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Ernährungsreport 2018 Essgewohnheiten: Fleisch bleibt auf dem Speiseplan

Gute Aussichten für Deutschlands Handwerksmetzger: Der Hype um die vegane Ernährung ist mehr Schein als Sein. Die Deutschen essen weiterhin gerne Fleisch und Wurst. Immer wichtiger werden, die Herkunft der Lebensmittel und dass es den Tieren vor dem Schlachten gut ging. Der neue Ernährungsreport des Bundeslandwirtschaftsministeriums (BMEL) zeigt, wie Deutschland isst – oft anders als es die Werbung darstellt.

Geht man nach den Trends, die Livestyle-Magazine, Messen, Werbung und die Forschung prognostizieren, dann muss man sich vegan ernähren, nur Bio-Lebensmittel kaufen, immer selbst kochen und vor allem nur Gesundes. Doch diese Trends sind nicht die Realität. Auch wenn in den Supermärkten mittlerweile zahlreiche Fleischersatzprodukte zu haben sind und obwohl Kochsendungen im Fernsehen beliebt sind, sind die Deutschen bei ihrer Ernährung wenig trendy und bleiben mehr bei dem, was ihnen schmeckt.

Das essen die Deutschen und so kaufen sie ein

So kommt bei vielen auch weiterhin sehr regelmäßig Fleisch und Wurst auf den Tisch – und das nicht immer aufwendig selbst gekocht, sondern gerne auch außer Haus verzehrt. Das zeigt der aktuelle BMEL-Ernährungsreport 2018 "Deutschland, wie es isst". Für den Report hat das Meinungsforschungsinstitut forsa im Oktober 2017 insgesamt 1.017 Bundesbürger im Alter ab 14 Jahren zu ihren Ess- und Einkaufsgewohnheiten befragt.

Einige der Ergebnisse dürften vor allem die deutschen Handwerksmetzger sehr erfreuen.

  • So gaben 30 Prozent der Befragten an, täglich Fleisch und Wurst zu essen.
  • Und dieses wollen die Deutschen möglichst aus regionaler Herkunft haben. 78 Prozent gaben an, dass ihnen dieses Kriterium beim Einkauf wichtig ist.
  • Den Einkauf erledigen die meisten gerne wohnortnah und sogar fußläufig erreichbar. Letzteres bevorzugen 49 Prozent.
  • Dabei geht der erste Weg für fast zwei Drittel in Richtung des Supermarkts und für 35 Prozent zum Discounter. Allerdings gaben auch 30 Prozent der Befragten an, den Großteil der Lebensmittel­einkäufe im Fachgeschäft zu erledigen. Zumindest einen Teil ihrer Besorgungen erledigen 92 Pro­zent in der Bäckerei, Metzgerei oder im Gemüseladen.
  • Beim Fleischeinkauf zählt für die Verbraucher immer stärker auch das Tierwohl. So wäre eine große Mehrheit von 90 Prozent auch bereit, mehr für Fleisch und Wurst zu bezahlen, wenn die Tiere besser gehalten werden, als es die Gesetze vorschreiben. In Zahlen drückt sich das so aus: Bei einem Kilo Fleisch, das zehn Euro kostet, wären 52 Prozent der Verbraucher bereit zwei bis fünf Euro draufzulegen. 23 Prozent würden sogar zehn Euro mehr bezahlen und sechs Prozent mehr als zehn Euro.
  • Entgegen kommt den Handwerksmetzgern, unter denen in den vergangenen Jahren viele auch das Geschäft mit Snacks und kleinen Mahlzeiten ausgebaut haben, der Trend zum Außer-Haus-Verzehr. So gaben zwar noch 43 Prozent der Befragten an, täglich zu kochen. Doch vor allem unter den Jüngeren und Berufstätigen spielt dies keine so große Rolle mehr. Mindestens einmal in der Woche essen die Deutschen im Schnitt unterwegs, in Kantinen oder Restaurants. Bei 43 Prozent der Menschen sind kleine und große Mahlzeiten unterwegs beliebt.
  • Wichtig ist den Deutschen aber ganz besonders eines: Dass es schmeckt. Das gaben 99 Prozent der Befragten an.
 

Dass Fleisch bei vielen Deutschen noch auf den typischen täglichen Speiseplan gehört, zeigt sich auch darin, dass der Absatz bei den Ersatzprodukten schon wieder rückläufig ist. So berichtet faz.net über Umfrageergebnisse der GfK, die zeigen, dass viele Menschen die Fleischersatzprodukte ausprobiert hätten, es aber bei diesem Versuch belassen. Der Bundesverband der Fleischindustrie meldet, dass   jeder Deutsche im Jahr im Schnitt 60 Kilo Fleisch ist und dass sich diese Zahl im Laufe der vergangenen Jahre kaum verändert hat.

Dennoch ist den Deutschen die Herkunft und die Qualität von Fleisch und Wurst immer wichtiger und auch, wie es den Tieren geht. Das zeigt der neue Ernährungsreport. Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt nahm der Bericht deshalb auch zum Anlass nochmals auf sein geplantes staatliches Tierwohllabel aufmerksam zu machen. Der Befragung nach würden es 79 Prozent befürworten. jtw

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