Mittelstandsinitiative Energiewende und Klimaschutz Energie sparen: So klappt’s beim Friseur

Angenehm warme Räume, viel warmes Wasser zum Haare waschen, helle Lampen und Haartrockner, die ständig im Einsatz sind – die Arbeit der Friseure ist energieintensiv. Entsprechend hoch sind die Kosten für Strom und Wärme. Experten und Betriebe zeigen, wie sich in der Praxis Energie sparen lässt.

Haare trocknen ist energieintensiv
Das Trocknen der Haare der Kunden schluckt bei Friseuren täglich viel Strom. Das kostet. - © torwaiphoto - stock.adobe.com

Große Fenster, ausgeleuchtete Schaufenster, die einen Blick in den Salon erlauben, eine Eingangstür aus Glas und helle Strahler überall: Friseursalons wie der von Markus Tröbelsberger in Immenstadt im Allgäu brauchen diese Offenheit und Helligkeit. Angesichts der aktuellen Energiekosten könnte man nun meinen, dass hier Unmengen an Geld für Strom und Wärme verpuffen. Doch der Friseurmeister hat vorgesorgt und schon vor Jahren in die Fensterfront investiert. Genauso hat er sich die Lampen in seinem Salon vorgenommen. Das zahlt sich jetzt aus.

Energie sparen beim Friseur: Nachhaltige Salonkonzepte sind gefragt

In der Debatte um die Belastungen durch hohe Energiepreise stehen meist andere Branchen im Fokus als die Friseure. Doch sie sind im Handwerk eines der Gewerke, bei denen der Verbrauch von Wärmeenergie und auch von Strom kräftig zu Buche schlägt. Dabei sind es neben der Beleuchtung vorrangig die Heizungen und die Warmwasseraufbereitung, die den Energieverbrauch bestimmen.

So ist das Energiesparen im Friseurhandwerk schon lange und angesichts der aktuellen Situation ein besonders großes Thema. "Sachlich begründet durch die starken Preissteigerungen, aber auch zunehmend durch die Nachfrage nach klimafreundlichen Salonkonzepten. Das beginne beim Wasser- und Stromverbrauch und führe bis hin zu den eingesetzten Produkten im Salon", teilt der Zentralverband des Deutschen Friseurhandwerks mit. Viele Salons – besonders in den großen Städten – heizen mit Gas und haben als Mieter der Betriebsräume nur im begrenzten Maße Einfluss darauf, die Wärmeversorgung umzustellen.

Energie sparen: Friseur setzt auf Dämmung, neue Fenster und LED-Beleuchtung

Markus Tröbelsberger konnte dabei anders ansetzen, denn das Gebäude, in dem im Erdgeschoss sein Salon untergebracht ist, ist im Familienbesitz. So hat er die Immobilien, die in der 1930ern gebaut wurde und entsprechende Energiestandards aufwies, von außen mit Steinwolle dämmen lassen. Die großen Schaufenster und ein angeschlossener Wintergarten bekamen eine Wärmeschutzverglasung. "Da war zuvor noch die gute alte Einscheibenverglasung vorhanden", sagt der Friseurmeister. Mit diesen Sanierungsmaßnahmen und der Installation einer neun Quadratmeter großen Solarthermieanlage auf dem Hausdach konnte er es schaffen, die Energiekosten um rund 30 Prozent zu senken. Die Solaranlage versorgt den Salon mit warmem Wasser.

Friseurmeister Markus Tröbelsberger
Friseurmeister Markus Tröbelsberger setzt in seinem Salon auf Energiespartechnik. Zusätzlich hat er in neue Fenster und die Dämmung der Gebäudehülle investiert, um Energie zu sparen. - © Tröbelsberger

