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Steuerurteile und Steuertrends Fallstricke vermeiden: 15 neue Tipps und Trends von der Steuerfront

Selbst interessierte Betriebsinhaber sind wohl kaum mehr in der Lage, die Flut an neuen Steuerurteilen, Verwaltungsanweisungen und Steuertrends zu verarbeiten. Hier erfahren Unternehmer, was es Interessantes und Neues gibt, wo Steuersparpotential schlummert und um welche steuerlichen Stolpersteine Sie einen großen Bogen machen sollten.

1. Umweltprämie für Elektroautos verlängert

Das Bundeswirtschaftsministerium hat die Kaufprämie für Elektroautos – auch Umweltprämie oder Umweltbonus genannt – bis Ende 2020 verlängert. Nutzen Sie die Prämie zwischen 3.000 Euro und 4.000 Euro beim Kauf eines betrieblichen Fahrzeugs, haben Sie ein Wahlrecht. Entweder Sie versteuern den Bonus als Betriebseinnahme oder Sie verzichten auf die Verbuchung einer Einnahme und mindern dafür die Anschaffungskosten des Fahrzeugs und somit die jährliche Abschreibung.

2. Nachträgliches ­Kindergeld

Stoppt die Familienkasse die Kindergeldzahlungen für ein volljähriges Kind, weil die Info fehlt, ob das Kind überhaupt noch ausbildungswillig ist, und auch wenn nachträglich eine plausible Erklärung zur Ausbildungswilligkeit des Kindes eingeht, schalten die Familienkassen auf stur und zahlen für die Vergangenheit kein Kindergeld mehr aus. Dagegen lohnt sich Gegenwehr. Denn nach einem aktuellen Urteil soll auch bei einer nachträglichen Erklärung des Kindes für die Vergangenheit Kindergeld bezahlt werden (FG Düsseldorf, Az.: 7 K 1093/18; Revision beim BFH).

3. Investitionsabzugsbetrag – böse Falle

Erfüllen Sie die Voraussetzungen für den Investitionsabzugsbetrag nach § 7g EStG und ziehen für eine geplante Investition bereits im Planungsjahr 40 Prozent der voraussichtlichen Investitionskosten vom Gewinn ab, kann es passieren, dass das Finanzamt den Abzug rückwirkend versagt. Und zwar dann, wenn im Jahr der Investition vergessen wird, den Abzugsbetrag wieder gewinnerhöhend aufzulösen (FG Rheinland-Pfalz, Az.: 3 K1658/18; Revision beim BFH).

4. Fehlerhafter Rechnungsinhalt

Haben Sie eine Rechnung bekommen und das Finanzamt versagt Ihnen Jahre später aufgrund einer Prüfung den Vorsteuerabzug wegen einer zu schwammigen Leistungsbeschreibung, sollten Sie gegen nachteilige Steuerbescheide mit einem Einspruch vorgehen. Denn der Europäische Gerichtshof hat bereits mehrmals klargestellt, dass es trotz einer nicht aussagekräftigen Leistungsbeschreibung in der Rechnung einen Vorsteuerabzug geben muss. Der Unternehmer muss nur im Besitz von Unterlagen sein, aus denen das Finanzamt die getätigten Leistungen ersehen kann (EuGH, Rs. C-491/18, C-374/16 und C-375/16).

5. Steuerfrist 31. Juli 2019 – Tipp 1

Haben Sie im Jahr 2018 privat einen Pkw gekauft und diesen 2018 nachweislich zu mindestens 10 Prozent für Ihren Betrieb genutzt, können Sie ihn Ihrem umsatzsteuerlichen Unternehmensvermögen zuordnen. Der Clou: Es winkt die Vorsteuererstattung aus dem Kaufpreis und aus den laufenden Pkw-Kosten. Im Gegenzug muss jedoch Umsatzsteuer auf die nichtunternehmerische Nutzung bezahlt werden. Wollen Sie diese Zuordnung, müssen Sie das dem Finanzamt bis 31. Juli 2019 per Brief oder durch Abgabe der Umsatzsteuerjahreserklärung 2018 mitteilen. Wer diese Meldefrist verschläft, verliert seinen Vorsteuerabzug.

6. Steuerfrist 31. Juli 2019 – Tipp 2

Schaffen Sie es nicht, die Steuer­erklärung 2018 bis zum 31. Juli 2019 fertig zu stellen, sollten Sie einen plausibel begründeten Fristverlängerungsantrag stellen. Denn bei der Steuererklärung 2018 treten strengere Regelungen zur Festsetzung eines Verspätungszuschlags ein. Diese vermeiden Sie nur, wenn Sie aktiv werden. Lassen Sie Ihre Steuererklärungen 2018 erstmals durch einen Steuerberater erstellen, teilen Sie das dem Finanzamt umgehend mit. Dann winkt im Normalfall eine Fristverlängerung bis Ende Februar 2020.

