik: Vorschlag löst Nachwuchsmangel im Handwerk nicht

Der Sächsische Handwerkstag kritisiert diesen Vorschlag. "Wir können uns ob solcher Forderungen nur verwundert die Augen reiben", sagte Jörg Dittrich, Präsident des Sächsischen Handwerkstags am 1. November.

Auch die Jusos müssten wissen, dass Kleinst- und Kleinunternehmen aus Handwerk und Mittelstand deutschlandweit seit Jahren zigtausende Lehrstellen nicht besetzen könnten, eben weil es nicht genügend Bewerber gebe. "Wir sind glücklich über jeden eigens erfolgreich ausgebildeten Azubi und tun alles, damit dieser unserer Belegschaft auf Dauer die Treue hält", so Dittrich weiter.

Die Forderung der Jusos sei geradezu grotesk. Mit der Fixierung auf ausschließlich staatliche Berufsschulangebote würden die Jusos sich dafür aussprechen, die bewährte duale Berufsausbildung auszuhöhlen.

"Es wäre ein Unding, wenn staatlich organisierte Berufsschulen mit Unternehmergeldern um Azubis werben, die wir in den Unternehmen so dringend brauchen", kritisierte Dittrich.

DGB sieht Österreich als Vorbild

Der Vorschlag einer staatlich garantierten Ausbildung ist indes nicht neu. Auch der Deutsche Gewerkschaftsbund hatte sich immer wieder für eine solche Ausbildungsplatzgarantie ausgesprochen. Zuletzt im August dieses Jahres, angesichts der erneut gesunkenen Ausbildungszahlen.

"Es zerreißt unsere Gesellschaft, wenn mehr als zwei Millionen junge Menschen keine Ausbildung finden und gleichzeitig Betriebe über unbesetzte Ausbildungsplätze klagen", sagte die stellvertretende DGB-Vorsitzende Elke Hannack im August der Deutschen Presse-Agentur.

Eine Ausbildungsgarantie nach dem Vorbild Österreichs, die allen Jugendlichen den Einstieg ins erste Ausbildungsjahr sichere, sei für einen neuen Koalitionsvertrag ein Muss. In Österreich wird allen Jugendlichen, die keine Lehrstelle in einem Betrieb finden, ein außerbetrieblicher Ausbildungsplatz zugesichert.

Hannack sprach von einer "tiefen Krise" auf dem Ausbildungsmarkt. Angebot und Nachfrage seien zeitgleich drastisch eingebrochen. "Wir können es uns nicht länger leisten, insbesondere Jugendliche mit Hauptschulabschluss und aus Einwandererfamilien ohne Ausbildung zu lassen."

Mit Inhalten aus dpa