Einen großen Brocken an Energiekosten hat der Friseurmeister außerdem durch die Umstellung seiner Lampen auf eine LED-Beleuchtung reduziert. Hier spart er jedes Jahr etwa 1.500 kWh Strom. Senken konnte er den Stromverbrauch außerdem durch eine Umstellung auf Haarfarben, die keine Wärmeeinwirkung benötigen. Sie können ohne zusätzliche Energie- bzw. Wärmequelle angewendet werden. Die mitunter stärksten Energiefresser sind im Frisuren Atelier Tröbelsberger aber immer noch die Haartrocknungsgeräte. Hierbei setzt Markus Tröbelsberger vorrangig darauf, die Mitarbeiter zu sensibilisieren, die Geräte weniger einzusetzen. Sie sollen die Haare der Kunden vortrocknen. "Wenn man die Haare mit einem Handtuch gut andrückt, bringt das schon was. Außerdem achten wir darauf, nicht zu viele Handtücher zu verschwenden", sagt er und erwähnt, dass man nicht bei jedem Arbeitsgang ein frisches Handtuch – also mehrere pro Kunden – benötigt.

Und noch mehr Maßnahmen sind geplant. So kommt in diesem Jahr eine Photovoltaikanlage zur Stromerzeugung aufs Hausdach. Tröbelsberger rechnet damit, dass diese je nach Witterung zwischen 80 und 100 Prozent des Strombedarfs deckt. "Eigentlich war die Maßnahme schon 2020 geplant, aber da kam Corona dazwischen", fügt der Salonbetreiber hinzu.

Trotz dieser Maßnahmen, hofft Markus Tröbelsberger derzeit allerdings darauf, dass sich die aktuelle politische Lage wieder entspannt und dass die Energiepreise wieder sinken. Denn trotz seiner Energiesparinvestitionen, zahlt er im Moment drauf. "Nachdem ja momentan die Gas- und Strompreise durch die Decke gehen, haben sich die gesamten Energieeinsparungen ziemlich relativiert. Leider", sagt er.

So schlagen die aktuellen Energiekosten im Friseursalon zu Buche

Für seine Investitionen in Gebäudehülle und die Verglasung hat er keine staatlichen Förderungen bekommen. "Da es für die Kombination aus Geschäftshaus und Eigenbesitz nicht so einfach Förderungen gibt. Dies wäre sehr schwer komplett zu trennen und ein zu großer Aufwand", sagt er. Förderungen für Gebäudesanierungen sollen allerdings nun auch wieder mehr Immobilienbesitzer dazu motivieren, Sanierungsmaßnahmen zu veranlassen, um Energieverbräuche zu senken. Seit Ende Februar steht das neue Förderprogramm der KfW. Diese sogenannte Bundes­förderung für effiziente Gebäude (BEG) unterstützt Sanierungsmaßnahmen von Wohn- und Nicht-Wohngebäuden. Außerdem kann beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) ein Zuschuss für Einzelmaßnahmen beantragt werden.

Klaus Landrath, Leiter des Umweltzentrums der Handwerkskammer Münster, rät dazu, dass es sich auch lohnen kann, wenn Handwerksbetriebe, die Gewerberäume mieten, ihre Vermieter auf die staatliche Unterstützung aufmerksam machen. Er weist dabei unter anderem auf die Möglichkeiten hin, die der sogenannte Mieterstrom Betrieben wie Friseursalons bieten kann. Auch durch den geplanten, zukünftigen Wegfall der EEG-Umlage ab Juli 2022 kann es rentabler werden, wenn Mieter den Strom vom eigenen Hausdach nutzen können. "So wie es derzeit aussieht, können die geplanten EEG-Neuerungen einen Aufschwung bringen", sagt Landrath. Im Rahmen der Mittelstandsinitiative Energiewende und Klimaschutz (MIE) hat er oftmals mit Friseurbetrieben zu tun.

Das Umweltzentrum in Münster ist Partner dieser Initiative, die Handwerksbetrieben der verschiedenen energieintensiven Branchen Informationen und Tipps zum Energiesparen an die Hand gibt – konkret in Form der Begleitung von Maßnahmen im Betrieb und bei der Ermittlung der Energiefresser, aber auch digital durch Anleitungen und Instrumente wie das E-Tool für Handwerksbetriebe, die jeder eigenständig und kostenlos nutzen kann. Wie Handwerksbetriebe die Angebote Mittelstandsinitiative nutzen können, lesen Sie hier.>>