7. Verlust aus Ehrenamt

Sind Sie ehrenamtlich als Übungsleiter tätig, dürfen Sie bis zu 2.400 Euro steuerfrei kassieren. Doch was gilt, wenn Sie unterm Strich einen Verlust aus Ihrem ehrenamtlichen Engagement erzielt haben? Die Antwort des BFH: Sie dürfen diese Verluste in Ihrer Steuererklärung angeben und mit anderen Einkünften steuersparend verrechnen (BFH, Az.: VIII R 17/16).

8. Vermietung an Arbeitgeber

Haben Sie in der Einrichtung Ihres Arbeitgebers keinen Arbeitsplatz, können Sie ihm einen Raum Ihrer Wohnung als Arbeitszimmer vermieten. Der Clou: Sie erzielen Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung und können von den Mieteinnahmen sämtliche Werbungskosten abziehen. Die strengen Abzugsbeschränkungen zum häuslichen Arbeitszimmer gelten dann nicht (BMF-Schreiben, v. 18.04.2019, Az.: IV C 1 – S 2211/16/10003:005). Kleiner Wermutstropfen: Erzielen Sie hohe Verluste aus der Vermietung (Vermietungsverluste sind mit Arbeitslohn steuersparend verrechenbar), erwartet das Finanzamt eine Prognose, aus der sich ergibt, dass Sie innerhalb eines Zeitraums schwarze Zahlen aus der Vermietung schreiben.

9. Einsatz auf Dauerbaustelle

Ist ein Arbeitnehmer seit mehr als vier Jahren auf einer Baustelle eingesetzt, ist für das Finanzamt klar, dass er dort seine erste Tätigkeitsstätte hat. Für die Fahrten zur Baustelle darf der Arbeitnehmer nur die Entfernungspauschale als Werbungskosten abziehen (0,30 Euro/km für die einfache Strecke). Doch war der Einsatz auf der Baustelle auf unter 48 Monate geplant, beispielsweise weil die Aufträge des Arbeitgebers mit seinen Kunden nur eine Laufzeit von 36 Monaten haben, stellt die Baustelle für den Arbeitnehmer keine erste Tätigkeitsstätte dar (FG Münster, Urteil v. 25.03.2019, Az.: 1 K 447/16). Folge: Es winkt beim Werbungskostenabzug die Dienstreisepauschale (0,30 Euro/km für die Hin- und Rückfahrt).

10. Betriebsausgaben bei ebay

Helfen Sie bei Wohnungsauflösungen und Entrümpelungen und verkaufen die dabei erstandenen Gegenstände auf ebay, geht das Finanzamt von einem gewerblichen Handel aus und besteuert den erzielten Gewinn. Doch bei der Ermittlung des Gewinns muss das Finanzamt auch Betriebsausgaben schätzen. Ein Finanzgerichtsurteil zeigt sich hier sehr großzügig und geht von geschätzten Betriebsausgaben von 60 Prozent der Nettoerlöse aus (FG Hessen, Urteil v. 19.07.2018, Az.: 2 K 1835/16).

11. Rentenerhöhung

Ab 1. Juli 2019 erhöhen sich die Bezüge für gesetzliche Rentner. Das kann jedoch dazu führen, dass das Finanzamt anklopft und für 2019 eine Steuererklärung fordert. Deshalb unbedingt einen Ordner anlegen und alle steuerlich relevanten Ausgabenbelege 2019 für den Fall der Fälle abheften.

12. Altersvorsorge

Im Rahmen der betrieblichen Altersvorsorge können Arbeitnehmer im Jahr 2019 im Rahmen einer Entgeltumwandlung bis zu 6.432 Euro pro Jahr steuerfrei in eine Direktversicherung & Co. einzahlen.

13. Vorsteuervergütung

Waren Sie oder Ihre Mitarbeiter in einem Drittland (= Nicht EU-/EWR-Staat) tätig und wurden dort mit Umsatzsteuer belastet, können Sie sich diese Umsatzsteuer im Rahmen eines Vorsteuervergütungsverfahrens wiederholen. Stichtag für die Antragstellung ist der 30. Juni 2019. Infos und Formulare: www.bzst.de.

14. Steuerzinsen

Ob die Steuerzinsen mit 0,5 Prozent pro Monat zu hoch sind, muss das Bundesverfassungsgericht klären. Bis zu einer Entscheidung sind Steuerbescheide mit erstmaliger Festsetzung von Zinsen nach § 165 AO vorläufig (BMF-Schreiben v. 02.05.2019, Az. IV A 3 – S 0338/18/10002). Sie müssen also bei neuen Bescheiden keinen Einspruch mehr gegen Steuerzinsen einlegen.

15. Dienstwagen

Darf ein Arbeitnehmer einen Dienstwagen nutzen und der Arbeitgeber verpflichtet ihn dazu, den Pkw nachts in einer abschließbaren Garage zu parken, mindern die Mietzahlungen für die Garage den geldwerten Vorteil für die Privatnutzung leider nicht (FG Münster, Urteil v. 14.03.2019, Az. 10 K 2990/17).

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