Handwerk im Film "Das Haus": Wenn das Smart Home die Kontrolle übernimmt

Der spannende Thriller "Das Haus", der seit 7. Oktober im Kino läuft, erzählt die Geschichte eines Ehepaares, das von seinem vollvernetzten Eigenheim terrorisiert wird. Lesen Sie hier, warum sich der Kinobesuch lohnt – und warum das Handwerk auf der großen Leinwand eine wichtige Rolle spielt.

Filmszene aus "Das Haus".
Ein Traum von einem Ferienhaus: Das Handwerk hat mit großen Glasfronten, schickem Außenpool und modernster Elektronik ganze Arbeit geleistet. Doch "Das Haus" wird für seine Bewohner zum persönlichen Albtraum. - © Andreas Schlieter

Die Digitalisierung und das "Internet der Dinge" prägen nicht nur das Handwerk, sondern auch unser Leben in den eigenen vier Wänden immer stärker: Vernetzte Kühlschränke bestellen Vorräte selbstständig im Netz, intelligente Saugroboter befreien unsere Zimmer von Schmutz und Alexa, Siri und Co gehorchen uns per Sprachbefehl (fast) immer aufs Wort. Ein "Smart Home" spart Zeit und erleichtert das Leben.

Doch der durchdigitalisierte Alltag birgt auch große Risiken: Unsere Abhängigkeit vom High-Tech zeigt sich vor allem dann, wenn die Technik mal nicht funktioniert. Werden Passwörter gehackt, Netzwerke lahmgelegt oder Daten gestohlen, droht ein böses Erwachen. Und wer sich ohne Nachdenken wie selbstverständlich auf sein Navigationsgerät verlässt, landet schon mal im nächsten Hafenbecken.

Wie schnell diese Abhängigkeit lebensgefährlich werden kann, illustriert auch Filmemacher Rick Ostermann in seinem spannenden Near-Future-Thriller "Das Haus", der auf dem Filmfest Hamburg in der Sektion "Große Freiheit" gezeigt wurde und am 7. Oktober im Kino startet: Der im Jahr 2029 angesiedelte Film erzählt vor spektakulärer Naturkulisse von einem Ehepaar, das in ein abgelegenes Ferienhaus flüchtet und dort von seinem eigenen Smart Home aufs Kreuz gelegt wird. Klingt ein wenig nach Science Fiction – ist aber vielleicht näher an der Realität, als wir es wahrhaben wollen.

Ein vollvernetztes Luxushaus in allerbester Lage

Das Setting mutet an wie aus alten James-Bond-Filmen, in denen die Bösewichte für ihren mondänen Unterschlupf vermeintlich unerreichbare Orte bevorzugten: Starjournalist Johann Hellström (Tobias Moretti) und seine Frau Lucia (Valery Tscheplanowa) treffen zu Beginn des Films per Bootstaxi auf einer malerischen Insel ein. "Das ist der sicherste Ort der Welt", beruhigt Johann seine Gattin und wähnt sich in dem von der Außenwelt abgeriegelten Luxushaus in absoluter Sicherheit. Durch einen kritischen Artikel ist er ins Visier der neuen antidemokratischen Regierung geraten. Am Zufluchtsort seiner Wahl ist innen wie außen alles vom Feinsten – und dürfte die Herzen all jener, die sich nicht mit Fertighäusern oder IKEA-Möbeln zufrieden geben, direkt höher schlagen lassen.

Denn das Handwerk hat hier ganze Arbeit geleistet: Die Glaser und Fensterbauer haben riesige Glasfronten installiert, die den üppigen Wohnbereich mit Tageslicht fluten und einen traumhaften Seeblick gestatten. Die stilvollen Vertäfelungen und das prachtvolle Interieur zeugen von hochwertigem Schreinerhandwerk. Und die Ofenbauer haben sogar einen smarten Kamin integriert, der sich in Sekunden selbst entzünden kann.

Vor allem aber läuft ohne die Arbeit der Informationselektroniker und ohne digitale Vernetzung in diesem Smart Home nichts: Fenster, Zimmer und Infinity-Pool verriegeln sich automatisch, der Duschkopf ändert per Sprachbefehl die Wunschtemperatur und dem Leitungswasser, das ohne SHK-Handwerk nicht einmal den Weg ins Waschbecken finden würde, lassen sich per Touchscreen fehlende Mineralstoffe und Ibuprofen gegen aufkeimende Kopfschmerzen hinzufügen. Ein Traum vom modernen Eigenheim?