Heizen der Friseursalons: Große Abhängigkeit vom Gas

Immer wichtiger wird es unabhängiger zu werden – von fossilen Brennstoffen genauso wie von den sehr hohen Verbräuchen. "Auch wenn sich das jetzt durch den Ukraine-Krieg zugespitzt hat, zeigt die Linie der Kostensteigerungen schon seit Jahren nach oben. Und sie zeigt, dass man etwas tun muss, um die Belastungen im Rahmen zu halten", erklärt Klaus Landrath. Im Friseurhandwerk ist es vor allem das Heizen der Gebäude bzw. der Salons, das den meisten Energieverbrauch ausmacht – einer Statistik der MIE zufolge gut 50 Prozent. Die durchschnittlichen Gesamtenergiekosten je Betrieb liegen im Jahr bei 2.393 Euro. Bei größeren Betrieben entstehen auch mal Kosten bis zu 6.970 Euro. Die Wärmeversorgung hängt dabei zum großen Teil an Gasheizungen – derzeit ein großes Kostenrisiko.

Hier mehr Unabhängigkeit zu erlangen – und damit auch mehr Unabhängigkeit vom russischen Gas – ist auch aus Sicht der Handwerkspolitik ein wichtiger Ansatz. Der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) mahnt jedoch, dass die notwendigen Investitionen in mehr Energieeffizienz nicht zu pauschal und von jedem verlangt werden sollten. "Um mit Blick auf den Klimaschutz ganzheitlich und wirklich nachhaltig zu sanieren, muss man jede Gebäudesanierung individuell und technologieoffen betrachten", teilt der ZDH mit. So sollten Bundesregierung und EU bei der Festlegung von Standards und Förderprogrammen mit Blick auf Nachhaltigkeit und Sozialverträglichkeit mit Augenmaß vorgehen. Investitionen in die Klimawende brauchen dem Zentralverband zufolge Vertrauen.

Energie sparen durch mehr Energieeffizienz: Nicht jeder Friseur kann gleich viel investieren

Damit spricht der ZDH das an, was einerseits durch geplante Sanierungspflichten durch EU-Vorgaben diskutiert wird. Andererseits erwähnt er die stark steigenden Bau- und Sanierungskosten, die es für Betriebe immer schwieriger macht, Sanierungen und deren langfristige Wirtschaftlichkeit einzuplanen. "Die Belastungen der Klimawende müssen fair verteilt werden. Nur wenn die Leistungsfähigkeit der vielen Friseurunternehmerinnen und -unternehmer nicht überfordert wird, entstehen Akzeptanz und Vertrauen. Dann kann Ökologie überall 'salonfähig' werden", erklärt dazu auch der Zentralverband des Friseurhandwerks.

Vom ZDH heißt es: "Damit energieeffizientes Bauen wieder richtig Fahrt aufnimmt, muss die Bundesregierung schnell verlässliche Rahmenbedingungen schaffen. Und vor allem muss sie auch passende Förderprogramme auflegen. Der bisherige Grundsatz, dass nicht gefördert werden kann, was gesetzlich gefordert wird, muss korrigiert werden." Es sei nicht davon auszugehen, dass die Einkaufspreise für Materialien wieder auf das Vorkrisenniveau zurückgehen.

Dasselbe betrifft auch die Energiekosten. So berichtet Thomas Ruland, Geschäftsführer der Friseur La Belle GmbH, die in Leipzig über 20 Friseur- und Kosmetiksalons betreibt, von einer Strompreiserhöhung um 15 Prozent, die der Stromanbieter gerade angekündigt hat ab 2023. Schaut sich Ruland die Kostensteigerungen an, die er für den Wärmebedarf der Salons zusätzlich einkalkulieren muss, rechnet er mit rund 40.000 Euro netto mehr für die bei 2705 m² gesamter Miet-/Nutzfläche. "Das ist eine Steigerung um 107 Prozent", rechnet er vor.

