Neue Heizungen brauchen seit September ein Energielabel. Das SHK-Handwerk ist mit dem Handling zufrieden. Nur die Verbraucherzentrale äußert Bedenken – zum Vorteil der Fachhandwerker.
Sandra Depner

Tausche alten, ineffizienten Heizkessel gegen neue und umweltfreundliche Anlage: Das ist das Ziel der Bundesregierung, das sie mit dem neuen Energielabel für Heizungen verfolgt. Seit September müssen Hersteller europaweit ihre Anlagen energetisch klassifizieren: Von der Klasse G in Rot für eine mangelnde Energieeffizienz bis hin zu A+++ in Grün für einen sehr guten Wert. Das betrifft aktuell neue Raumheizgeräte, Kombiheizgeräte, Warmwasserbereiter und Verbundanlagen. Ab 2017 kommen noch Altgeräte und Pelletheizungen hinzu.
Das Energielabel soll Verbraucher motivieren, ihre alte Anlage kritisch zu hinterfragen und in neue Geräte zu investieren. "Das ist eine sehr gute Marketing-Maßnahme. Verbraucher achten auf das Energielabel“, sagt Jürgen Kirsten. Der Obermeister der SHK-Innung in Chemnitz ist überzeugt, dass das Label seine Kunden künftig bei der Kaufentscheidung unterstützen kann und eine erste Orientierung liefert. Momentan stagniere das Geschäft mit neuen Anlagen, sagt er. Das Label könne den Handel ankurbeln.
Neue Heizung statt "Müllverbrennungsanlage"
Ähnlich denkt auch Frank Ebisch, Pressesprecher des Zentralverband Sanitär Heizung Klima. "Oft kümmern sich die Kunden erst dann um eine neue Heizungsanlage, wenn die alte kaputt geht. Das könnte sich jetzt ändern“, sagt er. Ein weiterer Schritt in diese Richtung ist das Energielabel für alte Anlagen.
Im kommenden Jahr ist das Etikett noch freiwillig, aber ab 2017 müssen Schornsteinfeger, Heizungsinstallateure oder Gebäudeenergieberater das Etikett verpflichtend anbringen. Obermeister Kirsten hofft, dass Verbraucher dann endlich über ihre alten Heizanlagen nachdenken. Die alten Kessel seien nicht effizient, sondern wahre "Müllverbrennungsanlagen“.
Nur „bedingt tauglich“
Ähnlich wie bei Glühlampen oder Kühlschränken soll das Etikett dem Verbraucher Vergleichbarkeit und Transparenz bieten. Genau das bezweifelt die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen jedoch: Sie bezeichnet das Label als "nur bedingt tauglich“ und kritisiert, dass es – anders als etwa beim Kühlschrank – keine Entscheidungshilfe beim Kauf sei. Frank Ebisch kennt die Position der Verbraucherzentrale und kann ihr im Grunde zustimmen: Das Label allein könne dem Verbraucher nicht helfen.
Denn – anders als beim Kauf eines Kühlschranks – ist der Laie trotz Energielabel auf die Beratung durch Experten angewiesen. Das liegt daran, dass das Energielabel für Heizungen einerseits Anlagen mit verschiedenen Energieträgern miteinander vergleicht; andererseits spielen individuelle Begebenheiten beim Einbau eine bedeutende Rolle für die Effizienz und die Betriebskosten.
Ebisch sieht Fachhandwerker wie Kirsten in einer Mittlerrolle zwischen Energielabel und Verbraucher: "Es braucht die Beratung durch das Fachhandwerk. Vor allem dann, wenn es um komplexe Fragen nach Möglichkeiten der Optimierung und Modernisierung geht. Das Label kann nur einen Anstoß für eine Investition geben, aber nicht den Experten ersetzen.“
Verbundanlage: per Mausklick zum Etikett
Wenn Jürgen Kirsten heute seine Kunden zur Energieeffizienz ihrer Heizung berät, surft er oft erst einmal im Internet: Wenn es sich nämlich um eine Verbundanlage handelt, muss der 62-Jährige wie all seine Fachkollegen selbst aktiv werden. Kirsten erstellt dann für Verbundanlagen, die aus mehreren Komponenten verschiedener Hersteller bestehen, auf Grundlage ihrer Energieeffizienz ein neues Energielabel.
Unterstützt wird er dabei vom Spitzenverband für Gebäudetechnik, VDZ. Auf der VDZ-Seite www.heizungslabel.de findet er die Werte für die einzelnen verbauten Komponenten, die Hersteller dort veröffentlicht haben. Für Kirsten ist die Seite eine große Hilfe. "Hier finde ich alle Daten der Hersteller. Die Daten müssen korrekt und verlässlich sein. Immerhin hafte ich als Handwerker am Ende für einen Fehler.“
Energielabel online: Die Schnittstelle zur Software
Bei Verbundanlagen muss der SHK-Handwerker das Energielabel selber erstellen. Auf der Internetseite www.heizungslabel.de vom Spitzenverband der Gebäudetechnik (VDZ) sind die Herstellerangaben gelistet. So kann ohne lange Suche für individuelle Heizungsanlagen aus verschiedenen Komponenten ein Energielabel erstellt werden.
Damit die Ausgabe des Labels mit dem Angebot automatisch erfolgen kann, haben Hersteller kaufmännischer Handwerkersoftware eine Schnittstelle zur Internetseite eingebaut. Ob auch Ihr Programm über diesen Service verfügt und wie Sie die Daten integrieren können, das erfahren Sie ebenfalls auf der VDZ-Plattform.