Die Deutschen stehen hinter der Energiewende, aber sie geht ihnen zu langsam voran. Wie der Energiemonitor 2012 zeigt, sehen die Bürger die Politik hierbei in der Pflicht. Viele fordern einen noch schnelleren Atomausstieg bei weiterhin stabiler Versorgungssicherheit. Befragt nach den einzelnen Branchen, die die Energiewende in die Tat umsetzen, bekommt das Handwerk die besten Werte.

Geht es um Energiepreise, so denkt jeder sofort an steigende Kosten. Doch im Unterschied zu den vergangenen Jahren beschweren sich die Deutschen – zumindest bei den Energiekosten für Strom, Wasser und Heizung – nicht über die Energieversorger. Einzig die Mineralölkonzerne erleiden momentan immer größere Imageverluste. Der Umstieg auf erneuerbare Energien lässt auch die Strompreise etwas ansteigen, doch das nehmen die Verbraucher wie es scheint gerne in Kauf, wenn es dafür mit dem Atomausstieg vorangeht.
Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) hat in seiner regelmäßigen Umfrage, dem so genannten Energiemonitor, ermittelt, wie ernst die Deutschen die Energiewende nehmen, wie wichtig ihnen das Thema Energie als solches ist und wie sie das Image der beteiligten Branchen einschätzen. Fest steht nun: Wenn es um die Umsetzung der Energiewende geht, setzen die Verbraucher aufs Handwerk. Diesem Wirtschaftszweig bringen sie das größte Vertrauen entgegen.
Atomausstieg könnte noch schneller gehen
Das zweitbeste Image erreichte auf Anhieb die Solarwirtschaft, obwohl sie in diesem Jahr zum ersten Mal bei der Umfrage mit dabei war. Sie profitiert von den stark abfallenden Werten der Atomstromerzeuger. Diese kommen 2012 auf den vorletzten Platz im Ranking, gefolgt nur noch von der Mineralölindustrie. Die Bürger haben sich also schon verabschiedet von der Kernkraft und wollen sie lieber heute als morgen loswerden: 40 Prozent der Bevölkerung halten den Ausstieg aus der Kernenergie bis zum Jahr 2022 für richtig und 35 Prozent wünschen sich sogar einen schnelleren Ausstieg.
Doch der Atomausstieg und die Energiewende haben Folgen. Die Mehrheit der Bevölkerung ist demnach der Meinung, dass die Strompreise durch den Umstieg auf erneuerbare Energien steigen werden. Doch der Zuspruch zur Energiewende bleibt trotzdem ungebrochen. Die Bürger scheinen die Notwendigkeit erkannt zu haben. Den wichtigsten Grund für die höheren Kosten sehen sie sowieso im starken Gewinnstreben der Energiekonzerne. Momentan spielen viele Faktoren mit in die Schwankungen am Energiemarkt und auch bei der Etablierung der neuen Energiestrategien hinein, so die Ergebnisse.
Energiewende ist Gemeinschaftsprojekt
"Die Energiewende ist kein rein energiepolitisches Projekt", schreibt auch Hildegard Müller, die Hauptgeschäftsführerin des BDEW im Vorwort der Studie, deren Ergebnisse der Deutschen Handwerks Zeitung vorliegen. Die Energiewende sei eine Gesellschaftsaufgabe, die auch die Art und Weise, wie wir uns mit Energie versorgen, nachhaltig beeinflussen wird. Und wie die Ergebnisse zeigen, sind die Deutschen auch bereit dazu. Doch gleichzeitig fordern sie auch ein entschiedeneres Vorgehen der Politik.
52 Prozent der Bürger halten die Energiewende laut Energiemonitor für sehr wichtig, 37 Prozent für wichtig. Gleichzeitig sagen aber auch 52 Prozent, dass sie nicht gut vorankomme. In der Verantwortung steht nach Ansicht der Verbraucher hierbei die Politik. 61 Prozent der Befragten sind der Meinung, dass die Politik die Verantwortung für die Energiewende tragen müsse. Auch bei der Frage, wer einen Beitrag zum Ausbau der erneuerbaren Energien leisten kann, sagen 85 Prozent der Befragten, dass hier die Politik in der Pflicht sei. Doch auch die Energieversorger und die Industrie sollten hierbei mehr unternehmen. Eigenes Engagement wie etwa in Umweltverbänden oder ähnlichem schätzen sie als eher unwirksam ein.
Große Befürchtungen im Zusammenhang mit der Energiewende werden auch immer wieder beim Thema Versorgungssicherheit laut. Doch hier sind die Deutschen bislang noch nicht beunruhigt. Hier beurteilen sie aktuell die jeweils eigenen Stromversorger als vertrauenswürdig. Nur 17 Prozent erwarten in Zukunft größere Stromausfälle aufgrund des Umstiegs auf erneuerbare Energien. Doch gleichzeitig geht dieser Umstieg der Mehrheit der Befragten zu langsam voran. 56 Prozent wäre ein schnellerer Ausbau lieber.
Windenergie und Elektroautos sind die Zukunftsthemen
Dabei zeigen sich auch klare Präferenzen, welche Themen nach Ansicht der Verbraucher in Zukunft im Zusammenhang mit der Energiewende an Bedeutung gewinnen werden. 86 Prozent der Bevölkerung meinen demnach, dass in den nächsten zehn Jahren die Offshore-Windenergie eine besonders wichtige Rolle spielen wird, gefolgt von der Biomasse (51 Prozent), der Geothermie (48 Prozent) und Solaranlagen in Nordafrika (47 Prozent).
Nimmt man den Bereich der Mobilität hinzu, so misst der Großteil (68 Prozent) der Befragten Elektrofahrzeugen ungebrochen eine hohe Bedeutung bei, während bei Erdgasfahrzeugen die Erwartungen deutlich zurückgegangen sind. Nur noch 41 Prozent halten die Rolle Erdgas-betriebener Fahrzeuge in zehn Jahren für wichtig oder sehr wichtig . jtw