Smart Home Energiemanagement wird immer wichtiger

Die intelligente Steuerung von Energieflüssen gewinnt nicht zuletzt durch die Novellierung des Energiewirtschaftsgesetzes an Bedeutung. Ein lukrativer Markt für Handwerksbetriebe?

Empfang, Energiemanagement
Eine Empfangsmitarbeiterin kontrolliert das Energiemanagement eines Gebäudes. - © ArGe Medien im ZVEH

Neben dem Megathema Künstliche Intelligenz werden Energiemanagement und Energieeffizienz im Markt der Smart-Home-Anwendungen immer wichtiger. Das teilt der Digitalverband Bitkom mit. "Smarte Heizkörperthermostate ­sparen unmittelbar Energie ein. In Verbindung mit Smart Metern, einer Wärmepumpe, smarter Verschattung oder auch einer smarteren Gebäudetechnik kann das Potenzial digitaler Technologien nochmals drastisch gesteigert werden", sagt Bitkom-Hauptgeschäftsführer Bernhard Rohleder. Ein großer Teil der Energie wird für warme Wohnungen und warmes Wasser verbraucht. Smarte Tools beschleunigten mit einer höheren Energieeffizienz die Energiewende.

Investitionen wachsen mit mehr Verständnis

Auch Andreas Habermehl und Moritz Bonn vom Zentralverband der Deutschen Elektro- und Informationstechnischen Handwerke (ZVEH) gehen davon aus, dass die Umsätze im Bereich Energiemanagement in den kommenden Jahren eher wachsen werden. Es werde nicht von heute auf morgen einen Hype geben, aber die Investitionen würden steigen, "wenn die Leute verstehen, dass es Sinn macht", bestätigt Habermehl.

Der Geschäftsführer Technik und Berufsbildung verweist auf den zum 1. Januar 2024 geänderten § 14a des Energiewirtschaftsgesetzes. Der Paragraf hat vorher schon besagt, dass der Netzbetreiber in den Betrieb von Wärmepumpen oder Nachtspeicheröfen eingreifen kann, um die Gefahr einer Netzüberlastung zu senken. Um dem Netzbetreiber die Möglichkeit zu geben, diese Geräte an zwei Stunden pro Tag vom Netz zu nehmen, wurde beispielsweise eine Wärmepumpe über einen Rundsteuerempfänger angeschlossen. Die Kunden erhielten im Gegenzug eine Kompensation in Form reduzierter Stromtarife.

Geräte müssen Signale empfangen können

Mit der Neuregelung erhält der Kunde als Kompensation ein Netzentgelt oder Arbeitspreisreduzierung – auch wenn der Netzbetreiber nicht steuerbar eingreift. Die Neuregelung besagt allerdings, dass die Steuerung zukünftig über einen intelligenten Stromzähler sowie eine Steuerbox erfolgen muss, und zwar nur dann, wenn akut eine Netzüberlastung droht. Die Geräte sollen dann auch nicht mehr ganz abgeschaltet, sondern lediglich in ihrem Leistungsbezug reduziert werden. Um dieses "netzorientierte Steuern" zu ermöglichen, müssen große Stromverbraucher wie Wärmepumpen, Klimageräte oder Wallboxen so ausgestattet sein, dass sie die Signale des Netzbetreibers empfangen können und damit steuerbar sind. Das gilt jedoch nur für neue Anlagen, die seit 2024 installiert wurden. Aufgrund des hohen Zulaufs bei Wärmepumpen und Wallboxen werden vor allem im Winter Netz­überlastungen erwartet. Dem will die Bundesregierung entgegenwirken.

Ein Energiemanagement hätte dann den großen Vorteil, dass der Verbraucher im Falle eines Eingriffs durch den Netzbetreiber selbst entscheiden kann, welches Gerät gedimmt wird. Ist sowohl eine Wärmepumpe als auch eine Wallbox vorhanden, könnte das Energiemanagement entscheiden, verbleibenden Strom für die Wärmepumpe zu nutzen, wenn etwa das Auto gerade nicht geladen werden muss. Auch der Strom der Photovoltaik-Anlage oder aus deinem Batteriespeicher kann vollständig genutzt werden. Ohne Energiemanagement würden Wallbox oder Wärmepumpe automatisch auf die vorgegebenen Leistungswerte gedimmt. In diesem Fall nutze einem auch die Leistung der PV-Anlage nichts. "Das Energiemanagement kann das vorhandene Budget so auslegen, dass man von der Abregelung praktisch nichts mehr merkt", ergänzt Moritz Bonn, Referatsleiter Politik und Volkswirtschaft. Vielen Kunden wäre dieser Aspekt der Neuregelung noch nicht klar.

Umsatzanteile nur schwer ermittelbar

Wie hoch die Umsätze speziell im Energiemanagement sind, lässt sich laut Moritz Bonn nur schwer sagen, weil die von Betrieben erarbeiteten Umsätze selten allein auf das Energiemanagement beschränkt seien. Das Thema Smart Home wird eher als Ganzes erfasst und verzeichnet insgesamt einen leichten Anstieg am Gesamtumsatz. Intelligente Ge­bäude- und Energiesteuerung machen demnach derzeit 3,7 Prozent des Gesamtumsatzes von rund 87 Milliarden Euro im Jahr 2023 aus. Auf Energiemanagementsysteme direkt entfielen bis Herbst dieses Jahres 0,7 Prozent Umsatzanteil.

Noch nicht eingerechnet ist der Markt der erneuerbaren Energien, in dem das Management einen wesentlichen Anteil einnimmt. Rund neun Prozent der Gesamtumsätze entfallen allein auf PV-Anlagen, Kraft-Wärme-Kopplung und Speichertechnologien. Wärmepumpen und Ladeinfrastruktur für Elektromobilität kommen zusätzlich. Betrachte man die Umsatzentwicklung im Kontext der erneuerbaren Energien, lasse sich schon von einem leicht überproportionalen Wachstum sprechen. fm