Getreideernte 2026 Schlechtere Ernte, gutes Mehl – was steckt dahinter?

Sieben Prozent weniger Getreide, kleinere Körner, eine Noternte in Teilen Deutschlands: Die Bilanz der Ernte 2026 klingt alarmierend. Die Qualität stimmt dennoch und Bäcker dürfen auf nutzbares regionales Mehl setzen. Mühlenmitarbeiter berichten aus der Praxis.

Hafer
Hafer gilt als Trendgetreide. Da die Ernte 2026 allerdings nicht so gut ausfällt wie in den vergangenen Jahren, sind die Mühlen gut aufgestellt, die noch volle Lager haben. - © Limbo - stock.adobe.com - generiert mit KI

Der Sommer 2026 ist für die Landwirte eine große Herausforderung. Hitze, Trockenheit, Notreife – diese Begriffe prägen auch die Bilanz, die die Mühlenwirtschaft jetzt zieht. Die Getreideernte 2026 war durchschnittlich und mit einem Minus von sieben Prozent für die Müllerinnen und Müller noch verkraftbar. "Die Mühlen kommen mit dem Getreide klar und können daraus durchaus nutzbare Mehle herstellen", sagt Ralph Seibold, der Geschäftsführer der Schapfenmühle in Ulm-Jungingen. Dennoch sieht auch er die Anstrengungen, die der Sommer 2026 mit sich brachte – und darin auch einen Ausblick auf die Zukunft, auf die man sich einstellen müsse.

Getreideernte 2026: Das können Bäcker erwarten

Die Schapfenmühle gibt jedes Jahr eine Pressekonferenz zur Getreideernte. Dabei zieht sie Bilanz zur eigenen Situation und ordnet die Entwicklung in bundesweite Trends ein. Durch eine Bewertung der Getreidequalitäten kann sie Bäckern Empfehlungen an die Hand geben, wie diese mit den verschiedenen Mehlen umgehen sollten. Auch dabei fällt die Einschätzung durchaus nicht derart negativ aus, wie es die Meldungen zu Hitze, Dürre und dem fehlenden Niederschlag in den Reifemonaten des Getreides angedeutet hatten. Denn obwohl die Mengen bei den meisten Getreidesorten nicht an die vom vergangenen Jahr heranreichen und die Körner vieler Sorten kleiner sind, sind die Qualitäten gut. Ausschlaggebend sind hier vor allem die Proteingehalte des Getreides, die Enzymaktivitäten und der Feuchtigkeitsgehalt.

Um dies zu erreichen, mussten die Landwirte die Getreideernte in diesem Jahr im Schnitt drei Wochen früher einplanen als in anderen Jahren. Vielerorts kam es zu einer Noternte, damit die Getreidekörner nicht verbrennen. "Sie hatten ein kurzes Zeitfenster, da es im Juni mit der ersten Hitzewelle viel heißer war als üblich", erklärt Jürgen Ellerkamp, der Vertriebsleiter der Schapfenmühle. Daraus ergab sich ein Nord-Süd-Gefälle mit regionalen Unterschieden.

Strategie: Vertragsanbau und Lager

Zwar befindet sich die Schapfenmühle selbst im Süden Deutschlands und in einer Region, die unter der Hitze stark litt. Das Unternehmen hat allerdings schon seit Jahren Strategien entwickelt, um Schwankungen der Getreideernte auszugleichen. Es setzt stark auf Vertragsanbau und damit auf eine enge Kooperation mit Landwirten, die im Auftrag das Getreide anbauen, das die Mühle benötigt. Aktuell sind es Ralph Seibold zufolge gut 250 Landwirte, die im Auftrag der Schapfenmühle arbeiten. Da die Mühle versucht, möglichst regional zu wirtschaften, bezieht sie den Großteil des Getreides aus einem Umkreis von rund 100 Kilometern. "Um vereinbarte Mengen zu gewährleisten und auch das Wetterrisiko zu streuen, ist es aber manchmal nötig, darüber hinauszugehen", berichtet der Geschäftsführer.

Als vergleichsweise große Mühle kann die Schapfenmühle auf Schwankungen bei den Erntemengen reagieren, da sie eigene Getreidelager hat und mit Landwirten zusammenarbeitet, die selbst eine Lagerung gewährleisten können. Dieser Vorteil zeigt sich in diesem Jahr besonders beim Hafer. Denn Hafer ist gefragt – ob als Haferflocke oder Haferdrink – und die Anbauflächen haben in den vergangenen Jahren in Deutschland stark zugenommen. Da die Haferernte 2026 vergleichsweise schlecht ausfällt und keine allzu guten Qualitäten liefert, ist Ralph Seibold froh, berichten zu können, dass die Schapfenmühle noch Überhänge aus dem Jahr 2025 hat, die nun eingesetzt werden.

Hafer und Emmer im Trend

Einen weiteren Trend neben dem Hafer sieht die Schapfenmühle, die sich ganz besonders auf die Verarbeitung von Dinkel spezialisiert hat, bei Emmer, der auch Urweizen genannt wird. Emmer ist eine Weizenart, die als noch sehr ursprünglich gilt. Bisher hatte sie nur eine geringe Bedeutung im Anbau. Deshalb ist Emmer züchterisch auch noch wenig bearbeitet worden. Er gilt als besonders nährstoffreich.

>>> Auch der Verband der Getreide-, Mühlen- und Stärkewirtschaft (VGMS) hat eine Einschätzung zur Getreideernte 2026 veröffentlicht. Sie kann hier nachgelesen werden.