Imbiss statt Restaurant – Verbraucher achten wieder stärker auf den Preis. Das zeigt sich auch beim Essen außer Haus. Für Fleischereien liegt darin eine konkrete Chance – aber auch eine Rechnung, die nur unter bestimmten Bedingungen aufgeht.

Ob Currywurst vom Imbiss, Leberkässemmel aus dem Foodtruck vom Baumarktparkplatz oder Schnitzel im Brötchen auf die Hand – Snacks und ganze Gerichte, die statt im Restaurant lieber unterwegs oder im Stehen verzehrt werden, sind gefragt. Sie sind sogar so gefragt, dass diejenigen, die sie zubereiten und verkaufen, damit Rekordumsätze erzielen.
Zu den Branchen, die von diesem Trend profitieren, gehören die Fleischereien, die neben Fleisch- und Wurstwaren auch warme Gerichte anbieten – an der Verkaufstheke, in mobilen Verkaufsständen und vor allem dann, wenn sie Stände in großen Geschäften betreiben, etwa in den Vorkassenzonen von Supermärkten, Gartencentern oder Möbelhäusern oder auf deren Parkplätzen.
Gute Umsätze mit Speisen am Imbiss
Eine Auswertung des Handelsforschungsinstituts EHI zeigt, dass die Handelsgastronomie in Deutschland im Jahr 2025 ein Wachstum von 7,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr erzielte. Und der Aufschwung geht weiter: Für 2026 erwarten die befragten Unternehmen eine durchschnittliche Umsatzsteigerung von 4,3 Prozent. Zwar kann der Deutsche Fleischer-Verband (DFV) keine eigenen neuen Zahlen nennen, doch eine Nachfrage nach den Imbiss- und Snackangeboten sei vorhanden.
"Viele Fleischereien erzielen mit Imbissangeboten gute Umsätze", bestätigt der DFV auf Anfrage. Einige Betriebe seien zudem mit Foodtrucks aktiv. Wie erfolgreich solche Angebote sind, hängt laut Verband stark von der jeweiligen Gelegenheit – etwa Street-Food-Veranstaltungen oder Volksfesten –, vom Standort und nicht zuletzt vom Preisniveau ab. Dass Fleischereien Imbissangebote betreiben, sei dabei aber keine neue Entwicklung. Die letzte Erhebung des DFV hierzu stammt aus dem Jahr 2019. Damals erzielten die Fleischereien rund neun Prozent ihres Umsatzes mit Imbissangeboten. Zum Vorteil der Fleischereien zeigt die EHI-Studie, dass die meistverkauften Speisen für unterwegs Frikadellen, Currywurst und Schnitzel sind – also klassische Fleischerprodukte.
Speisen vom Imbiss: Erfolgsfaktor Preisniveau
Sowohl das Handelsforschungsinstitut als auch der DFV sehen als Grund für den aktuellen Trend die Preissteigerungen in der klassischen Gastronomie. Currywurst und Co. sind mit einem deutlichen Preisabstand zu Gerichten in Restaurants zu bekommen. "Ein wesentlicher Erfolgsfaktor dieser Angebote ist ihr vergleichsweise günstiges Preisniveau. Aktuell beobachten wir, dass Verbraucherinnen und Verbraucher wieder stärker auf die Preise achten", teilt der Fleischer-Verband mit. Er weist aber auch darauf hin, dass Betriebe, die ihr Angebot um warme Speisen und Snacks erweitern und diese im Rahmen der Handelsgastronomie anbieten möchten, auf die hohen Personalkosten achten sollten. Es rechne sich in der Regel nur bei ausreichend hoher Kundenfrequenz. Verbreiteter seien deshalb in den Fleischereien derzeit Angebote wie Mittagstische und Catering. jtw