Hallen- und Objektbau "Es mangelt am Wissen über gute Gebäude"

DHZ-Gespräch mit Bernhard Heitele, bei der Bundesstiftung Baukultur Projektleiter der Reihe "wieweiterarbeiten", über hochwertigen Gewerbebau und die Frage, warum es so wenig davon gibt.

Frank Muck

Bei Hansmann, einem mittelständischen Bauunternehmen aus dem Kinzigtal im Schwarzwald, sind Werkzeuge, Maschinen und Materialien hinter einem Filter von Stelen versteckt. Ein heller Backsteinbau mit Lochfenstern und einem Betonrahmen prägt das Erscheinungsbild. Foto: Herzog - © Herzog

DHZ: Herr Heitele, wie muss ein gutes Betriebsgebäude aussehen?

Bernhard Heitele beschäftigt sich bei der Bundesstiftung Baukultur mit hochwertigem Gewerbebau. - © Till Budde/Bundesstiftung Baukultur
Bernhard Heitele

Heitele: Zur Bewertung gibt es drei Ebenen. Erstens müssen sich die Mitarbeiter wohlfühlen. Zweitens sollte die Firmenphilosophie an dem Gebäude ablesbar sein oder – noch besser – durch sie unterstützt werden. Ebenfalls wichtig ist, dass sich das Gebäude auf der Ebene der Stadt in den städtebaulichen und landschaftlichen Kontext einfügt. So ist das Gebäude auch für die gesamte Stadt etwas wert. Das sind die drei grundlegenden Ebenen für gute Gewerbebauten.

"Viele nehmen die Arbeit nicht mehr als Teil der Stadt wahr.“

DHZ: Wenn man sich die Gewerbegebiete anschaut, hat man das Gefühl, dass die Kriterien selten eine Rolle spielen. Fehlt das Bewusstsein?

Heitele: In der Tat. Durch die starke Trennung der Funktionen arbeiten und wohnen im Zuge des Wiederaufbaus der Städte nach dem 2. Weltkrieg sind die Arbeitsorte aus dem Bewusstsein der Stadt gefallen. Viele nehmen die Arbeit gar nicht mehr als Teil der Stadt wahr. Dadurch haben die Gewerbegebiete nicht die städtebaulichen Qualitäten wie andere Stadtteile, obwohl hier ein Großteil der Menschen viel Zeit ihres Lebens verbringt. Es gibt einzelne Unternehmen, die die genannten Kriterien beachten. „ernsting’s family“ in Coesfeld etwa. Dort wurden beim Bau der Anlage eben nicht nur herausragende Einzelarchitekturen realisiert, sondern auch ein richtiger Landschaftspark gestaltet und somit in den Außenanlagen eine hohe Aufenthalts- und gestalterische Qualität realisiert.

DHZ: Welche Motivation hätte denn überhaupt ein Bauherr, auf Baukultur zu achten?

Heitele: Die Gründe liegen auf der Hand. Zum einen ist das Gebäude die erste Visitenkarte jedes Unternehmens. Wenn Kunden oder Geschäftspartner auf ein anständiges Gebäude treffen, beeindruckt das natürlich jeden. Nach dem Motto: Wer ein ordentliches Gebäude hat, macht auch ordentliche Produkte. Man bekommt einen unglaublichen Vertrauensvorschuss. Außerdem zählt in unserer hochentwickelten Arbeitsgesellschaft die Zufriedenheit der Mitarbeiter. Im Kampf um qualifizierte Arbeitskräfte wird das Arbeitsumfeld immer wichtiger.

"Beim Planungsprozess wird zunächst vieles hinterfragt."

DHZ: Beim Neubau steht oft nur die Zweckmäßigkeit im Vordergrund. Mangelt es hier noch an Angeboten oder sind gute Gebäude eine Frage des Preises?

Heitele: Es mangelt an Wissen und daran, dass es wenig gute Beispiele gibt. Die Preisfrage ist ein Klischee. Für gute Gebäude kann man viel oder wenig Geld ausgeben, für schlechte Gebäude genauso. Manche Unternehmer schrecken vor dem Unbekannten zurück. Beim Planungsprozess wird zunächst vieles hinterfragt: die betrieblichen Abläufe insgesamt, die Zukunftsvision des Unternehmens, die Firmenphilosophie und auch die Zufriedenheit der Mitarbeiter. Das ist ein Prozess, der viele Unsicherheiten in sich birgt. Unsere Erfahrung zeigt, dass Unternehmer, die sich darauf ­eingelassen haben, sehr froh sind und Gebäude realisiert haben, an die sie so vorher nicht gedacht haben. Durch ein maßgeschneidertes Gebäude kommt man zum Teil auf viel bessere und ein­fachere Lösungen, die letztlich Kosten sparen. Wenn man die Funktionsbe­reiche gut miteinander verschränkt, braucht man zum Beispiel weniger Platz. Oder die Kommunikation unter den einzelnen Abteilungen verbessert sich, was wiederum einen Mehrwert für die Unternehmenskultur bedeutet.

DHZ: Wie sollte ein Betriebsinhaber vorgehen, wenn er ein hochwertiges Gebäude bauen will?

Heitele: Das Verhältnis zum Architekten ist der Schlüssel. Der Unternehmer kann sich vorher über Architekten und ihre bisherigen Projekte informieren. Es ist außerdem sinnvoll, sich ein paar dieser Gebäude anzuschauen. Die Bundesstiftung Baukultur baut derzeit eine Good-Practice-Datenbank. Wenn man sich dann tatsächlich für die Zusammenarbeit mit einem Architekten entscheidet, ist es oft sinnvoll, einen kleinen Ideenwettbewerb, z.B. mit drei Büros, mit denen man sich die Zusammenarbeit vorstellen könnte, durchzuführen.

"Die Wellenlängen müssen übereinstimmen.“

DHZ: Ist das realistisch für zum Beispiel eine Schreinerei?

Heitele: Es gibt natürlich Aufgaben, für die sich ein Ideenwettbewerb nicht lohnt. In diesen Fällen sollte der Unternehmer vielleicht eher in ausführlichen Vorgesprächen klären, ob er mit dem Architekten auf einer Wellenlänge ist.

DHZ: Es gibt bisher viele schlechte Lösungen. Wie sieht der Wille der Kommunen aus, daran was zu ändern?

Heitele: Das Bewusstsein wächst, wohnverträgliche Arbeitsorte anzubieten, um städtische Qualität zu erzeugen. Die rechtlichen Rahmenbedingungen machen es oft nicht einfacher, wenn man etwa an Lärm oder andere Emissionen denkt. Das ist ein langer Weg. Bei der Stadtplanung spricht man über Zeiträume von 10 bis 20 Jahren.