Die Friseure leiden unter der Inflation und den Nachwirkungen der Corona-Politik. Präsidentin Manuela Härtelt-Dören über sparsame Kunden, schwarze Schafe in der Branche und Probleme mit dem Mindestlohn.

Wie macht sich bei den Friseuren derzeit die Inflation bemerkbar?
Manuela Härtelt-Dören: Viele Kunden fangen an, ihre Termine immer weiter rauszuschieben. Wenn sie vorher alle sechs Wochen zu uns kamen, verstreichen jetzt acht oder zwölf Wochen. Das merken wir. Und das ist negativ für die Betriebsentwicklung, die Umsätze und Gewinne.
Die Leute sparen also am Haarschnitt. Sind sie auch unzuverlässiger geworden, was die Einhaltung von Terminen betrifft? Aus der Gastronomie werden entsprechende Klagen laut...
Also das ist unterschiedlich. Es gibt Betriebe, die klagen tatsächlich darüber. Mich haben schon Anfragen von Kollegen erreicht, die wissen wollten, ob sie dem Kunden etwas in Rechnung stellen können, wenn er nicht kommt. Natürlich dürfen wir das nicht, das ist nicht einforderbar. In meinem Betrieb haben wir das Problem mit Wartelisten gelöst. Wenn jemand absagt, rufen wir einen anderen Kunden von der Warteliste an. Der freut sich dann, wenn er früher einen Termin bekommt. Aber es stimmt schon, wir müssen die Kunden für unsere Situation sensibler machen.
Viele Kunden fangen an, ihre Termine immer weiter rauszuschieben. Das merken wir.
Haben Sie Hinweise darauf, dass die Schwarzarbeit unter Friseuren zunimmt, dass Kunden versuchen, um Geld zu sparen, sich die Haare schwarz schneiden zu lassen?
Schwarzarbeit ist ein Riesenthema. Sie ist extrem hoch, was ja nicht verwundert, weil die Preise beim Friseur gestiegen sind. Manche Kunden sagen, sie könnten es sich nicht mehr leisten, zum Friseur zu gehen und begründen das mit Inflation, Krieg und den aktuellen Krisen. Leider wird auch nicht groß kontrolliert. Uns fehlt die Unterstützung vom Zoll, auch im privaten Bereich zu ermitteln. Das dürfen die nicht und uns sind die Hände gebunden. Wir wären der Politik dankbar, wenn dort stärkere Maßnahmen ergriffen würden. Der Anstieg des Mindestlohns ist hier auch nicht gerade hilfreich.
Viele Friseure empfinden den Mindestlohn als zu hoch. Befürchten Sie, dass das Thema im nächsten Bundestagswahlkampf hochkocht?
Ja, ich habe große Sorgen, dass dieses Thema von der Politik vorangetrieben wird. Wobei ich finde, das sollte überhaupt kein Thema für die Politik sein, denn wir sind gut in der Lage, als Landesverbände mit unseren Sozialpartnern zu verhandeln. Das unterbindet die Politik in dem Moment, in dem sie ins Lohngefüge eingreift. Und das ist schade, weil wir natürlich auch für unsere Mitarbeiter kämpfen und wollen, dass sie gut entlohnt werden.
Was würden Sie sich von politischer Seite wünschen?
Wir kämpfen nach wie vor für die Mehrwertsteuerreduzierung auf sieben Prozent. Momentan tut sich die Politik bei dem Thema leider sehr schwer. Man sieht ja, was in der Gastronomie gerade passiert. Uns wäre natürlich sehr geholfen mit sieben Prozent Mehrwertsteuer. Das würde uns entgegenkommen und auch dem Endverbraucher.
Das Interview mit Manuela Härtelt-Dören ist ein Auszug aus "Handwerk erleben - Der Talk im Handwerker Radio".