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    Filmszene aus "Das Haus".
    © Andreas Schlieter
    Kann sich in den eigenen vier Wänden nicht mehr sicher sein: Der Journalist Johann Hellström (Tobias Moretti) gerät ins Visier der rechtspopulistischen Regierung.
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    Ein Traum von einem Ferienhaus: Das Handwerk hat mit großen Glasfronten, schickem Außenpool und modernster Elektronik ganze Arbeit geleistet.
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    Filmszene aus das Haus.
    © Andreas Schlieter
    Das Misstrauen wächst: Johann (Tobias Moretti) und Lucia (Valery Tscheplanowa) werden von ihrem vollvernetzten Haus gegeneinander ausgespielt.
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    Filmszene aus das Haus.
    © Andreas Schlieter
    Können diese Augen lügen? Lucia (Valery Tscheplanowa) hat ihren Mann hintergangen – und das Smart Home weiß über ihr Falschspiel bestens Bescheid.
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    Filmszene aus "Das Haus".
    © © Andreas Schlieter
    Unverhoffter Besuch: Die gewaltbereiten Aktivisten Alex (Max von der Groeben) und Layla (Lisa Vicari) tauchen bei den Hellströms unter und geraten dadurch erst recht in Gefahr.

"Das Haus": Das Smart Home übernimmt die Kontrolle

Mit der Idylle ist es schnell vorbei. Denn schon bald wandelt sich das vollständig vernetzte Haus vom friedlichen Refugium zum gefährlichen Gegenspieler mit bedrohlichem Eigenleben: Der Kühlschrank ordert ungefragt Unmengen an Lebensmitteln, elektronisch verriegelte Türen lassen sich plötzlich nicht mehr öffnen und die Tablets und Screens an der Wand enthüllen wie zufällig intime Kameraaufzeichnungen, die das glückliche Eheleben der Hellströms ins Wanken bringen. Übernimmt das Haus das Heft des Handelns?

Während die politischen Verhältnisse in Deutschland eskalieren, erleben Johann und Lucia fernab der Zivilisation ihren persönlichen Alptraum – und wir fiebern mit. Weil ihr Smart Home womöglich gekapert wurde und mehr über sie weiß als sie selbst, können die beiden sich in den eigenen vier Wänden immer weniger sicher sein. Eine beklemmende Vorstellung, die an unsere Urängste appelliert – und bei näherer Betrachtung dessen, wieviel persönliche Daten und Gewohnheiten wir digitalen Helfern preisgeben, kein ganz unwahrscheinliches Szenario. Nicht von ungefähr erinnert die rote Leuchte des hauseigenen Sicherheitssystems mit dem fast höhnischen Namen "Peace of Mind" an den Computer "HAL" aus Stanley Kubricks Sci-Fi-Meisterwerk "2001 – Odyssee im Weltraum" und an ein allessehendes rotes Auge: Big Brother is watching you.

Das Misstrauen wächst – und der Horror bricht sich Bahn

Eine finstere Dystopie, die die Filmemacher hier entwerfen, und aus der der spannende Thriller zugleich seinen größten Reiz zieht: Während die Rahmenhandlung um die instabile politische Lage und einen terroristischen Anschlag eher schwach auf der Brust ist und selten mit entsprechenden Nachrichtenbildern unterfüttert wird, bricht sich der Horror im Hause Hellström zunehmend Bahn. Spielt das Haus Lucia und Johann gegeneinander aus? Traute Zweisamkeit und Vertrauen weichen subtiler Angst und berechtigtem Misstrauen – und spätestens, als auch die tatendurstigen Linksaktivisten Layla (Lisa Vicari) und Alex (Max von der Groeben) in dem vermeintlich sicheren Smart Home Zuflucht suchen, dreht sich die Gewaltspirale immer schneller.

In welche Richtung sich der Film auf der Zielgeraden entwickelt, soll hier nicht verraten werden – der Besuch im Kino sei aber wärmstens empfohlen. Denn "Das Haus" bietet fiebrige Kammerspiel-Momente und ein wendungsreiches Finale – wer auf der Leinwand das Auserzählte liebt, dürfte mit den offenen Handlungsfäden aber nicht ganz glücklich werden. Wer hingegen ein Faible für düsteren Cyberthrill mitbringt und über kleinere Logiklöcher hinwegsehen kann, kommt bei dem 92-minütigen Thriller voll auf seine Kosten – und denkt nach dem Abspann vielleicht nochmal darüber nach, wie digital und smart er in Zukunft leben möchte.

>>> Weitere Informationen zum Film finden Interessierte hier

Hier den Trailer von "Das Haus" anschauen: