Zwang zur Sanierung EU-Klimagesetz: Sorge vor hohem Aufwand für Handwerker

Durch das Europäische Klimagesetz steigt der Investitions- und Fachkräftebedarf. So sollen Neubauten ab 2030 nur noch einem Null-Energie-Standard entsprechen. Für Handwerksbetriebe könnten die Vorgaben einige Erschwernisse bedeuten, warnt der ZDH.

Männerhand installiert Wärmedämmung an Wand.
Kosten und Aufwand bei der energetischen Sanierung von Gebäuden könnten sich durch die Vorgaben des Europäischen Klimagesetzes erhöhen, warnt der ZDH. - © artursfoto - stock.adobe.com

Eigentlich müssten die Handwerksbetriebe, die ihren Kunden zu mehr Energieeffizienz verhelfen, jubilieren. Denn die energetische Sanierung von Gebäuden spielt in dem im vergangenen Juli verabschiedeten Europäischen Klimagesetz ("Fit für 55") eine entscheidende Rolle. Damit hat sich die Gemeinschaft ehrgeizige Ziele gesetzt: Bis zum Jahr 2030 sollen mindestens 55 Prozent weniger Treibhausgase ausgestoßen werden als im Jahr 1990.
2050 soll die Dekarbonisierung weitgehend abgeschlossen und der Ausstoß sogar auf null zurückgeführt werden.

Doch leider sind die hehren Ziele voraussichtlich mit komplizierten Detailregelungen für den Betriebsalltag verbunden. Nach Einschätzung der EU entfallen auf die Gebäude derzeit rund 40 Prozent des Energieverbrauchs.

Ausstellung von Energieausweisen komplizierter

Weitreichende Bedeutung für das Handwerk dürfte die Neufassung der Richtlinie über die Gebäudeenergieeffizienz haben. Neu ist, dass das Regelwerk neben der Energieeffizienz von Gebäuden auch eine Kennzahl für das Klimaerwärmungspotenzial im gesamten Lebenszyklus erfassen soll. Die EU-Experten des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH) sorgen sich allerdings, dass damit etwa die Ausstellung von Energieausweisen erheblich aufwendiger und teurer wird.

Befürchtet wird auch, dass künftig qualifizierte Handwerker, die für ihre Kunden auch als Berater auftreten, vom Angebot einer entsprechenden Dienstleistung ausgeschlossen werden könnten. Statt auf die Unabhängigkeit des Beraters sollte das geplante Regelwerk auf ein Beratungsverfahren in unabhängiger Weise abstellen. "Wir brauchen ein klar formuliertes Bekenntnis dazu, dass Handwerker und Handwerkerinnen auch künftig unabhängig Energieausweise ausstellen können", fordert ZDH-Generalsekretär Holger Schwannecke.

Auch von der Einführung eines Renovierungspasses, zusätzlich zum Energieausweis, raten die Mittelstandsexperten ab. Sinnvoller sei, die Renovierungsvorhaben als eine Art Sanierungsfahrplan in den Energieausweis einzugliedern und damit aufzuwerten. Als erheblichen Eingriff in das Eigentumsrecht stufen die ZDH-Experten die von der EU-Kommission vorgeschlagene Pflicht zur energetischen Sanierung von Gebäuden ein. Denn dazu sollen die Eigner sowohl bei der Neuvermietung wie beim Verkauf der Immobilie verpflichtet werden. Nach dem Muster vieler anderer EU-Regelwerke sollen sich die EU-Länder mit dem geplanten Regelwerk auch zu nationalen Aktionsplänen verpflichten. Diese sollen zum Beispiel einen Zeitplan mit Sanierungsquoten für den Gebäudebestand enthalten.

Sorge vor unnötigen Kostentreibern

Die EU-Kommission strebt an, dass spätestens ab dem Jahr 2030 alle Neubauten dem "Null-Energie-Haus"-Standard entsprechen. "Geschäftsgefährdende Auflagen, unnötige Kostentreiber oder unverhältnismäßige Regelungen gilt es zu verhindern", fordert hingegen der ZDH-Generalsekretär Holger Schwannecke.

Auf keinen Fall dürfe die EU-Kommission mit ihren Vorschlägen – direkt oder indirekt – das bewährte System der dualen Berufsausbildung in Deutschland schwächen, heißt es im Handwerk. Also dass handwerkliche Leistungen von Dritten ohne entsprechende handwerkliche Qualifikation erbracht werden. Mit Hinweis auf einen Fachkräftemangel bei Installateuren für nachhaltige Heiz- und Kühlsysteme fordert die EU-Behörde geeignete Ausbildungsprogramme und Zertifizierungsmöglichkeiten.

Sollten Hersteller von Anlagen künftig Beratung und Installation aus einer Hand anbieten dürfen, könnten Handwerksbetriebe weiter Marktanteile verlieren, fürchtet die Lobby des deutschen Handwerks. Der Mitte Dezember von der EU-Kommission vorgelegte Vorschlag wird nun vom EU-Parlament und den 27 EU-Regierungen beraten und möglicherweise noch in diesem Jahr beschlossen