Trotz Pandemie Ermutigende Zahlen zur Ausbildung

Ernüchternde Zahlen zu den 2020 abgeschlossenen Ausbildungsverträgen hatten die Stimmung gedämpft. Eine neue Auswertung des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) belegt aber, dass Betriebe und Azubis in schwierigen Zeiten zusammenhalten. Warum insbesondere Deutschland und das Handwerk Grund zum Aufatmen haben.

Stempel mit "Bestanden"
Endlich gibt es positive Nachrichten zum vergangenen Ausbildungsjahr in der Pandemie. - © DOC RABE Media - stock.adobe.com

Nur rund 465 700 Jugendliche haben in Deutschland 2020 einen Ausbildungsvertrag abgeschlossen.

Laut Zahlen des Statistischen Bundesamtes ist das ein Rückgang um 9,3 Prozent und damit der größte prozentuale Rückgang seit Beginn der Erfassung im Jahr 1977. Ebenso habe es noch nie seit Beginn dieser Statistik in einem Jahr weniger als 500.000 neue Azubis gegeben, so Rotraud Kellers aus dem Statistischen Bundesamt.

Neue Analyse des BIBB

Dass aber zumindest diejenigen, die einen Ausbildungsplatz ergattern konnten, zu einem höheren Anteil die Ausbildung auch abgeschlossen haben, verbucht der Präsident des BIBB Friedrich Hubert Esser als Erfolg:

"Die jetzt vorgelegten Zahlen belegen aber eindrucksvoll, dass für diejenigen, die 2020 in einem Ausbildungsverhältnis standen, die duale Berufsausbildung trotz der enormen Herausforderungen vergleichsweise erfolgreich verlaufen ist."

Mit den angesprochenen Zahlen sind die Ergebnisse einer Analyse des BIBB, also die zurückgegangene Quote der aufgelösten Ausbildungsverträge (25,1 Prozent) und der nur geringfügig gestiegene Anteil der nicht bestandenen Abschlussprüfungen (7,7 Prozent) gemeint.

Die Quote der aufgelösten Ausbildungsverträge ist um 1,8 Prozentpunkte gesunken, die Quote der nicht bestandenen Abschlussprüfungen um 0,5 Prozentpunkte gestiegen.

Pandemieauswirkungen auf Deutschland und das Handwerk

Die Zahlen des Statistischen Bundesamtes belegen auch, dass der Rückgang der abgeschlossenen Ausbildungsverträge im Handwerk mit 6,5 Prozent moderater ausfiel, als in Handel und Industrie.

Mit Blick auf die aktuelle Lage am Ausbildungsmarkt, führt Hans Peter Wollseifer, Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH), eine Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) an, nach der sich in Deutschland, anders als im OECD-Durchschnitt die Arbeitslosenquote junger Erwachsener während der Corona-Pandemie (um etwa einen Prozentpunkt) kaum erhöht habe.

Trotz guter Absolventenquoten, relativ guter Zahlen des Handwerks innerhalb Deutschlands und verhältnismäßig guter Zahlen Deutschlands innerhalb der OECD, mahnt der ZDH-Präsident zur Zurückhaltung. So fordert er, die Erkenntnisse der OECD-Studie zur Finanzierungslücke ernst zu nehmen und prangerte nicht besetzte Ausbildungsplätze an.

Im Handwerk bieten die Betriebe auch jetzt noch gut 28.000 offene Ausbildungsplätze an. Das seien tausendfach ungenutzte Ausbildungs- und zukunftssichere Berufschancen. Grade auch vor dem Hintergrund der anstehenden Umsetzung von "wichtigen Zukunftsaufgaben, wie der Erreichung der Klimaziele oder der Elektromobilität". Hier müssten nun Politik und Handwerk an einem Strang ziehen. Es seien noch viele Jugendliche nachträglich für das aktuelle Ausbildungsjahr zu gewinnen, so Wollseifer.