Friseur spart Energie durch viele kleine Maßnahmen in den Salons

Das trifft die Friseurkette hart, obwohl sie bereits in den vergangenen Jahren einiges dafür getan hat, die Kosten zu senken. Zu den Maßnahmen gehören neben einer Solarthermie und einer PV-Anlage auf Dächern von Salons, deren Gebäude sich im Eigentum befinden, in den Mietobjekten vor allem Umrüstungen auf LED-Beleuchtungen. So senkte der Austausch der Neon- und Gasentladungsleuchtmitteln den Verbrauch in einer Filiale von mehr als 10.000 kWh auf nur noch rund 5.000 kWh im Jahr. Im Hauptsalon des Friseurbetriebs erzeugt außerdem schon seit einigen Jahren eine Warmwasserwärmepumpe das warme Wasser. Diese nutzt die Raumwärme des Kellers. Im Sommer übernimmt sie alleine die Warmwasserversorgung und die zusätzliche Gasheizung ist abgeschaltet. Auf Wärmepumpen setzt La Belle nach Berichten von Thomas Ruland auch bei den Trocknern. Die Salonkette spart mit dem Ersatz der alten Kondenstrockner durch neue Wärmepumpentrockner einiges an Energiekosten ein.

Doch auch in den Salons in Leipzig sind zusätzlich viele kleine Maßnahmen ausschlaggebend, um die Verbräuche im Rahmen zu halten. "Es wird existenziell wichtig, auch die Mitarbeiter auf die veränderten Energiepreise und die dahinterstehenden Erfordernisse des Sparens einzuweisen", sagt Ruland. Er berichtet auch von fortlaufenden Prüfungen der Elektrogeräte. Zahlen der MIE zeigen, dass auch Geräte wie Haartrockner, Trockenhauben, Waschmaschinen und Kühlschränke mit gut 30 Prozent einen erheblichen Teil der Energiekosten schlucken.

Einsparungen gebracht hat auch die Nutzung dünner Frotteehandtücher, die das  Wäscheaufkommen reduzieren, sowie der Einbau von Spar-Perlatoren in die Wasserhähne. Auch das Wassersparen und damit ein Weniger an Kosten wird als Thema oftmals unterschätzt. Doch die Die Wasserkosten in Friseursalons betragen durchschnittlich 799 Euro. Große Betriebe kommen laut MIE-Statistik auf bis zu 2.910 Euro.

Wichtig fürs Energie sparen: Verbräuche und Kosten erfassen

"Auch wenn Investitionen in die Gebäudehülle, in eine neue Heizung oder eine eigene PV-Anlage direkt ganz große Kostenersparnisse mit sich bringen, sind es auch die kleinen Schritte wie der Austausch alter Föns oder das Nutzen schmalerer Handtücher, um die Zahl der Waschgänge zu verringern, die langfristig helfen", sagt Klaus Landrath. Er sieht, dass vor allem Friseurbetriebe, die Mieter statt Gebäudebesitzer sind, schnell denken, dass ihr Einfluss auf die Energiekosten zu gering ist. Er möchte dazu motivieren, dass sich auch Schritte jenseits einer kompletten Gebäudesanierung lohnen oder gemeinsam angegangen werden können. "Außerdem ist es wichtig, Gewohnheiten umzustellen", sagt der Handwerkskammermitarbeiter. Er meint Gewohnheiten wie das Ausstellen aller Geräte im Stand-By-Modus oder dass Mitarbeiter auch beim Shampoo auftragen das Wasser laufen lassen.

Ein erster wichtiger Schritt, den Betriebe gehen sollten, ist Landrath zufolge die konsequente Erfassung von Verbräuchen und Kosten. So kann man erkennen, wo es Einsparpotenzial gibt und dann gegebenenfalls auch gezielt Investitionen einplanen. Dazu können Handwerksunternehmen das E-Tool der Mittelstandsinitiative nutzen. Es ist ein Browser-basiertes Instrument, das einerseits erlaubt einen Überblick über die Energiekosten zu bekommen. Andererseits kann es auch helfen, Angaben für Nachhaltigkeitsberichte schnell zur Hand zu haben. Außerdem kann man einen CO2-Fußabdruck generieren.

>>> Weitere Infos und Videos zum E-Tool gibt es hier

>>> Lesen Sie hier Teil 1 der DHZ-Energiesparserie: Handwerksbäcker müssen Energiekosten senken: So klappt´s