Aus Sicht der DHZ-Leser Nachwuchsmangel im Handwerk: Wer ist schuld?

Die Politik, die "Jugend von heute" oder das Handwerk selbst? Unter einem Facebook-Beitrag der Deutschen Handwerks Zeitung diskutierten Handwerker darüber, wer die Verantwortung für den Fachkräftemangel trägt. Die spannenden Antworten im Überblick.

Wie sehr das Thema Nachwuchsmangel die DHZ-Leser beschäftigt, war unter einem Post auf der Facebook-Seite der Deutschen Handwerks Zeitung deutlich erkennbar. - © Joao - stock.adobe.com

Über den Nachwuchsmangel im Handwerk ist viel geschrieben worden. Selten kommen dabei Menschen zu Wort, die damit täglich Erfahrungen machen. 

In einem mehr als 80-Kommentar-starken Wortgefecht unter einem Facebook-Beitrag der Deutschen Handwerks Zeitung (DHZ) zum Thema Nachwuchsmangel haben sich Leser aus den unterschiedlichsten Gewerken ausgetauscht.  

Wertschätzung und Bezahlung

Der am häufigsten genannte Grund für den Nachwuchsmangel wird beispielsweise von DHZ-Leser Emanuel B. Pirkl angesprochen. Er schreibt, dass es immer die Bezahlung und die Arbeitsbedingungen seien, wenn "über Arbeitskräftemangel geheult wird".  

"Es liegt am Image und der schlechten Bezahlung", schreibt auch Mehmet Korkmaz. Er macht den Zuzug von Arbeitern aus Billiglohnländern innerhalb der EU dafür verantwortlich, die das Lohnniveau weiter drückten.  

Politische Rahmenbedingungen sind problematisch

Andreas Baumbach stellt anhand einer Beispielrechnung auf, was einem Handwerker von der Kundenrechnung letztlich bleibt und bemängelt, dass darauf zu viele Steuern und Abgaben fällig werden. Der Handwerker verdiene daran aus seiner Sicht zu wenig. "In direkter Konfrontation mit dem Kunden und der Abwägung Reparatur oder Neuanschaffung ist in vielen Handwerkssparten das Ende der Fahnenstange erreicht. Reparaturen sind für den Endverbraucher schon länger nicht mehr wirtschaftlich, für den Handwerker bleibt gleichzeitig zu wenig übrig, nur das Berufsrisiko steigt. Und der Aufwand für die Büroarbeit. So gesehen wäre es in manchen Branchen mittlerweile zynisch, jungen Menschen mit gesunden Händen und intelligentem Kopf zu manch einem Handwerksberuf zu raten", so Baumbach.

DHZ-Leserin Tanja Frühwetter prangert das aktuelle Berufsbildungssystem an: "Früher waren alle Lehrlinge eines Berufes in einer Schule mit Internat. Heute 15 Gewerke in einer Klasse. Dazu die Methode, mal zwei Tage Berufsschule, dann drei Tage arbeiten. Bis 1994 war das drei Wochen Berufsfachschule und dann zwei Monate Firma! Das hat mehr gebracht!"

Gesellschaft will immer mehr

DHZ-Leserin Frau Be prangert in ihrem Kommentar die "Gier der Gesellschaft" an. Viele würden sich nur noch über das Gehalt und die Luxusgüter, die man sich kaufen könne, definieren. Dem hält sie entgegen: "Glück hat etwas mit der inneren Einstellung, der Zufriedenheit, zu tun, egal ob man 12 Euro oder 15 Euro verdient. Und wenn am Ende jeder 20 Euro mit Heim nehmen will, bezahlt [man] am Ende eben fünf Euro fürs Brötchen oder es besteht halt aus Sägespähnen". Sie sei für jeden dankbar, der sich dem "ach so schlimmen Handwerk aufopfert" und genau wisse, warum er dies tue.

Die "Jugend von heute" 

"Die Jugend liebt heutzutage den Luxus. Sie hat schlechte Manieren, verachtet die Autoritäten, hat keinen Respekt vor älteren Leuten und schwatzt, wo sie arbeiten sollte." Das schrieb zwar keiner unserer Leser, sondern der griechische Philosoph Sokrates vor über 2.000 Jahren. Doch man könnte das Zitat genauso in die heutige Zeit verpflanzen, zumindest nach Meinung einiger DHZ-Leser. Leo Reimann gibt einen Einblick in die Denkweise seiner Enkel. Demnach habe der klassische Lebensweg mit Arbeit, Auto, Heirat und Kind ausgedient. Man wolle frei sein und tun können, was man will. Kommentator Toni Hoffmann, selbst Ausbilder in einem Industriebetrieb, schreibt, dass auch er schlechte Erfahrungen mit dem Nachwuchs macht: "Das Problem ist einfach, dass die Jugend von heute sich nicht mehr die Hände schmutzig machen will und lieber am PC oder Smartphone sitzt."

Konkurrenz durch Industrie

Dadurch, dass die Deutschen immer weniger Kinder bekommen, haben heutige Fachkräfte eine größere Auswahl beim Job als vorangegangene Generationen.  

Wie Tanja Koch Scheuring empfinden es viele Leser daher als schwierig, Lehrlinge für das Handwerk zu begeistern. Sie hadert mit der Konkurrenz aus der Industrie, mit deren Angeboten das Handwerk nicht schritthalten könne. Sie nehme es den ihrer Meinung nach sehr guten jungen Auszubildenden aber gar nicht übel, dass sie sich bei den teilweise eklatanten Gehaltsunterschieden gegen das Handwerk und für die Industrie entscheiden würden. 

Einige Leser empfehlen, Abstriche bei den Anforderungen zu machen. "Andere verlangen von den Schülern am besten noch 20 Jahre Erfahrung und das vom ersten Tag an!", schreibt DHZ-Leser To Go. Er gibt allen Arbeitgebern den Rat, nicht auf Zeugnisse Wert zu legen, sondern jungen Leuten eine praktische Chance zu geben. Der Abschluss eines Menschen sage sehr wenig über seine eigentliche Qualifikation aus. 

Sind die Handwerker selbst schuld?

Selbstkritische Kommentare gibt es auch. Dass man sich einmal an die eigene Nase fassen müsse und Selbstmitleid nicht hilfreich sei, kommt an der ein oder anderen Stelle durch.  

Martin Endara etwa fasst die Kommentare zusammen und bezeichnet die "Meckerei" als nicht hilfreich. Vielmehr müsse man vermitteln, welche Chancen und Besonderheiten das Handwerk auszeichnen. 

>>> Alle weiteren Kommentare finden Sie direkt auf dem Facebook-Kanal der DHZ.

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